Kita Pustblume Leiterin Petra Thomas-Klandt berichtet über vergangene Wochen
Zwischen Verwirrung und Kreativität: Der Alltag in der Kita

Bad Oeynhausen (WB). „Das Corona-Virus in China oder in Italien, das war für alle erst mal weit weg. Doch dann wurde schnell klar, dass es uns auch betrifft“, sagt Petra Thomas-Klandt. Sie ist Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte Pusteblume auf der Lohe. Schnell stellte sich bei den Mitarbeiter eine essenzielle Frage: Was bedeutet das Virus im Kita-Alltag?

Freitag, 03.04.2020, 10:20 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 11:00 Uhr
Jedes Kind der Kita Pusteblume hat einen Stein bemalt und ihn dann vor die Kindergartentür gelegt

„Zuerst wurde uns klar, dass wir uns schützen müssen“, berichtet Petra Thomas-Klandt. Daher sei in den Morgenkreisen besprochen worden, worauf jetzt besonders geachtet werden müsse. Allen sei klar geworden: Verhaltensregeln, wie „in den Ärmel husten“ und „gründliches Waschen der Hände“ haben an Bedeutung gewonnen.

Ein kleiner Trick, der sich schnell bis zur Kita Pusteblume herumgesprochen hatte, erleichterte dann den Händewaschalltag. „Während des Händewaschens singen wir ‚Alle meine Entchen‘, so waschen wir die Hände auch lange genug“, berichtet die Einrichtungsleiterin.

Zusätzlich hätten die Erzieher an die Spiegel in den Waschräumen Bilder von einer Entenmutter mit ihren Jungen geklebt. Das sei so gut bei den Kindern angekommen, dass fast durchgehend aus den Waschräumen ein munteres Singen zu hören gewesen sei.

Ganz anderer Kita-Alltag

„Dann kam der Freitag, 13 März. An diesem Nachmittag herrschte Verwirrung, weil die Kollegen im laufenden Kitabetrieb nicht die aktuellen Meldungen verfolgen konnten, einige Eltern aber schon Infos aus der Presse hatten, dass wenige Tage später alle Kindergärten und Schulen geschlossen werden sollten“, erzählt Petra Thomas-Klandt.

Fragen über Fragen seien auf sie und ihre Mitarbeiter zugekommen: Wie wird es für alle weitergehen? Wie planen Eltern die Betreuung ihrer Kinder zu Hause? Wie wird die Notgruppe in der Kita geregelt? Was kommt auf das Kitapersonal zu? Wie wird die Notbetreuung geregelt? „Es gab einiges, auch am Wochenende, zu regeln“, sagt Petra Thomas-Klandt.

Seit Montag, 16. März, gestaltet sich der Kita-Alltag ganz anders. Nur ein paar Kinder besuchen die Kita – Kinder, deren Eltern in „systemrelevanten Berufen“ arbeiten. „Es ist ruhig geworden bei uns in der Kita. Einige Kolleginnen können aufgrund ihres Alters oder aufgrund von Vorerkrankungen nun nicht mehr im Kindergarten arbeiten“, berichtet Petra Thomas-Klandt. Sie würden nun schriftliche Dinge zuhause im „Homeoffice“ bearbeiten. „Für alle eine ungewohnte Situation. Es gab und gibt seitdem viel zu regeln“, sagt Petra Thomas-Klandt.

„Wir waren sehr gerührt“

Dann haben die Erzieher angefangen, Zettel gegen die Langeweile der Kinder zu gestalteten – darauf Vorschläge zum Experimentieren, zum kreativen Gestalten mit Toilettenrollen und zum Murmelbahn bauen aus Zeitungspapier. Zudem entstand eine Geschichte und es gab einen Brief an jedes Kind.

„Damit war unser Team fast einen Vormittag beschäftigt, aber die Mühe hat sich gelohnt“, berichtet Petra Thomas-Klandt. Ein Kind habe seine Mutter gefragt, ob der Brief tatsächlich nur für das Kind sei, erinnert sie sich. Die Erzieher erreichen seitdem viele E-mails und Fotos mit Dankesworten.

„Kurze Zeit später entstand die Idee in der Elternschaft, dass jedes Kind einen Stein bemalt und ihn dann vor die Kindergartentür legt“, sagt Petra Thomas-Klandt. „Als wir am nächsten Morgen diese tollen, individuellen Steine vor der Kita entdeckt haben, waren wir sehr gerührt. Und in Zeiten dieser ungewöhnlichen Situation, an die wir alle bestimmt noch lange zurück denken werden, erkennen wir schon jetzt, dass uns diese Zeit zusammenschweißt und sie uns auch etwas Positives lehren wird.“

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