Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen: Wer Infektion überstanden hat, soll Blutplasma spenden
Mit Antikörpern gegen Corona

Bad Oeynhausen (WB). Das Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen hat die Genehmigung zur Herstellung und Anwendung von therapeutischem Plasma zur Behandlung von Corona-Patienten erhalten.

Mittwoch, 01.04.2020, 02:49 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 05:02 Uhr
Prof. Dr. Cornelius Knabbe leitet das Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin. Foto: Armin Kühn

Eine Behandlungsstrategie, die bei anderen Epidemien bereits erfolgreich angewendet worden ist, könnte auch für schwerkranke Covid-19-Patienten wirksam sein. Das deuten erste wissenschaftliche Studien an.

„Das Blutplasma von Patienten, die nach einer Sars-Cov-2-Infektion genesen sind, enthält Antikörper. Wenn diese in ausreichender Konzentration enthalten sind, können wir damit solchen Patienten helfen, die schwer erkrankt sind“, erläutert Prof. Dr. Cornelius Knabbe, Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin. „Ich bin sehr dankbar, dass die Bezirksregierung Detmold uns sehr zügig die Erlaubnis zur Herstellung und Anwendung von therapeutischem Plasma erteilt und damit eine Möglichkeit geschaffen hat, besonders schwere Erkrankungsfälle zukünftig besser behandeln zu können.“

Gesundheitsämter schreiben Genesene an

Die aus dem Blutplasma der genesenen Patienten gewonnenen Antikörper werden nach strengen Richtlinien aufbereitet. Lebensbedrohlich an der Coronavirusinfektion erkrankten Menschen kann die Therapie mittels eines solchen Rekonvaleszenz-Plasmaprodukts helfen. „Das bestätigen erste experimentelle Studien aufgrund von Erfahrungen, die bei Influenza-Infektionen gemacht wurden“, sagt Knabbe.

Blutplasma ist der flüssige und zellfreie Anteil des Blutes, den man erhält, wenn eine ungerinnbar gemachte Blutprobe zentrifugiert wird. Diese Flüssigkeit enthält durch die Zentrifugation keine Blutzellen mehr. Blutplasma dient als Transportmedium für Glukose, Lipide, Hormone, Stoffwechselprodukte, Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff.

Um Erkrankten zu helfen, ist die Mitwirkung derer nötig, die eine Coronavirusinfektion überstanden haben. Deshalb werden jetzt in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern in Ostwestfalen-Lippe alle Patienten angeschrieben, die sich von der Infektion erholt haben. Sie werden gebeten, sich beim Uni-Blutspendedienst OWL des Herz- und Diabeteszentrums zu melden.

Hoffen auf Unterstützung

Hier wird mit einer Blutprobe festgestellt, ob sich genügend Antikörper im Blut gebildet haben. Ist dies der Fall, kann in der Bad Oeynhausener Einrichtung Plasma gespendet werden.

„Wir hoffen auf eine breite Unterstützung der Bevölkerung, um denjenigen helfen zu können, die von der Covid-19-Erkrankung besonders schwer betroffen sind“, betont Professor Knabbe, der eine Telefon-Hotline eingerichtet hat: 05731/972400 (werktags von 10 bis 19 Uhr). Anfragen auch via E-Mail: corona@blutspendedienst-owl.de.

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