Musikschule der Stadt Bad Oeynhausen reagiert mit Online-Angeboten auf Corona-Krise Musikunterricht im Video-Chat

Bad Oeynhausen  (WB). Schon seit Mitte März ist die Musikschule der Stadt Bad Oeynhausen wegen der Corona-Beschränkungen geschlossen. Für Beate von Rüdiger und ihr Team ist das aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. „Wir haben die Zeit genutzt, um zu überlegen, welche Angebote wir den Schülern, die das möchten, auch online machen können“, sagte die Musikschulchefin im Gespräch mit dieser Zeitung.

Von Malte Samtenschnieder
So funktioniert Musikunterricht per Videokonferenz: Mit Hilfe eines Tablets kann Musiklehrerin Beate von Rüdiger Kontakt zu ihrer Fagottschülerin Maxine (14) herstellen. Wie gut das Zusammenspiel funktioniert, hängt unter anderem von der Qualität der Internetverbindung ab.
So funktioniert Musikunterricht per Videokonferenz: Mit Hilfe eines Tablets kann Musiklehrerin Beate von Rüdiger Kontakt zu ihrer Fagottschülerin Maxine (14) herstellen. Wie gut das Zusammenspiel funktioniert, hängt unter anderem von der Qualität der Internetverbindung ab.

„Am Anfang haben wir sehr viel experimentiert“, sagte Beate von Rüdiger. Dabei habe sie innerhalb des Kollegiums verschiedene Stadien der Begeisterungsfähigkeit festgestellt. Die Bereitschaft, sich mit Möglichkeiten des Online-Unterrichts auseinanderzusetzen, sei ihrer Beobachtung nach von den individuellen Kenntnissen und der jeweiligen technischen Ausrüstung der Lehrer abhängig.

Von Beginn an Feuer und Flamme war Anton Koch. Für Videokonferenzen mit seinen Schülern setzt der Musiklehrer auf Software wie WhatsApp, Skype oder Zoom. „Wenn Schüler keinen Live-Unterricht haben möchten, ist es auch möglich, dass wir Videos mit den Aufgabenstellungen und den Lösungen hin und her schicken“, sagte Anton Koch. Eine reine Telefonverbindung – ohne zusätzliche Bildübertragung – eigne sich aus seiner Sicht allerdings nur bedingt für den Fernunterricht.

Präziser formulieren im Online-Unterricht

Auch per Laptop oder Computer können Instrumentalisten mitein­ander musizieren. Die Lehrer Anton Koch (Horn) und Gundula Dreier (Trompete) machen es vor. Foto: Malte Samtenschnieder

„Wenn wir online unterrichten wollen, müssen wir unsere Verhaltensweisen anpassen“, sagte Beate von Rüdiger. Dem Schüler eine Stelle in den Noten zu zeigen oder – je nach Instrument – seinen Ansatz beziehungsweise die Bogenhaltung durch manuelles Eingreifen zu korrigieren, sei bei einer Videokonferenz nicht möglich. Die Musikschulleiterin: „Wir müssen stattdessen noch präziser als bisher formulieren, was wir von den Schülern möchten.“

Das Interesse an den Online-Angeboten ist laut Beate von Rüdiger groß. Bereits vor Ostern habe sich etwa die Hälfte der Schüler der Musikschule Bad Oeynhausen beteiligt. Nach den Ferien sei die Nachfrage noch einmal gestiegen.

„In einem ersten Schritt müssen wir meist klären, dass die Schüler – oder ihre Eltern – die benötigte Software auf vorhandenen Smartphones oder Laptops installieren“, sagte Beate von Rüdiger. Dann gehe es darum, die Kamera richtig auszurichten und die Lautstärke passend einzustellen. Die Lehrerin: „Ein Duett ist zum Beispiel meist nur möglich, wenn der Schüler sein Mikrofon ausschaltet, während er spielt. Er kann dann sich und den Lehrer hören. Dieser hört aber nichts, sondern muss sich vom Schüler sagen lassen, wie das Zusammenspiel war.“

Playbacks und Videos helfen beim Üben

Um den Schülern das Üben zu erleichtern, setzen Beate von Rüdiger und Anton Koch auf Playbacks und Erklärvideos. „Ich habe beispielsweise alle vier Stimmen eines Hornquartetts aufgenommen. Dann bekommen die Schüler einen Eindruck, wie das fertige Stück klingt. Darüber hinaus können sie die eigene Stimme ausschalten und haben dadurch ein Playback, wenn sie sich zu Hause mit dem Stück befassen“, erläuterte Anton Koch. Bei Stücken für Fagott und Klavier stellt Beate von Rüdiger ihren Schülern derweil gerne eine Aufnahme des Piano-Parts zum Üben zur Verfügung.

Auf Lernvideos zur musikalischen Früherziehung setzt Gundula Dreier. „Da dieser Unterricht bei den Kindern in den Kindertagesstätten stattfindet, ist noch völlig unklar, wann es weitergeht“, sagte die Musiklehrerin. Die Lernvideos könnten sowohl von den Erziehern als auch von den Eltern eingesetzt werden, um mit den Kindern das Gelernte zu wiederholen und Neues auszuprobieren. „Unser Ziel ist es, die Angebote, die unsere Lehrer entwickelt haben, auf einem Youtube-Kanal für Interessierte zugänglich zu machen“, sagte Beate von Rüdiger.

Nach Angaben der Stadt soll die Musikschule am Montag, 11. Mai, unter den dann gültigen Auflagen wieder ihren Betrieb aufnehmen. Seit diesem Montag ist in NRW bereits Einzelunterricht wieder erlaubt. Bezüglich weiterer Details wird die Musikschule zeitnah alle Betroffenen kontaktieren.

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