Auch Schwerstpflegefälle dürfen jetzt in ihrem Zimmer besucht und umarmt werden
Wieder mehr Rechte für Behinderte

Bad Oeynhausen (WB). Annette Gräber (67) weiß nicht mehr, wann sie ihre Tochter (43) zuletzt umarmt hat. Die ist mehrfach schwerstbehindert und lebt seit 30 Jahren im Wittekindshof in Bad Oeynhausen. „Mein Mann und ich haben Evelyn in der Corona-Zeit ständig besucht, aber wir mussten ja Abstand halten. Das hat sie überhaupt nicht verstanden. Sie dachte, wir wollen das nicht mehr.”

Donnerstag, 02.07.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 06:42 Uhr
Evelyn hat Besuch von ihrer Mutter Annette Gräber (aus Persönlichkeitsschutzgründen können wir Evelyn nicht zeigen).

Seit Mittwoch ist die kontaktlose Zeit vorbei. Axel Birkenkämper, Sprecher im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium: „Die Erleichterungen, die seit dem 1. Juli für Altenpflegeheime gelten, gelten ebenso für alle Behinderteneinrichtungen.”

„Die letzten Monate waren schlimm”

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte in den letzten Wochen viele Briefe von Angehörigen Behinderter bekommen, die ihn sehr bewegt hätten, wie er sagt. „Die Menschen haben mir geschildert, wie sehr die Bewohner der Einrichtungen, aber auch ihre Angehörigen unter den Besuchseinschränkungen leiden.” Wegen der zuletzt sehr niedrigen Infektionszahlen in Behindertenheimen (Mitte Juni waren es landesweit nur noch sieben Infizierte) hatte das Land bereits am 20. Juni für Behinderte in Heimen alle Infektionsschutzbeschränkungen aufgehoben und auch körperliche Berührungen wieder erlaubt.

Aber: Für Einrichtungen mit mehrfach schwerstbehinderten Menschen galten diese Lockerungen noch nicht – bis jetzt. Auch Besuche auf den Zimmern der Schwerstbehinderten sind seit Mittwoch wieder erlaubt. Besucher müssen sich vorher die Hände desinfizieren und im Zimmer einen Mundschutz tragen, Berührungen sind dann ohne den Mindestabstand möglich. Die Mitarbeiter der Behinderteneinrichtungen dürfen die Besuche nicht überwachen, die Gäste sind für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich.

„Die letzten Monate waren schlimm”, sagt Annette Gräber. Sie hätten ihre Tochter im Wittekindshof nur draußen sehen dürfen. „Unter einem Zelt, das vorne und hinten offen war und durch das der Wind pfiff.” Toiletten in den Häusern hätten sie nicht benutzen dürfen, später seien Dixie-Klos aufgestellt worden. „Desinfektionsmittel gab es da aber auch nicht.” Doch jetzt blickt die 67-Jährige nach vorne: „Am Wochenende werde ich Evelyn endlich wieder in den Arm nehmen!”

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