Was passiert derzeit eigentlich hinter den Theaterkulissen in Bad Oeynhausen?
Die Kunst, von der Kunst zu leben

Bad Oeynhausen (WB). Trotz leerer Konzert- und Theatersäle engagieren sich Kulturschaffende derzeit immens für künftigen Kunstgenuss. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt Thomas Mihajlovic, Programmverantwortlicher im Theater im Park Bad Oeynhausen, was hinter den Kulissen im Moment gemacht wird.

Mittwoch, 03.06.2020, 03:50 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 05:00 Uhr
„Wir wissen nicht, ob wir das Angebot wie geplant halten können“, sagt Thomas Mihajlovic, der für das Theaterprogramm verantwortlich ist.

Das Programmheft ist gedruckt und liegt öffentlich aus: ein reichhaltiges Versprechen, das kulturelle Vielfalt auf hohem Niveau ankündigt. Doch seine Macher sind verhalten: „Wir wissen derzeit nicht, ob wir das Angebot wie geplant halten können“, räumt Thomas Mihajlovic ein.

Und man spürt: Hier geht es um mehr als um möglicherweise vergebliche Mühe. Sondern darum, dass ein System wegbricht. „Kultur ist Geben und Nehmen“, weiß Thomas Mihajlovic. Das bedeutet: Die Künstler leben von der Akquise öffentlicher Theater und Konzertsäle. Wenn sie „gebucht“ sind, sind nicht nur sie selbst „abgesichert“, sondern auch das kulturelle Leben der jeweiligen Stadt.

Zusätziche Last durch die Pandemie

Da gibt es derzeit eine erhebliche Abdrift: Verträge werden verschoben, Arrangements platzen. Und die Künstler sehen sich durch die Ausfälle existenziell bedroht. Das treffe besonders die Solo-Selbständigen, berichtet Thomas Mihajlovic. Aber auch die Theater, die Gastspiele in andere Häuser verkaufen, kommen an ihre Grenzen.

„Das Landestheater Detmold, ein Kooperationspartner von uns, kann manche Stücke nicht proben, weil die Anzahl der Mitwirkenden auf der Bühne dafür gar nicht erlaubt wäre“, erläutert er. Das bedeutet nicht nur für das Landestheater beträchtliche Ausfälle, sondern auch für die Gastspielbühnen wie das Theater im Park.

Denn nur ein attraktives Programm füllt die Ränge – und damit die Kassen. Ein solcher Erfolg ist jedoch nicht nur wegen der inhaltlichen Einschränkungen derzeit in Frage gestellt, sondern auch durch die Präventions-Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sei das Theatergeschäft zusätzlich „erheblich erschwert“, wie der Programmverantwortliche es nennt.

Geduld der Zuschauer ist groß

Das Einhalten des Mindestabstands im Zuschauerraum bedeutet, dass derzeit maximal 100 Personen zugleich im Theater im Park eine Veranstaltung besuchen dürfen. Die Abstandsregeln gelten auch auf der Bühne. „Symphonie-Konzerte in voller Orchesterbesetzung wird es derzeit leider nicht geben. Das ist einfach nicht umsetzbar“, bedauert er.

Einzig die Stücke, bei denen nur wenige Akteure zugleich auftreten, scheinen realisierbar. Eine Lesung zum Beispiel oder das Duo Ehnert und Ehnert in „Zweikampfhasen“. Aber was passiert mit den Abonnenten, die sich auf die neue Spielzeit freuen?

„Die Geduld bei den Zuschauern ist groß, viele haben Verständnis für die Situation“, gibt Mihajlovic zu. „Und wir merken, die Menschen haben mehr denn je Lust auf Kultur. Wir werden alle unsere Möglichkeiten ausschöpfen, um Kultur auf die Bühne zu bringen. Bad Oeynhausen ist schließlich Kulturbad.“

500 Mitwirkende pro Saison

Normalerweise wäre Thomas Mihajlovic jetzt schon voll in der Planung für die nächste anstehende Spielzeit. Aber auch hier stagniert das Geschehen. Das entmutigt den Spielplanleiter aber nicht. Seit fast 15 Jahren gestaltet Thomas Mihajlovic das Programm im Theater im Park und „hat reichlich gute Verbindungen in die kulturschaffende Szene“, wie er sagt. Die wird er auch in Zukunft weiter nutzen.

Denn pro Spielzeit kommen während der knapp acht Monate bis zu 60 Veranstaltungen auf die Bühne im Theater im Park. „Dahinter stehen bis zu 500 Mitwirkende pro Saison“, ergänzt er. Das macht Hoffnung, dass es alsbald wieder ein volles Haus geben wird.

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