Alternative für Deutschland nun in Bad Oeynhausen politisch aktiv – erster Versuch scheiterte AfD gründet Stadtverband im Geheimen

Bad Oeynhausen (WB). Unbeobachtet von der Öffentlichkeit hat die Alternative für Deutschland (AfD) am Montag einen Stadtverband für Bad Oeynhausen gegründet.  Vergangene Woche scheiterte die Gründung noch . 30 Mitglieder soll der neue Stadtverband nach Angaben von Sebastian Landwehr, kommisarischer Sprecher des AfD-Kreisverbandes Minden-Lübbecke, haben. Als Sprecher des Stadtverbandes wurde Matthias Groh (54) gewählt.

Von Louis Ruthe

Wo sich die Mitglieder der AfD getroffen haben, bleibt unbekannt. „Der Gastwirt steht voll und ganz hinter der AfD“, sagt Sebastian Landwehr im Gespräch mit dieser Zeitung. Aus „Angst vor Repressalien und Attacken“ habe sich die Partei dazu entschlossen, die Lokalität auch im Nachhinein nicht öffentlich bekannt zu geben.

Exakt eine Woche nach dem geplatzten Treffen im Löhner Restaurant „Rieke’s“ sei der Stadtverband jetzt „ohne besondere Vorkommnisse“ gegründet worden. Der Löhner Gastwirt hatte einen Hinweis erhalten, dass die AfD in seinem Restaurant verdeckt ein Gründungstreffen plane. Das ließ der Wirt sich nicht gefallen und bat die AfD, ein anderes Lokal aufzusuchen.

Stadtverbandssprecher Matthias Groh will mit der AfD eine politische Alternative für Bad Oeynhausen anbieten. „Gerade in den Bereichen der Stadtentwicklung, der Infrastruktur und der Sicherheit ist in Bad Oeynhausen viel zu tun“, wird Matthias Groh in der Pressemitteilung zur Gründung des Stadtverbandes zitiert. Darin erklärt die AfD zudem ausdrücklich, dass der neue Stadtverbandssprecher „jüdische Wurzeln“ habe.

„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“

Sebastian Landwehr freut sich über die Gründung: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir lassen uns unser demokratisches Recht auf Gründung eines Stadtverbandes nicht durch selbst ernannte Sittenwächter der linksextremen Antifa verbieten.“

Die Zusammensetzung des gewählten Vorstandes zeige, dass Menschen aus allen Schichten, Gruppen und Altersklassen erkannt hätten, „dass die AfD die letzte Chance zur Rettung unseres Landes ist“. Der neue AfD-Stadtverband werde die politische Landschaft und Demokratie in Bad Oeynhausen beleben, meint der kommissarische Kreissprecher.

Markus Wagner (55), der bei der Landtagswahl 2017 über den vierten Listenplatz in den Düsseldorfer Landtag eingezogen ist und dort Fraktionssprecher der AfD ist, übernimmt gemeinsam mit Prithesh Rohr (24) die Rolle des stellvertretenden Sprechers.

Bald AfD-Bürgermeisterkandidat für die Kurstadt?

Dazu wird Prithesh Rohr in der Pressemitteilung zitiert: ,,Ich möchte Bad Oeynhausen attraktiv für die jungen Leute gestalten. Die bisherige Politik in Bad Oeynhausen muss gerade von der Jugend kritisch hinterfragt werden, um unsere Stadt auf zukunftsfähige Beine zu stellen“. Zudem gehört dem Vorstand als Beisitzer der Bad Oeynhausener Unternehmer Kai Sundermeier (35) an.

„Nun wird sich der Stadtverband zu einer konstituierten Sitzung treffen“, sagt Sebastian Landwehr. Neben der Ratswahl soll dann auch eine Kandidatensuche für eine mögliche Bürgermeisterkandidatur sowie die Planung von lokalen Aktionen Thema sein. Nach Auskunft des kommissarischen Kreissprechers könnte die Sitzung schon in der nächsten Woche sein.

Bereits für diesen Freitag, 21. Februar, ist nach Informationen dieser Zeitung ein außerordentlicher Parteitag der AfD auf Kreisebene in Lübbecke geplant. Dort soll der neue Kreisvorsitzende der AfD gewählt werden.

Kommentar von Claus Brand

Der neue politische Mitbewerber auf Stadtebene ist da. Die Alternative für Deutschland (AfD) hat unter Ausschluss der Medien ihren Stadtverband gegründet, an einem für die breite Öffentlichkeit geheim gehaltenen Ort. Über 30 Mitglieder sollen laut AfD-Mitteilung bei der Gründung dabei gewesen sein. Nicht lange warten und den neuen politischen Mitbewerber mit den Mitteln der Demokratie auf den Prüfstand stellen, klar und schnörkellos: Das ist die Aufgabe der bislang in dieser Stadt aktiven politischen Kräfte.

Vorsicht ist bei jedweden taktischen politischen Spielchen geboten. Wie es im Umgang mit der AfD nicht geht, hat der jüngste Fall in Thüringen allzu eindrucksvoll gezeigt. Ob die AfD Ratskandidaten, einen Bürgermeisterkandidaten oder auf Kreisebene einen Landratskandidaten aufstellen wird? Die Antwort soll bald folgen, nach ersten Sitzungen. Auf alle anderen Parteien kommt im Wahlkampf mit AfD-Beteiligung jedenfalls Neuland zu. Gleichzeitig ist er das Forum, ihr schlüssige Argumente und Positionen entgegenzuhalten.

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