Buchungen im großen Umfang storniert – Existenzen bedroht – erste Entlassungen Stillstand in Hotellerie und Gastronomie

Bad Oeynhausen (WB). Die Lage ist ernst. Existenzen sind bedroht. Zwei Sätze, die seit der Zuspitzung der Corona-Krise auf Hotellerie und Gastronomie in Bad Oeynhausen besonders zutreffen.

Von Louis Ruthe
In 36 Jahren Hotelbetrieb hat Friedrich Kirchner eine solche Krise nicht erlebt.
In 36 Jahren Hotelbetrieb hat Friedrich Kirchner eine solche Krise nicht erlebt. Foto: Louis Ruthe

Erste Mitarbeiter sind gekündigt worden, einige sind für Kurzarbeit angemeldet. Das hat eine Umfrage dieser Zeitung ergeben.

Privathotel Stickdorn

Eigentlich vermeldet Friedrich Kirchner, Inhaber des Privathotels Stickdorn, unter der Woche in dieser Jahreszeit: ausgebucht. Doch seit der Corona-Krise ist nichts mehr, wie es war. Fünf Gäste beherbergt er noch. „Unsere Auslastung ist bei unter 20 Prozent“, sagt der Hotelier.

In seinen 36 Jahren als Verantwortlicher für das Haus habe es eine solche Situation noch nicht gegeben. Für sieben Mitarbeiter habe er Kurzarbeitergeld beantragt oder ihnen sogar die Kündigung ausgesprochen. „Zudem musste ich alle zehn Aushilfen bis auf Weiteres nach Hause schicken“, berichtet er.

Trotz allem will er den Hotelbetrieb aufrecht erhalten. Das sei er den Gästen schuldig. Nicht nur in der Hotellerie muss der 67-Jährige auf seinen Umsatz verzichten. „Unser Restaurant haben wir von sofort an geschlossen“, sagt er. Denn die Kernzeit dafür sei von 19 bis 21 Uhr. Die Gäste versorge er durch den Zimmerservice.

„Das Schlimme an unserer Branche ist, dass Tische und Zimmer eine schnell verderbliche Ware sind. Was ich heute nicht an den Mann bekomme, ist morgen nichts mehr Wert“, sagt er. Er hoffe, dass sich die Menschen durch die Krise nicht die Lust am Leben nehmen lassen.

Trollinger Hof/Wiegands

Ähnlich schlecht sieht es für Hotelier und Gastronom Frank Wiegand aus. „Ein paar Geschäftsleute sind noch da“, sagt der Inhaber des Trollinger Hofes. Am Montagmittag habe er sich entschlossen, das angegliederte Restaurant „Wiegands“ von montags bis donnerstags zu schließen.

„Diese Überlegung ist mit der jüngsten Verordnung hinfällig“, berichtet er. Ein Betrieb des Restaurants sei unmöglich. „Wir haben hier keinen Mittagstisch oder einen Cafébetrieb, den die Menschen nutzen könnten. Wir leben vom gemütlichen Abendessen, meist bis weit nach 18 Uhr“, sagt er. Am Dienstag hat er die Kühlschränke sowie die Küche ausgeräumt, „um Kosten zu sparen“. Entlassen will er vorerst niemanden.

„Ich versuche, für meine acht Mitarbeiter Kurzarbeitergeld zu beantragen“, sagt er. Zudem seien alle Mitarbeiter in den Urlaub geschickt worden. Bisher habe er sich immer auf sein Team verlassen können, das versuche er nun bis zum letzten Moment zurückzugeben. „Den Hotelbetrieb versuchen wir als Familie, mit meinem Sohn Jannik und meiner Frau Susanne, aufrecht zu erhalten“, berichtet Wiegand.

Hotel/Gasthaus Hänsels

Nicht weniger bedrohlich ist die Lage für Jungunternehmer Christopher Gemba (31) mit dem Hotel und Gasthaus „Hänsels“ in Bergkirchen. „Normalerweise haben wir eine Auslastung von etwa 80 Prozent“, sagt Gemba. Noch seien einige Langzeitgäste im Haus. Buchungen von Geschäftskunden, vor allem aus dem Mindener Bereich, haben jedoch kaum noch Bestand.

Den Betrieb des Restaurants hat er seit Dienstag eingestellt. „Derzeit überlegen wir, ob wir eine To-Go-Variante anbieten. So könnte ich wenigstens etwas Umsatz generieren“, sagt Gemba. Gäste des Hauses würden die Speisen aufs Zimmer geliefert bekommen. „Es trifft uns hart. März und April zeichneten sich als sehr umsatzstarke Monate ab. Das ist nun alles Geschichte“, sagt Gemba.

City-Hotel Bosse

Eigentlich sind wir durch Gäste aus der Bali-Therme oder dem GOP durchgehend zu 100 Prozent ausgebucht“, sagt Sebastian Krichel, Hotelmanager des City-Hotel-Bosse. Das sei nun auf so gut wie null Prozent gefallen.

„Zwei von 45 Zimmern haben wir vielleicht noch durchschnittlich durch Geschäftsreisende belegt“, berichtet er. Diese drastischen Einschnitte spiegeln sich auch in der Anzahl der Mitarbeiter. „Wir haben fünf Mitarbeiter in Kurzarbeit gesetzt. Fünf anderen mussten wir leider kündigen. Hinzu kommen unsere fünf Aushilfen, die wir momentan nicht mehr beschäftigen“, sagt Krichel.

Lediglich noch Geschäftsführer Marco Krüger und eine Dame des Housekeeping seien vor Ort, um den Betrieb vorerst aufrecht zu erhalten. „Mit den Besuchsverordnungen für Kliniken oder dem Verbot von Privatreisen ist bei uns am Montag um 18 Uhr nochmals eine extreme Stornierungswelle losgetreten worden“, berichtet der Hotelmanager.

Weinhaus Möhle

Vier Zimmer von 52 belegt, in Zeiten, in denen das Landhotel Weinhaus Möhle sonst mit Geschäftsreisenden durchgehend etwa 40 Zimmer in der Woche belegen kann. Geschäftsführer Vitus Schulte (30) wird den Betrieb dennoch aufrecht erhalten. „Wir haben eine Stornierungsquote von über 90 Prozent”, sagt er.

Vereinzelt seien noch Gäste da. Das angeschlossene Restaurant „Esszimmer“ sei durch die neue Verordnung faktisch geschlossen. Denn die normalen Öffnungszeiten (von 17 Uhr an) sind hinfällig. Schulte wird nun gezwungenermaßen das Restaurant für den normalen Gästebetrieb schließen, will es aber für die Versorgung der Gäste des Landhotels weiterhin mit Personal besetzen.

„Solange wie das Hotel geöffnet hat, werden wir unsere Gäste auch per Zimmerservice mit Essen versorgen“, sagt er. Seine Mitarbeiter wird er voraussichtlich in die vorgezogenen Betriebsferien schicken. „Anschließend muss über die Beantragung des Kurzarbeitergeldes nachgedacht werden“, sagt er. Vor Ort sei nur noch soviel Personal wie benötigt werde, damit alle Anfragen zu Hotel oder Restaurant in angemessener Zeit beantwortet werden können.

New Orleans

Florent Tafilay, Inhaber des New Orleans, versucht, Vorgaben der Stadt und des Landes bestmöglich umzusetzen. „Wir haben die Tische etwa zwei Meter ausein­ander gerückt“, berichtet er. Das bedeutet für den Gastronomen, dass etwa die Hälfte der Tische wegfallen.

Florent Tafilay (unten rechts), Inhaber New Orleans, meint: „Der Umsatz wird Tag für Tag weniger.“ Mit im Bild ist Dafina Tafilay. Foto: Louis Ruthe

„Was das heißt, kann sich jeder ausdenken“, sagt er. Neben verstärkten Hygienemaßnahmen sollen seine Mitarbeiter die Personalien jedes Gastes dokumentieren. „Normalerweise sind wir zwölf Angestellte und um die 15 Aushilfen“, berichtet er. Allen Aushilfen habe er abgesagt. „Der Umsatz wird Tag für Tag weniger“, sagt er.

Mit einem Lieferservice, der von Montag an läuft, versuche er, fehlenden Umsatz abzufedern. „So kann ich wenigstens noch den ein oder anderen Mitarbeiter beschäftigen“, berichtet er.

Café Sonnenschein

Alexander Zein will das Café Sonnenschein von diesem Mittwoch an vorerst nur sporadisch öffnen. „Normalerweise machen wir um 14 Uhr auf“, sagt er. Gerne schenke er seinen Kunden noch ein Heißgetränk aus oder bereite eine Waffel zu. Das komplette Sortiment für eine Stunde vorzuhalten, sei jedoch absurd.

Acht Aushilfen muss er nun vorerst vor die Tür setzen. „Wir warten regelrecht auf die Anordnung zur kompletten Schließung“, sagt Zein. Für den Dienstag hatte er die Tische ausein­ander gestellt, einen Desinfektionsmittelspender besorgt und eine Kontaktliste geführt.

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