St. Peter und Paul: „Schluffiger Boden“ lässt Mauerwerk der Bad Oeynhausener Kirche aufplatzen
Das Kirchenschiff ist brüchig

Bad Oeynhausen (WB). Die von 1871 an erbaute und denkmalgeschützte St. Peter-und-Paul-Kirche steht auf „schluffigem Lehmboden“, über etliche Jahrzehnte sicher, jedoch seit 2013 fängt das Mauerwerk der im historisierenden-neugotischen Stil erbauten Oberkirche an zu bröckeln.

Donnerstag, 13.02.2020, 06:56 Uhr aktualisiert: 13.02.2020, 07:00 Uhr

Entworfen wurde die Kirche vom bekannten preußischen Architekten Friedrich August Stüler. Nun ziehen immer deutlicher Risse durch das massive Naturstein-Mauerwerk. Jetzt hofft die katholische Kirchengemeinde auf eine bauliche Lösung.

Die St.Peter-und-Paul-Kirche im Kurpark von Bad Oeynhausen.

Die St.Peter-und-Paul-Kirche im Kurpark von Bad Oeynhausen. Foto: Louis Ruthe

„Unter der Kirche befindet sich ein schluffiger Lehmboden“, berichtet Dr. Andreas Graf von Ballestrem vom Kirchenvorstand der katholischen St. Peter-und-Paul-Kirchengemeinde. Das hätten laufend genommene Bodenproben von Fachleuten ergeben. „Sobald der Boden über einen längeren Zeitraum keinen Regen abbekommt, trocknet er aus, wird instabil, und das Gebäude ist in Bewegung“, sagt Manfred Pollmeier, Pfarrer der Kirchengemeinde.

Boden muss in einem aufwändigen Verfahren unterfangen werden

Zunächst seien die Risse lediglich im Altarraum der Kirche aufgetreten. Nach den zwei sehr trockenen Sommern 2018 und 2019 seien diese im gesamten Mauerwerk des Kirchenschiffes sichtbar geworden. „Der Boden muss nun in einem aufwändigen Verfahren unterfangen werden“, sagt Dr. Andreas Graf von Ballestrem.

Derzeit würden in Abstimmung mit dem Erzbistum in Paderborn drei technisch verschiedene Varianten geprüft, wie der Kirche ein sicherer Grund bereitet werden könne. Eine Variante sieht vor, 15 Betonsäulen unter dem Kirchenschiff der Oberkirche in den Boden zu setzen.

Pfarrer Manfred Pollmeier und Kirchenvorstand Dr. Andreas Graf von Ballestrem begutachten die Risse.

Pfarrer Manfred Pollmeier und Kirchenvorstand Dr. Andreas Graf von Ballestrem begutachten die Risse. Foto: Louis Ruthe

„Diese müssten bis zu 15 Meter tief in den Boden gehen, da erst dort ein sicherer Grund vorliegt, der die Kirche tragen kann“, berichtet Dr. Andreas Graf von Ballestrem.

Orkan „Sabine“ beschädigt Provisorium

Nach ersten Schätzungen von Gutachtern könnte die Aufbereitung des Bodens mindestens eine siebenstellige Summe kosten. „Ohne Gelder des Erzbistums kann die Kirchengemeinde die notwendigen Arbeiten nicht finanzieren“, sagt Manfred Pollmeier.

Da die Risse mit der Zeit immer größer wurden, ist auch die Heilige Messe werktags in die Hauptkirche verlegt worden. „Zudem haben wir uns im vergangenen Jahr auch dazu entschieden, das mittlere Glaselement des Altarraumes auszubauen“, sagt Manfred Pollmeier.

Zu allem Überfluss sei durch Orkan „Sabine“ die provisorische Holzverkleidung des ausgebauten Fensters teilweise davon geweht worden. Mitarbeiter der Natursteinfachwerkstatt „Stones“ aus Leopoldshöhe haben am Dienstag den Schaden behoben.

Kirche wird täglich von etwa 100 Gästen besucht

„Dass wir die Oberkirche nicht mehr nutzen können, ist sehr schade“, sagt Pfarrer Manfred Pollmeier. Es sei immer ein sehr besinnlicher Ort für eine Messe gewesen. „Besonders abends im Kerzenschein“, erinnert sich der Pfarrer und ergänzt: „Unsere Kirche ist ein Ort, den viele Menschen täglich besuchen.“

Das Mauerwerk springt in an einigen Stellen in zwei Teile.

Das Mauerwerk springt in an einigen Stellen in zwei Teile. Foto: Louis Ruthe

Das sei daran zu erkennen, dass täglich bis zu 100 Gedenkkerzen in der Kirche entzündet würden. „Dies ist auch weiterhin möglich“, sagt Manfred Pollmeier. Wann eine Andacht oder Heilige Messe in der Oberkirche abgehalten werden könne, sei jedoch unklar.

„Dieses Jahr wird es definitiv nichts“, sagt Manfred Pollmeier. Denn erstmal müsste festgelegt werden, welches Verfahren zur Sicherung des Kirchenschiffs ausgeschrieben werden soll. „Es gibt nun Hoffnung, dass etwas passiert“, sagt Manfred Pollmeier

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