Corona-Krise: Neue Verfügung schränkt den Handel weiter ein Zwangspause

Bad Oeynhausen (WB). Einen Tag ohne neue Verfügungen, Erlässe oder Verordnungen gibt es derzeit nicht. Von diesem Donnerstag, 19. März, an trifft es den Einzelhandel sowie die Cafébetriebe mit einer neuen Allgemeinverfügung der Stadt, die sich nach dem Erlass der Landesregierung in Sachen Corona-Krise richtet.

Von Louis Ruthe
Die neuerliche Ausweitung der Einschränkungen im Zuge der Corona-Krise zeigt Wirkung: Auch der Werre-Park ist menschenleer.
Die neuerliche Ausweitung der Einschränkungen im Zuge der Corona-Krise zeigt Wirkung: Auch der Werre-Park ist menschenleer. Foto: Louis Ruthe

Schon am Mittwoch haben zahlreiche Ladeninhaber in der Innenstadt oder im Werre-Park auf eine Öffnung verzichtet. Die Folge: Die Innenstadt war deutlich weniger belebt als an den Vortagen. Lebensmittelhändler appellieren hingegen an die Vernunft der Kunden.

Stadt setzt Vorgaben um

Mit dem in der Nacht zum Mittwoch veröffentlichten neuen Erlass des Landes zu weiteren Corona-Schutzmaßnahmen wird auch das öffentliche Leben in Bad Oeynhausen noch deutlicher eingeschränkt. So dürfen nur noch ausgewählte Einzelhändler öffnen. Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe können ihrer Arbeit weiter nachgehen.

„Diese Vorgaben des Landes haben wir mit einer weiteren Allgemeinverfügung für Bad Oeynhausen umgesetzt, die ab Donnerstag gilt“, sagt Bürgermeister Achim Wilmsmeier. Bereits am Dienstag hatte es weitere konkrete Vorgaben für Restaurants gegeben. So müssen diese seit Mittwoch bereits um 15 Uhr schließen. Übernachtungen in Hotels und Pensionen sind nur noch für nichttouristische Zwecke erlaubt.

Werre-Park

Von 80 Shops im Werre-Park sind derzeit nur noch wenige geöffnet. Der Gang durch das große Einkaufscenter ist sehr ungewohnt. Es ist nahezu menschenleer. Grund ist auch dort die neue Landesverordnung, die mit der angepassten Allgemeinverfügung der Stadt von Donnerstag, 19. März, an in Kraft ist.

„Für den stationären Handel, nicht nur im Werre-Park, ist es eine sehr schwere und harte Zeit“, sagt Torben Schultz, Center-Manager des Werre-Parks. Trotz der neuen Verordnung wolle er die drei Zugänge – vom Edeka-Parkplatz, zwischen Intersport und dem Telekom-Geschäft und am Eiscafé Florenz – aufrecht erhalten. Zudem ist der Obi-Baumarkt nur noch vom externen Zugang erreichbar.

„In Gesprächen mit vielen Mietern ist die Entscheidung der Landesregierung für richtig befunden worden, auch wenn sie noch so schmerzhaft für die Geschäftstreibenden ist“, sagt Schultz. Die Kontrollen an den Eingängen werden zudem aufrecht erhalten. „In solch einer hoch dynamischen Lage wäre es vermessen, eine Aussage zu den Auswirkungen zu treffen“, sagt der Center-Manager. Diese Shops haben im Werre-Park noch geöffnet: Edeka, Dm, Müller, Karlchens, Essanella und Obi.

WEZ-Märkte

Wir haben in unseren Märkten zahlreiche Maßnahmen getroffen“, sagt Karl Stefan Preuß, Geschäftsführer der WEZ-Märkte. Die meisten Kunden würden den Aufforderungen folgen, genügend Abstand zu halten, oder nur noch bargeldlos zu bezahlen. Eine Sonntagsöffnung kommt für den Geschäftsführer derzeit nicht in Frage. „Unser Personal ist am Limit. Wir brauchen die Zeit zur Regeneration“, sagt Preuß.

Für ihn sei es derzeit heldenhaft, wie sich seine 1500 Mitarbeiter in den 22 Märkten (drei in Bad Oeynhausen und jeweils einer in Vlotho, Löhne, Hüllhorst und Rahden) verhalten würden. „Es ist bemerkenswert, mit welcher Besonnenheit meine Mitarbeiter gerade zur Beruhigung der Lage beitragen“, berichtet er.

Auch wenn es wie in einem Markt in Bad Oeynhausen zu „Diebstählen“ aus den Einkaufswagen anderer Kunden komme. Auf Einlasskontrollen und zusätzliches Sicherheitspersonal möchte Karl Stefan Preuß auch weiterhin vorerst verzichten. „Hier gilt es, an die Vernunft der Menschen zu glauben und durch Kontrollen nicht zusätzlich Panik zu verbreiten“, sagt er.

Seit drei Wochen steige der Umsatz stark an. Vor drei Wochen verzeichnete der Lebensmittelhändler ein Umsatzplus von zehn Prozent, eine Woche später sind es schon 30 Prozent gewesen. „Zuletzt haben wir 80 Prozent mehr Umsatz gemacht“, berichtet Preuß. Das heiße jedoch nicht automatisch, dass der Gewinn in gleicher Weise steige. „Wir haben wesentlich mehr Personal im Einsatz“, sagt er.

Zum Glück sei beim Personal derzeit kein signifikanter Anstieg von Erkrankungen zu verspüren. „Es wäre gut, wenn die Leute mehr Frischeprodukte kaufen statt 30 Dosen Ravioli oder 20 Packungen Toilettenpapier. Denn dort haben wir am wenigsten Versorgungsprobleme“, sagt Karl Stefan Preuß.

Innenstadt

Auch der Zustrom in die Innenstadt ist durch die neue Verordnung deutlich rückläufig. Vereinzelt zieht es die Bad Oeynhau­sener bei sonnigem Wetter noch ins Zentrum. Dort haben lediglich noch Optiker-Geschäfte, Apotheken, Friseure, Imbissbuden, Bäckereien sowie Drogerie-Geschäfte geöffnet – und, wenn es die Betreiber wollen, auch Restaurants bis 15 Uhr. Gebrauch macht davon jedoch kaum ein Gastronom. Auch zahlreiche Einzelhändler haben nach dem Erlass der Landesregierung nicht mehr geöffnet, obwohl sie es rechtlich am Mittwoch noch gekonnt hätten.

Modehaus Hagemeyer

Jürgen Ahrens, Geschäftsführender Gesellschafter der Hagemeyer Retail GmbH und Co.

Auch hier herrscht Tristesse: der Eingang zum Modehaus Hagemeyer an der Klosterstraße am Mittwochnachmittag. Foto: Claus Brand

KG mit seinem Hauptstandort in Minden, möchte trotz aller Umsatzeinbußen niemanden seiner 20 Mitarbeiter am Standort Bad Oeynhausen entlassen, „sondern staatliche Hilfen wie zum Beispiel Kurzarbeit und andere in Anspruch nehmen“.

Die sich immer wieder ändernden Vorgaben von Stadt, Land oder Bund kommentiert er so: „In der Tat waren die unterschiedlichen Verlautbarungen nicht hilfreich. Das Land Niedersachsen war schneller und entschiedener in der Umsetzung der Schließungsverfügung. Die haben das zwei Tage eher umgesetzt.“

Friseure

Ihren Betrieb aufrecht erhalten darf Ulrike Milner vorerst noch. „Trotzdem haben wir mit deutlichen Umsatzeinbußen zu kämpfen“, sagt die Geschäftsführerin von „Ulrike Milner Schönheit und Gesundheit“: beim Friseurgeschäft um etwa 50 Prozent; das Kosmetikangebot habe sie komplett unterbrochen.

Neben Schutzmasken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln für die Kunden steht für Ulrike Milner und ihre Mitarbeiter nun der Gang zum Waschbecken auf der Tagesordnung. „Zudem desinfizieren wir nach jedem Kunden die Türklinken und Plätze sowie turnusmäßig sämtliche Oberflächen. Wir wollen unsere Kunden und unsere Mitarbeiter so gut schützen, wie wir können“, sagt sie. Deshalb seien beispielsweise auch die Zeitschriften weggeräumt worden.

„Die Kunden können sich gerne ein Buch oder Handarbeit mitbringen“, sagt die Geschäftsführerin. Den Geschäftsbetrieb vorzeitig aufzugeben ist für sie schwer vorstellbar. „Es geht hier um Existenzen“, sagt sie. Wenn die Vorgabe vom Bund, Land oder der Stadt komme, das Geschäft zu schließen, müsse sie dem folgen.

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