Ausstellung von Holzbildhauer Ralf Knoblauch dreht sich um die Würde des Menschen
Könige zu Gast in der Kirche

Bad Oeynhausen (WB). „Man sollte ja meinen, der erste Artikel des Grundgesetzes sei Konsens“, sagte Pfarrer Hartmut Birkelbach am Sonntag. „Leider ist das oft nicht so.“ Dass die Würde des Menschen unantastbar ist, sollen die Werke von Ralf Knoblauch vermitteln. Der Holzbildhauer aus Bonn stellt nun seine so genannten „Königsskulpturen“ in der Auferstehungskirche am Kurpark aus.

Montag, 02.03.2020, 11:30 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 18:32 Uhr
Königsskulpturen aus Holz sind in der Auferstehungskirche am Kurpark zu sehen. Geschaffen hat sie der Holzbildhauer und Diakon Ralf Knoblauch. Mit seinen Figuren möchte er die Würde jedes einzelnen Menschen unterstreichen möchte – unabhängig von der Hautfarbe. Foto: Jenny Karpe

Manche von ihnen sind klein, andere sehr groß oder zu zweit unterwegs. Alle tragen ein feierliches weißes Hemd oder Kleid und haben eine Krone bei sich: Mal auf dem Kopf, mal versteckt. In den vergangenen acht Jahren hat Ralf Knoblauch mehr als 200 Figuren geschaffen, zunächst nur für die tägliche kirchliche und soziale Arbeit. Der gelernte Tischler ist „Ständiger Diakon“ und regelmäßig in sozialen Brennpunkten Bonns unterwegs. Oft begleitet er Wendepunkte im Leben der Menschen und nimmt dabei Ängste und Sorgen wahr. Seine scheinbar schlichten Figuren sollen die Unzerstörbarkeit menschlicher Würde unterstreichen. Für verschiedene Zwecke hat er seine Figuren weitergegeben. 100 sind weltweit zu sehen, unter anderem in Gemeinden in Chicago, Abu Dhabi und Weetebula (Indonesien).

„Ich bin nun in einer WhatsApp-Gruppe, in der wir Bilder von den Königsskulpturen an verschiedenen Orten austauschen“, sagte Birkelbach. „Genau das entspricht Ralf Knoblauchs Wunsch: Die Figuren gehören nicht in ein Museum, sondern ins tägliche Leben.“ Eine Ausnahme hat er trotzdem gemacht, als 2019 das deutsche Grundgesetz seinen 70. Geburtstag feierte. In einer Wanderausstellung durch alle Landtage war auch einer der würdevollen Könige zu sehen.

Pfarrer Hartmut Birkelbach hat die Ausstellung organisiert

„Als Kinder Gottes sind wir alle Königskinder, was besonders im Rahmen der Taufe deutlich wird“, so Birkelbach. Für das Kulturreferat des Kirchenkreises hat er die Ausstellung organisiert. Nach einem thematisch abgestimmten Gottesdienst war die Gemeinde am Sonntag zu Kaffee und Gesprächen eingeladen, um sich die Ausstellungsstücke gemeinsam und reflektiert anzuschauen. Musikalisch untermalt wurde dies von Cellistin Lucia Kiss sowie József Opicz, der in dieser Woche zum Kreiskantor ernannt wird.

Ein ernster Unterton lässt sich bei der Thematik der Ausstellung jedoch nicht vermeiden. „Ralf Knoblauch wurde für seine Arbeit angefeindet, da angeblich alle Figuren dunkelhäutig seien“, sagte Birkelbach. „Daraufhin habe er nur entgegnet, Braun sei die Farbe des Holzes. Seine Skulpturen stünden natürlich für jeden Menschen, unabhängig von der Hautfarbe.“ Passend dazu informiert die Gemeinde im Rahmen der Ausstellung über das Bad Oeynhausener „Bündnis für Vielfalt“, das sich gegen Menschenverachtung, Extremismus und Demokratiefeindlichkeit einsetzt.

Bis zum 19. April zu sehen

„Hier geht es nicht um fromme Sprüche, sondern um zentrale Fragen unseres Lebens“, fügte der Pfarrer hinzu. „Auch in Bad Oeynhausen wird die Würde des Menschen regelmäßig angespuckt, angegrapscht und mit Füßen getreten.“ Die Gemeinde erhofft sich einen produktiven Austausch zu diesen Themen.

Nach dem 19. April wird eine der Figuren bleiben: Schon jetzt steht sie neben dem Taufbecken und wird in Zukunft regelmäßig daran erinnern, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.

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