Wilfried Siegmann berichtet über die Wallücke-Bahn – Anekdoten inklusive
Von der Werksbahn zum Kult-Zug

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Wer die Augen offen hält, kann sie noch heute entdecken: kleine Relikte der Wallücke-Bahn, die von 1897 bis 1937 zwischen Kirchlengern und Oberlübbe verkehrte. Wilhelm Siegmann, Mitglied des Arbeitskreises für Heimatpflege der Stadt, hat sich mit der Historie der Kleinbahn beschäftigt und jüngst in einem Vortrag über die Geschichte des „Wallücker Willem“ berichtet.

Freitag, 06.03.2020, 06:30 Uhr
Mit solchen Waggons war die Wallücke-Bahn auf ihrer Strecke unterwegs. Foto: Stadtarciv Bad Oeynhausen

Ursprünglich war die Wallücke-Bahn demnach vom Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein als reine Werkbahn geplant worden. Sie sollte das Eisenerz aus dem Steinbruch in der Wallücke, einem Gebirgspass im Wiehengebirge bei Hille, abtransportieren. Die Gemeinden, die bis dahin noch nicht an das Verkehrsnetz angeschlossen waren, sorgten mit ihrem Einspruch dafür, dass die Kleinbahn auch für den Personen- und Gütertransport eingesetzt werden sollte.

Referent Wilhelm Siegmann

Referent Wilhelm Siegmann Foto: Lydia Böhne

Am 1. Oktober 1897 wurde die Wallücke-Bahn, so berichtet Siegmann, eröffnet. Von Kirchlengern über Obernbeck, Mennighüffen, Halstern, Tengern und Schnathorst fuhr sie bis hoch zur Wallücke. Elf Haltestellen gab es. Während bei Streckenkilometer 17,2 die Waggons im Steinbruch mit Eisenerz gefüllt wurden, konnten die Passagiere wenige Meter zuvor in der Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ einkehren und warten, bis die Bahn beladen wieder den Rückweg antrat. „Es gab keinen Wendepunkt. Die Bahn fuhr auf der Talfahrt einfach rückwärts“, berichtet Siegmann.

3.300.000 Ziegelsteine transportiert

Endpunkt war dann wieder Kirchlengern. Dort wurden die zuvor mit Erz beladenen Kipptaschenwagen geleert und auf die Hauptbahn verladen. Es gab zwölf Wagen, die jeweils zehn Tonnen fassen konnten. Transportiert wurde neben dem Erz auch Sand, Kies und Straßenbaumaterial. „3.300.000 Ziegelsteine wurden pro Jahr transportiert“, sagt Wilhelm Siegmann. Mit Bildern von alten Karten und Fotos erweckte der Heimatpfleger bei seinem Vortrag die Eindrücke von damals noch einmal zum Leben.

Zudem hat Wilhelm Siegmann kleine Anekdoten über den „Wallücker Willem“, wie die Bahn von den Anliegern liebevoll genannt wurde, zusammengetragen. „Die Personenwagen hatten im Winter eine Ofenheizung und von 1908 an elektrische Beleuchtung“, erläutert der Rentner. Auch über das Verbot, während der Fahrt Blumen zu pflücken, mussten die Vortragsgäste schmunzeln.

Maximal 25 Kilometer pro Stunde legte die Kleinbahn zurück. Innerorts fuhr sie mit einem Tempo von zwölf Stundenkilometern. „Wer aus der Bahn fiel, konnte hinten wieder aufspringen“, sagt Siegmann mit einem Lachen. Zwei Tonnen Kohle wurden für die etwas über einstündige Fahrt gebraucht.

Keine Bahnüberwege, keine Signale

„Es gab keine Bahnüberwege und keine Signale“, ergänzt der Experte. Die Bahntrasse verlief weitgehend neben den damaligen Straßen, die auch heute noch vorhanden sind. Relikte der Wallücke-Bahn finden sich beispielsweise am Bahnhof in Schnathorst oder in der Straßenbezeichnung Wallücker Bahnweg in Löhne.

Auch mit Blick auf die Finanzen hat Wilhelm Siegmann geforscht: Der Bau kostete 604.160,64 Mark. Der Bau des Gleisbettes war mit 82.190,86 Mark der teuerste Posten. Eine Fahrt kostete die Passagiere 65 Pfennig. „Im Vergleich: Ein Hafenarbeiter in Hamburg hatte um 1900 einen Monatslohn von 61 Mark“, erläutert er.

Von 1917 an stellte man fest, dass das Erzaufkommen zur Neige ging, und man zog eine Stilllegung in Betracht. 1923 kam das Ende der Erztransporte sowie eine Betriebspause. 1925 gab es eine kurze Wiederinbetriebnahme des täglichen Personenverkehrs. „Es stellte sich aber heraus, dass Busse und Pkw eine zu große Konkurrenz waren. Obwohl die Bahn immer weiterentwickelt worden war, gab es Mängel“, berichtet Siegmann.

Die geringe Spurbreite von 600 Millimetern beispielsweise führte zu regelmäßigen Entgleisungen. Am 7. Dezember 1937 machte sich der „Wallücker Willem“ schließlich auf zu seiner Abschiedsfahrt.

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