75. Jahrestag: Am 3. April 1945 war der Zweite Weltkrieg in Bad Oeynhausen beendet
Kampflose Übergabe

Bad Oeynhausen (WB). Vier Tage nach den Bombenangriffen am 30. März 1945 auf das Eisenwerk Weserhütte , die Gegend des Südbahnhofs und die Umgebung der Oeynhausener Schweiz mit mehr als 200 Toten ist der Zweite Weltkrieg in Bad Oeynhausen zu Ende gegangen. Am 3. April 1945 wurde die Stadt kampflos an amerikanische Truppen übergeben.

Freitag, 03.04.2020, 06:45 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 06:50 Uhr
Die Verhandlungen über die kampflose Übergabe Bad Oeynhausens führte am 3. April 1945 der amerikanische Leutnant Enno Hobbing (stehend, Gesicht zur Kamera) von der 5. US-Panzer-Division. Damit war für die Menschen in der Stadt der Zweite Weltkrieg beendet. Foto: Stadtarchiv Bad Oeynhausen

Bei den Ereignissen am 3. April 1945 kommt Dr. Werner Aly eine zentrale Rolle zu. Der Oberstabsarzt war Chefarzt des Teillazaretts im Johanniter-Ordenshaus. Der Tag begann damit, dass Kampfkommandant Oberst Heising dem Chef des Gesamtlazaretts, Oberstabsarzt Dr. Gehlen, telefonisch mitteilte, dass er sich mit seiner Truppe über die Weser absetzt. Das Lazarett habe daher freie Hand, selbst zu entscheiden, wie es weitergehen solle. Dr. Gehlen gab daraufhin Dr. Aly den Auftrag, den Amerikanern entgegenzufahren und die Stadt zu übergeben.

Mit Betttuch und Motorrad

„Dr. Aly holte sich im Sanatorium Weidner ein Betttuch und fuhr mit seinem Motorrad in Richtung Herford . Mit ihm fuhr ein bis dahin unbekannter Hauptmann Krüger. Unterwegs teilten sie allen Soldaten rechts und links der Straße die Anordnung des Kampfkommandanten mit, sie sollten sich über die Weser zurückziehen.“

So beschreibt Dr. Karl Großmann die historischen Ereignisse in einem Aufsatz, der 2005 in dem Band „Bad Oeynhausen zwischen Krieg und Frieden – Kriegsende und Besatzungszeit in Zeitzeugnissen und Erinnerungen“ von Rico Quaschny (Herausgeber) veröffentlicht worden ist.

Rückfahrt auf dem Kühler

In den letzten Kriegstagen sind etliche Bomben auf Bad Oeynhausen gefallen. Die Angreifer hatten es unter anderem auf die Bahnlinie abgesehen.

In den letzten Kriegstagen sind etliche Bomben auf Bad Oeynhausen gefallen. Die Angreifer hatten es unter anderem auf die Bahnlinie abgesehen. Foto: Stadtarchiv Bad Oeynhausen

Derweil hätten die amerikanischen Truppen bereits mit dem Beschuss Bad Oeynhausens begonnen gehabt. An der Witteler Schule sei Dr. Aly schließlich auf feuernde Panzer getroffen. Der Gefechtsstand der Amerikaner habe sich im Witteler Krug befunden.

„Der amerikanische Offizier, dem er dort seinen Auftrag, Bad Oeynhausen zu übergeben, mitteilte, wollte ihm zunächst nicht glauben, und meinte, so etwas könne jeder sagen“, berichtet Karl Großmann.

Schließlich habe Dr. Aly ihm vorgeschlagen, er möge seinen Begleiter und ihn auf einen Panzer setzen. So geschah es dann auch. Karl Großmann: „So fuhren die beiden Unterhändler auf dem Kühler eines Panzerspähwagens in die Stadt, wo Dr. Aly dann Dr. Gehlen Bericht erstattete.“

Ungehindert ins Zentrum

Auch in den zur Veröffentlichung freigegebenen Aufzeichnungen eines Teilnehmers der amerikanischen Aufklärungspatrouille über die Kapitulation von Bad Oeynhausen am 3. April 1945 werden diese Begebenheiten geschildert. Da die Angelegenheit so erstaunlich problemlos abgelaufen war, wurde dieser Report im Tagesbericht Nr. 251 der 5. US-Panzer-Division vom 8. April 1945 den amerikanischen Truppen zur Motivation bekannt gegeben.

In dem Bericht ist von zwei Fahrzeugen die Rede. In Kontakt mit den deutschen Unterhändlern Dr. Aly und Hauptmann Krüger traten demnach insbesondere die amerikanischen Soldaten Leutnant Hobbing, Techniker-Feldwebel Wolf und Feldwebel Marx. Als der Konvoi die verdächtig ruhige Stadt erreicht habe, habe die US-Artillerie begonnen, die Stadt zu beschießen. Leute auf den Straßen seien schnell in Deckung gesprungen und in Keller gehuscht. „Bei dieser ungewissen Lage wurde unsere Mission von einem bedrückenden Gefühl der ‚dicken Luft‘ überschattet“, heißt es dazu in dem Augenzeugenbericht.

Als die zwei Fahrzeuge eine erst teilweise errichtete Straßensperre passierten, seien sie in die Schussrichtung eines 88-Millimeter-Geschützes geraten, das den Ortseingang decken sollte. „Wir hielten lediglich so lange, wie unbedingt erforderlich, um den Verschluss zu öffnen und die Ladung aus dem Geschützrohr zu entfernen“, schreibt der US-Soldat.

US-Soldaten nicht erkannt

Die Weserbrücke der Reichsautobahn bei Rehme wurde am 3. April 1945 durch deutsche Pioniere gesprengt. Sie wurde durch eine Behelfsdauerbrücke ersetzt.

Die Weserbrücke der Reichsautobahn bei Rehme wurde am 3. April 1945 durch deutsche Pioniere gesprengt. Sie wurde durch eine Behelfsdauerbrücke ersetzt. Foto: Stadtarchiv Bad Oeynhausen

Dr. Aly – im US-Bericht ist vom „deutschen Major“ die Rede – habe darauf hingewiesen, dass er nicht die Verantwortung für Handlungen der nicht zu seinem Lazarett gehörenden deutschen Soldaten tragen könne, die sich noch in der Stadt befänden und über den Fluss zu entkommen versuchten. Deren Stärke wurde mit etwa 200 Mann angenommen.

Die meisten Deutschen hielten die Amerikaner in ihren Armee-Regenmänteln und unauffälligen Fahrzeugen laut US-Bericht zunächst für Ihresgleichen. Der Augenzeuge: „Als wir ins Zentrum weiterfuhren, geriet die Situation an einen Punkt, wo niemand mehr wusste, wie wir in die Stadt hineingekommen waren.“ Die Menge der angetroffenen Soldaten sei immer größer geworden.

Artilleriebeschuss gestoppt

Leutnant Hobbing habe sich in das städtische Postamt begeben, „das sich noch in ungestörter Funktion und emsiger Arbeit befand“. Er habe beschlossen, den Stadtkommandanten von Minden anzurufen und ihn auch zur Kapitulation aufzufordern. Vergeblich, wie sich später zeigte.

Da sich dieses Vorhaben in die Länge zog und sich die US-Soldaten in dem Amtsgebäude nicht wohl fühlten, wurde der Panzerspähwagen mit Unterhändler Dr. Aly an Bord erneut auf Patrouille geschickt. Es wurden einige Fahrzeuge und deutsche Soldaten aufgebracht.

Zwischenzeitlich sei es der Besatzungsgruppe – sie bestand neben Leutnant Hobbing und den zwei genannten Feldwebeln aus vier weiteren Männern in zwei Fahrzeugen – gelungen, die eigenen Streitkräfte zu überzeugen, dass sich die Stadt in US-Hand befindet und dass sie das Artilleriefeuer einstellen sollten.

Krieg endet um 14 Uhr

Daraufhin habe sich Leutnant Hobbing nach Angaben des Augenzeugen zum Lazarett begeben und dort mit dem Bürgermeister und dem Stadtkommandanten gesprochen. Der US-Militärkommandant habe angeordnet, dass weder Kranke zu entlassen seien, noch dass es dem Personal erlaubt sei „stiftenzugehen“. Die Anzahl der Patienten in den Lazaretten in Bad Oeynhausen betrug 1400, das Personal der Sanitätsmannschaft wurde mit 300 angenommen.

Gemeinsam mit dem Bürgermeister habe Leutnant Hobbing eine Bekanntmachung aufgesetzt, die in weniger als einer Stunde in Umlauf gebracht wurde. „Es war eine Bekanntmachung mit dem Inhalt, dass die Stadt um 14 Uhr den amerikanischen Streitkräften übergeben war und dass für die Einwohner der Krieg vorbei sei“, heißt es in dem Augenzeugenbericht. Dr. Aly habe den Befehl gegeben, dass alle gesunden deutschen Soldaten um 16.15 Uhr in Marschformation zum Stadtrand ziehen sollten, wo die formelle Kapitulation stattfinden würde.

Nur geringe Zerstörungen

Für die Unterbringung der amerikanischen Truppen mussten ganze Häuserreihen geräumt werden, wie Dr. Karl Großmann in seinem Aufsatz schreibt. Die auf der Lohe stehenden amerikanischen Panzer hätten vor allem die östlichen Stadtgebiete im Bereich der Autobahn beschossen. Dabei wurden sieben Häuser zerstört.

Von den letzten Verteidigungskämpfen an der Weser sei Bad Oeynhausen nicht betroffen gewesen. Karl Großmann: „Die Amerikaner gingen bei Rinteln, die Engländer bei Petershagen über die Weser.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7354668?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Arminia und der Karten-Ärger
Zu 20 Prozent darf die Schüco-Arena am Samstag ausgelastet werden. Die Registrierung für die etwa 5400 Karten sorgt für Probleme. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker