Thomas Tiemann vom TUI-Reisecenter im Hohenzollernhof kämpft um seine Existenz
Existenzkampf im Reisebüro

Bad Oeynhausen (WB). „Die Corona-Krise ist für die Reisebranche sehr bedrohlich“, sagt Thomas Tiemann, Inhaber des TUI-Reisecenters in der Hohenzollernpassage. Nur durch private Rücklagen kann der 40-Jährige seinen Betrieb mit zwei Angestellten aufrechterhalten.

Dienstag, 05.05.2020, 13:53 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 14:00 Uhr
Die Corona-Krise bringt die lokalen Reisebüros in eine bedrohliche Lage. Foto: dpa

„Wir zahlen momentan mehrfach Lehrgeld“, sagt der Reisebüroinhaber. Die bereits gebuchten Reisen für den Sommer 2020 werden zu nahezu 100 Prozent storniert, Vermittlungsentgelte müssen an die Reiseveranstalter zurückgezahlt werden und von neuen Buchungen kann Tiemann derzeit nur träumen. Normalerweise bearbeiten er und seine Angestellten zu dieser Zeit etwa zehn Buchungen am Tag.

„Im gesamten April habe ich vier Buchungen zu verzeichnen“, sagt er. Ein Grund, warum seine beiden Angestellten in Kurzarbeit sind und das Reisebüro für den Besucherverkehr vorerst noch geschlossen bleibt. „Die Arbeit, die wir momentan leisten – das heißt Urlaube umzubuchen, und etliche Reisen zu stornieren – machen wir umsonst. Das bezahlt uns kein Reiseveranstalter“, berichtet Thomas Tiemann.

Besonders kritisch sieht er die Handhabung der Bundesregierung mit ausgesprochenen oder auch nur angedeuteten Reiseverboten. „Theoretisch können wir vom 15. Mai an Reisen in alle Welt anbieten“, sagt Tiemann. Nur bis dahin gelte das derzeitige Reiseverbot in der EU. Immer wieder preschten einzelne Regierungspolitiker vor und kündigten andere Verordnungen an, die eine sichere Planung für die Reisebüros unmöglich machten.

Thomas Tiemann ist Inhaber des TUI-Reisecenters an der Klosterstraße.

Thomas Tiemann ist Inhaber des TUI-Reisecenters an der Klosterstraße.

Nicht alles kann kostenlos storniert werden

„Mit dem Sommergeschäft habe ich schon so gut wie abgeschlossen. Wobei man natürlich immer irgendwo einen Funken Hoffnung in sich trägt“, berichtet Thomas Tiemann. Positiv sehe er, dass alle Pauschalreisen, die in den Zeitraum eines Reiseverbotes fallen, vom Reiseveranstalter storniert werden müssen. Verärgert ist der Reisebüroinhaber, wenn es um die Erstattung von Einzelleistungen, wie Flügen geht.

„Viele Unternehmen stellen sich quer, wenn es um die Erstattung geht und bieten den Kunden lediglich Gutscheine oder Umbuchungen an“, sagt Thomas Tiemann. Das kommt beim Großteil seiner Kundschaft gar nicht gut an. „Wir sind momentan diejenigen, die am Hörer so einiges zu hören bekommen, obwohl wir die Stornierungsbedingungen nicht bestimmen“, sagt er.

Von dem Überbrückungskredit der KfW in Höhe von 1,8 Milliarden Euro, den die TUI von der Bundesregierung genehmigt bekommen hat, sieht der Reisebüro-Inhaber „keinen Cent“. „Die TUI-Reisecenter werden nicht von der TUI unterstützt“, sagt Thomas Tiemann. Als Franchisenehmer der TUI sei er sein eigener Chef.

Hoffen auf mehr Klarheit

Vielmehr ärgert den 40-Jährigen, dass er auch auf keinerlei Mietstundung hoffen kann. Dies sei vom Vermieter abgelehnt worden, trotz mehr als 30 Jahren als Mieter. Hoffnung gibt Thomas Tiemann, dass derzeit mit Hochdruck bei den Reiseveranstaltern daran gearbeitet werden, Angebote für Reiseziele im Sommer 2021 zusammenzustellen.

Zudem würden derzeit Angebote für Reisen innerhalb Deutschlands sondiert. „Zum Glück habe ich etwas Geld zur Seite gelegt für meine Altersvorsorge, damit kann ich den Betrieb derzeit aufrechterhalten“, berichtet Thomas Tiemann.

Vieler seiner Kollegen hätten jedoch keine ausreichenden Rücklagen. „Eine ganze Branche steht vor dem Kollaps“, sagt er. Und gezielte Hilfen seitens der Bundesregierung gebe es derzeit nicht: „Es bleibt nur zu hoffen, dass bald endlich mal Klarheit herrscht.“

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