Schülerin (14) wird an Schulter verletzt – Amtsgericht Bad Oeynhausen stellt Verfahren gegen Geldauflagen ein
Busfahrer nach Vollbremsung vor Gericht

Bad Oeynhausen (WB/wa). Weil Kinder ständig auf die Halteknöpfe des Busses gedrückt haben, soll ein 69-jähriger Busfahrer das Fahrzeug überraschend abgebremst haben, um die aus seiner Perspektive notorischen Störer zu maßregeln. Dabei verletzte sich eine 14-jährige Schülerin an der Schulter. Wegen fahrlässiger Körperverletzung musste sich der Busfahrer vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten.

Freitag, 05.06.2020, 02:07 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 05:02 Uhr
Wegen fahrlässiger Körperverletzung musste sich der Busfahrer vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten. Foto: dpa

Nach Angaben einer 19-Jährigen Zeugin hatte sich der Vorfall im August vergangenen Jahres in der Buslinie 461 ereignet. Aufgrund von permanenten Streichen und Flegeleien zahlreicher Schulkinder habe die Fahrt „doppelt so lang wie normal üblich“ bis zu ihrer Haltestelle gedauert, an der sie ausgestiegen sei.

Er selbst habe die Fahrt nur als Anweiser begleiten sollen, erklärte der 69-Jährige vor Gericht. Derartige Fahrten seien belastend, betonte der Beschuldigte und persönliche Beleidigungen wie „Halt an, Du Vollpfosten“ an der Tagesordnung. Beschädigungen hätten aufgrund exzessiver Nutzung von Handys zwar abgenommen, „aber die Kinder halten sich nicht fest.“ Auch bei Fahrkartenkontrollen komme es vor, „dass einer seine Jacke öffnet und mir ein Messer zeigt“, schilderte der Busfahrer dem Gericht aus seinen alltäglichen Erfahrungen.

Kinder sollen Halteknopf demoliert haben

Besonders schlimm sei der Missbrauch der Halteknöpfe durch die Schüler. Auch an jenem Augusttag sei das so gewesen. Vor allem der Halteknopf für Mütter mit Kinderwagen oder Menschen, mit einer Gehbehinderung sowie einem Rollstuhl werde mehrfach gedrückt, oder mit Streichhölzern fixiert.

Das Drücken dieses Knopfes an einer Haltestelle führe dazu, dass „ich die Fahrt nicht einfach fortsetzen kann.“ Während der Fahrt im ­August sei dieser Knopf demoliert worden. Mehrfach ­habe er die ­Schüler maßregeln ­müssen und dabei auch einmal angedroht, „den Bus bis 18 Uhr stehen zu lassen“.

Viele der Kinder „benehmen sich nicht“, bestätigte auch die 19-Jährige Zeugin, das „würde mich persönlich auch nerven.“ Der Mann habe die Jugendlichen in „etwas lauterem Ton“, aber sachlich zurechtgewiesen. ­Eskaliert war nach ­Feststellung des ­Gerichtes die ­Situation hinterm Haltepunkt „Dörgen“ in Eidinghausen. Es habe ­jemand den Nothahn umgelegt, schilderte der Fahrer die Ereignisse. Er habe in seiner ­Fahrer­nische den „ekelhaft schrillen Ton“ des Alarmsignals gehört, „der einem das Trommelfell wegreißt“.

14-Jährige bei Bremsung verletzt

Dies führe nicht nur zum Abfall der Druckluft im Mechanismus, der bei voller Fahrt die Türen geschlossen hält. Zudem führe der Alarm bei älteren Bussen zu einer automatischen Vollbremsung, um Schlimmeres zu verhindern. „Mehrere Kinder sind durch den Bus geflogen“, sagte die 19-Jährige Schülerin. Er habe das 18 Meter lange Fahrzeug eigenständig gebremst, um die automatische Vollbremsung zu verhindern, betonte der Mann.

Zudem wusste der 69-Jährige nicht, dass dieser „Bremsautomat“ in seinem Fahrzeug nicht mehr vorhanden war, ergänzte die Verteidigerin. Sein Handeln sei daher das „einzig Richtige in dieser Situation“ gewesen.

Nicht ohne Folgen blieb dies für eine 14-jährige Schülerin, wie das Gericht feststellte. Sie hatte sich nach eigenen Angaben durch einen Sturz gegen eine Haltestange einen Riss in der Gelenkkapsel ihrer Schulter zugezogen.

Geldauflage soll gespendet werden

Ob sie sich aber im Bus festgehalten hatte, konnte sie nicht zweifelsfrei belegen. Zudem habe sich ein weiteres Kind „eine Platzwunde am Kopf“ eingehandelt, wie die 19-jährige Zeugin schilderte.

Bei ihm habe sich niemand mit einer Verletzung gemeldet, beteuerte der Busfahrer und auch auf Nachfrage der Verteidigerin, was aus dem Schüler mit der Kopfwunde geworden sei, konnte die 19-Jährige keine Antwort geben. Auch wenn technische Geräte am Bus die Betätigung des Nothalte­knopfes nicht als Fehler dokumentierten, glaubte das Gericht dem Fahrer, nicht vorsätzlich gebremst zu haben, und stellte das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung ein.

800 Euro muss der 69-Jährige als Auflage dafür zahlen. Nach seinem Wunsch soll das Geld einem Verein für Krebshilfe zugute kommen.

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