Polizist und Krimiautor Norbert Horst liest aus jüngstem Werk „Bitterer Zorn“ Clan-Kriminalität im Fokus

Bad Oeynhausen (WB). Mit einem Horrorszenario eröffnet Norbert Horst in der Druckerei seine jüngste Lesung: Ein Kind steigt im Streit mit der Mutter aus dem Auto. Als sie ihm nachläuft, kann sie nur noch sehen, wie die Jacke des Kindes in einem schwarzen Transporter verschwindet – und es wird nicht der einzige Vermisstenfall bleiben, wie der Autor den etwa 40 Besuchern verrät.

Von Lydia Böhne
Während andere Autoren nur recherchieren können, wie Polizeiarbeit funktioniert, ist Norbert Horst als Mitarbeiter der Polizei Bielefeld mitten im Thema. In der Druckerei hat er aus seinem neusten Kriminalroman gelesen, der im Clan-Milieu spielt.
Während andere Autoren nur recherchieren können, wie Polizeiarbeit funktioniert, ist Norbert Horst als Mitarbeiter der Polizei Bielefeld mitten im Thema. In der Druckerei hat er aus seinem neusten Kriminalroman gelesen, der im Clan-Milieu spielt. Foto: Lydia Böhne

Seit 46 Jahren bei der Polizei

Seit 46 Jahren arbeitet Norbert Horst bei der Polizei. Inzwischen bei der Polizei in Bielefeld. Acht Kriminalromane hat der gebürtige Bad Oeynhausener veröffentlicht. Vier davon in der Reihe um das Dortmunder Ermittlerduo Jana und Thomas Adam, genannt Steiger. Das jüngste Werk, erschienen im September 2019, trägt den unheilverkündenden Titel „Bitterer Zorn“ und thematisiert Clan-Kriminalität. „So ein Buch hat viel Vorlaufszeit. Als ich es geschrieben habe, waren die Clans noch nicht so ein großes Thema, wie heute“, berichtet Norbert Horst. Aus seinem Berufsalltag weiß der Polizist, dass Entführungen von Kindern, wie er sie in seinem Buch aufgreift, im Clan-Milieu durchaus vorkommen. „Vieles läuft ohne das Wissen der Polizei ab, da es für sie fast unmöglich ist, in das Milieu reinzukommen“, ergänzt Norbert Horst.

Auch in seinem neusten Kriminalroman kommt die Polizei erst spät zum Einsatz. Bevor die Zuhörer die Ermittler kennenlernen, wirft der Autor sie mitten in eine neue Geschichte hinein. Gleich mehrere Erzählstränge, die im ersten Moment scheinbar nichts miteinander zu tun haben, flicht der 63-Jährige zu einer packenden Geschichte zusammen.

Vom Erlebten inspiriert

Es folgt ein Zeitsprung, die Szene des nächsten Kapitels spielt in Dortmund. Die Zuhörer werden mitten hineingeworfen in die turbulente Flucht zweier Jugendlicher aus Rumänien. „Tageswohnungseinbrecher, wie wir im Polizeijargon sagen“, ergänzt Norbert Horst. Als sich der eine Jugendliche plötzlich umschaut, ist sein Komplize weg.

Von den Vermisstenfällen wissen die Protagonisten bisher noch nichts. Um das Duo kennenzulernen, dürfen die Zuhörer Jana und Steiger bei einer Bordell-Kontrolle in Dortmund begleiten – „einem typischen Einsatz“, ergänzt Norbert Horst. Auch wenn die Fälle fiktiv sind, lässt sich der Polizist nach eigener Aussage auch mal von seinem Erlebten inspirieren. Beispielsweise bei der Benennung der Kneipe „Der Totenschädel“, in der Steiger bei einem Bierchen seine Freizeit verbringt. Auch wenn die Bücher nicht aufeinander aufbauen, gibt es doch Entwicklungen im Privatleben der Protagonisten. Bei Steiger ist es die Beziehung zu Eva, die Norbert Horst auch in seiner Lesung anschneidet.

„Polizeiarbeit ist nicht das, was im Tatort zu sehen ist.“

Neben der eigentlichen Lesung plauderte der Autor unbefangen aus dem Nähkästchen – und muss dem Publikum einen Zahn direkt ziehen: „Polizeiarbeit ist nicht das, was im Tatort zu sehen ist.“ Vor allem die Darstellung des beliebten Rechtsmediziners aus dem Münsteraner Tatort sei unrealistisch. „Ich mag den Tatort auch sehr, aber echte Rechtsmediziner haben nur medizinische Kenntnisse, ermitteln nicht und durchsuchen keine Wohnungen“, sagte der Autor mit einem Lachen.

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