Post von Melina Sophie macht Frank Schneider zum Gesicht eines Berufsstandes
Vom Pfleger zum Ehrenfrank

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Wenn Pflegeleiter Frank Schneider (56) durch seine Station 1 im Krankenhaus Bad Oeynhausen der Mühlenkreiskliniken (MKK) geht, bekommt der Stationsleiter seit kurzem häufig ein Wort von den Patienten zu hören: Ehrenfrank. Seit 33 Jahren pflegt, begleitet und betreut der Löhner Patienten. Als Youtuberin und Influencerin Melina Sophie Baumann (24), alias Melina Sophie, auf seine Station verlegt wird, ahnt der Pfleger nicht, was für ein Echo ihm bevorsteht.

Donnerstag, 05.03.2020, 06:20 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 10:18 Uhr
Die Pflege hat nicht nur ein Gesicht: Frank Schneider (von links) mit seinen Mitarbeitern Mediha Atmaca (Gesundheitspflegerin), Muhammad Asif (Azubi Pflegeassistent), Michaele Bretschneider (Stellvertretende Pflegeleitung), Mareike Köster (Gesundheitspflegerin) und Patricia Kuckau (Duale Studentin). Foto: Louis Ruthe

„Es war ein ganz normaler Arbeitstag“, sagt Frank Schneider. Eine junge Dame hat sich Sorgen gemacht, da ihr Tattoo sich entzündet habe. „Ich habe mich auf die Bettkante gesetzt und ihr Mut zugeredet. So wie ich es bei jedem Patienten mache, der Kummer oder Sorgen hat“, berichtet Frank Schneider. Das sei Teil seines Jobs.

„Ich nutze nur Whatsapp“

Eine Situation, die Melina Sophie so berührt, dass sie Frank Schneider um ein Foto für einen Post auf Instagram bittet. „Ich habe keine Ahnung von den Sozialen Medien, ich wusste nicht einmal, was Melina Sophie so macht. Also bin ich der Bitte nachgekommen“, sagt der 56-Jährige, der weder bei Facebook, noch bei Instagram, geschweige denn bei Youtube aktiv ist. „Das einzige, was ich nutze, ist Whatsapp‘“, sagt der Löhner.

Da haben sich zwei gefunden: Frank Schneider und Melina Sophie bei einem nachträglichen Besuch im Krankenhaus.

Da haben sich zwei gefunden: Frank Schneider und Melina Sophie bei einem nachträglichen Besuch im Krankenhaus. Foto: MKK

Erst als seine Arbeitskollegin Mediha Atmaca eine Stunde später zu ihn gekommen sei, sei ihm bewusst geworden, was er mit dem Selfie ausgelöst habe. „Sie sagte zu mir, dass mein Foto mit der Patientin über 80.000 Likes innerhalb einer Stunde erreicht hat“, sagt Frank Schneider.

Kein Wunder, den Melina Sophie Baumann hat alleine bei Instagram über 3,7 Millionen Follower. Bei Youtube folgen der Mindenerin 1,8 Millionen Menschen, bei Twitter 1,5 Millionen Menschen, und bei Facebook kommt die Influencerin auf über 630.000 „Gefällt-Mir“-Angaben.

190.000 Likes

Das gepostete Bild unterfüttert die Mindenerin mit den Worten: „Mein größter Respekt an dieser Stelle geht raus an alle Pfleger & Krankenschwestern. Krass was ihr alle so leistet. Ohne euch wären wir wirklich aufgeschmissen & viele (auch ich) unterschätzen eure Arbeit noch immer. DANKE!“ Und dafür erntet die Influencerin mittlerweile mehr als 190.000 Likes.

„Ich finde es gut, dass dieser Post dafür gesorgt hat, dass positive Nachrichten über die Pflege hinaus in die Welt getragen worden sind“, sagt Frank Schneider. Denn für ihn sei die Pflege ein besonderer Beruf, der oft unterschätzt werde. „Die Pflege ist vielseitiger als man denkt“, berichtet er. Nach der Grundausbildung spezialisiere sich jeder angehende Pfleger in einem Berufsfeld, beispielsweise in der Altenpflege oder der Pflege von kranken Kindern.

Schneider bleibt der Pflege treu

„Der Beruf hat mir in meinem Leben so viele tolle Momente geschenkt“, sagt Frank Schneider. Dass ausgerechnet er jetzt das Bild mit Melina Sophie Baumann gemacht habe, sei purer Zufall. „Nur dank meines Team habe ich die Zeit gehabt, mich um Melina Sophie kümmern zu können“, berichtet er.

Ihm sei es wichtig, dass bei der ganzen Aufregung die Pflege in den Mittelpunkt rückt, auch wenn er nun durch den sich bei Instagram etablierten Hashtag „#Ehrenfrank“ einen neuen Spitznamen hat – Ehrenfrank. Einer Sache bleibt der Löhner sich trotz der ganzen medialen Aufregung treu. „Ich werde auch in Zukunft kein Influencer oder Youtuber. Ich bleibe der Pflege treu“, sagt Frank Schneider.

Kommentar von Louis Ruthe:

Manchmal ist es der Zufall, den es braucht, um Menschen wie Frank Schneider in die Öffentlichkeit zu bringen. Seit 33 Jahren hilft der Löhner Menschen in Notsituationen im Krankenhaus Bad Oeynhausen – denn es ist sein Job. Durch einen einzigen Post von Melina Sophie Baumann hat die Pflege ein neues Gesicht bekommen, das sympathischer nicht sein kann. Es bleibt zu hoffen, dass dadurch vor allem junge Menschen inspiriert werden, über die Pflege als Beruf nachzudenken. Wichtig ist, dass über die Pflege mehr geredet wird, denn es ist ein eminent wichtiger Job, den die Gesellschaft braucht. Nicht nur nach einem Insta­gram-Post.

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