Die Realschule Nord in Bad Oeynhausen bekommt nach den Ferien eine neue Leitung
Lehrer-Trio geht in Pension

Bad Oeynhausen (WB). Zusammen verfügen sie über 120 Jahre Schulerfahrung: Seit mehr als 20 Jahren sind Schulleiterin Karola Picht-Dreier, der erste Konrektor Ralf Poggemeier und die zweite Konrektorin Elisabeth Grote als Kopf der Realschule Nord ein eingespieltes Team. Mit Vollendung des 40. Berufsjahres verabschiedet sich das Trio am 31. Juli gemeinschaftlich in den Ruhestand. Wer ihre Nachfolger sein werden, steht bislang nicht fest.

Freitag, 03.07.2020, 07:20 Uhr
Dem Abschied von Karola Picht-Dreier (von links, Schulleiterin), Ralf Poggemeier (erster Konrektor) und Elisabeth Grote (zweite Konrektorin) wohnt gleichzeitig auch ein Neuanfang inne – nicht nur für die baldigen Ruheständler, auch für die Schule, die nach den Sommerferien mit einer komplett neuen Leitung in das neue Schuljahr starten wird. Foto: Lydia Böhne

In den Verwaltungsräumen der Realschule Nord stehen bereits alle Zeichen auf Neuanfang: Der 22 Jahre alte Teppich wird ersetzt, die Räume saniert. Der Weichenstellung für die Zukunft der Schule blicken Karola Picht-Dreier, Ralf Poggemeier und Elisabeth Grote positiv entgegen. „Wenn man so lange an einer Schule ist, verliert man manchmal den Blick für Neues.

WLAN läuft, Schulleitung geht

Es ist einfach an der Zeit, dass Jüngere ihre Ideen einbringen“, beschreibt Ralf Poggemeier den Generationenwechsel. Lange hatte sich der Lehrer für Mathematik, Physik, Informatik und Technik für die Digitalisierung der Schule eingesetzt. „Mittlerweile läuft immerhin das WLAN, dafür habe ich lange gekämpft“, sagt Ralf Poggemeier. Damit das geplante Digitalpaket aber auch umgesetzt werden kann, müssen noch einige Vorkehrungen getroffen werden.

Schule ohne Rassismus, Schule mit Herz oder Schule der Zukunft – die Schulleitung hat zahlreiche Projekte, Siegel oder Aktionen an der Schule realisiert. Als eine der größten, noch immer andauernden Herausforderungen hat Karola Picht-Dreier allerdings die Einrichtung internationaler Förderklassen im Zuge der Flüchtlingswelle 2015 erlebt. Sie habe ihr noch einmal die Besonderheit des Lehrberufs offenbart: „Man stößt manchmal an seine Grenzen. 2015 haben wir viele Schicksale erlebt, die teilweise sehr belastend waren.“

Corona zerrt an den Nerven

Lehrer ist laut Karola Picht-Dreier kein Beruf, den man nach acht Stunden an den Nagel hängt. „Auch Einzelschicksale nimmt man manchmal noch mit nach Hause. Als Lehrer sollte man empathisch sein und Freude an dem haben, was man tut“, ergänzt die Lehrerin für Biologie und Chemie.

Auch die Ereignisse der vergangenen Monate unter Corona stecken dem Leitungsteam noch in den Knochen, wie die Schulleiterin berichtet. Die ständige Anpassung an die neuen Bestimmungen, die Organisation der Notbetreuung und die Angst, es könnte jeden Moment doch zum Lockdown kommen, haben an den Nerven gezerrt. Was die drei Lehrer am meisten bedauern, ist jedoch die fehlende Nähe zu den Schülern. „Sie geben einem emotional so viel.

Besonders schön war zu sehen, wie aus Kindern Pubertierende und schließlich junge Erwachsene werden“, sagt Karola Picht-Dreier. Die Kombination von fachlichem Interesse und der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen war auch für Elisabeth Grote und Ralf Poggemeier ausschlaggebend, den Lehrerberuf zu ergreifen.

E-Bike-Touren und Gemüsebeete

Ralf Poggemeier bedauert zudem, dass er seit Mitte März nicht mehr mit den Schülern arbeiten konnte. Eine Wirbelsäulenverkrümmung und die Krankheit Polio in Folge eines Impfschadens ließen den Lehrer zur Hochrisikogruppe zählen.

Gerne hätten sich die drei Pädagogen im Rahmen einer großen Abschiedsfeier von allen verabschiedet. Wegen Corona war dies nur im kleinen Rahmen möglich. „Stattdessen war Raum für persönliche Gespräche“, sagt Elisabeth Grote, Fachlehrerin für Sozialwissenschaft, Religion und Politik. Dankbar ist die Schulleitung neben der Zusammenarbeit mit der Schülervertretung, den Eltern oder dem Förderverein auch dem Kollegium.

„Ich nehme die familiäre Atmosphäre innerhalb der Schule mit“, ist sich Karola Picht-Dreier sicher. Angst, dass nun eine Welle der Langeweile über sie hereinbrechen könnte, braucht laut Elisabeth Grote niemand zu haben. Sie selbst habe bereits Wander- und E-Bike-Touren geplant. Ralf Poggemeier möchte sich künftig der Fotografie und dem Bogensport widmen und Karola Picht-Dreier legt in ihrem Garten kleine Gemüsebeete an.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7478289?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Maskenpflicht in NRW auch im Unterricht
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker