Betreiber befürchtet Imageschaden – Partei sagt „geheime“ Stadtverbandsgründung ab Gastwirt will AfD nicht bewirten

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). „Ich bin sauer“, sagt Gastwirt Frank Rieke. In seinem Restaurant „Rieke’s“ hatte die Alternative für Deutschland (AfD) am kommenden Montag die Gründung des Bad Oeynhausener Stadtverbandes geplant. Doch als der Gastronom erfuhr, wer hinter der Reservierung „einer größeren Gesellschaft“ steckte, griff er zum Telefon und bat die Gesellschaft, sich ein neues Lokal für ihren Anlass zu suchen.

Von Louis Ruthe
In Löhne plante die AfD eine Versammlung zur Gründung des AfD-Stadtverbandes für Bad Oeynhausen. Diese ist nun abgesagt worden.
In Löhne plante die AfD eine Versammlung zur Gründung des AfD-Stadtverbandes für Bad Oeynhausen. Diese ist nun abgesagt worden. Foto: dpa

„Zwei sympathische Männer kamen vor einigen Tagen in mein Lokal und buchten einen Tisch für mehrere Personen“, sagt Frank Rieke. Den Anlass erfrage er meistens nicht. „Wir haben hier so viele wechselnde Stammtische im Haus, bisher hat es nie Ärger gegeben“, sagt der Löhner Wirt.

„Ich war überrascht und griff direkt zum Telefon“

Am Donnerstagmorgen habe er dann von mehreren Personen den Hinweis bekommen, dass es sich bei der Gesellschaft um AfD-Mitglieder handele. „Ich war überrascht und griff direkt zum Telefon, um der Sache auf den Grund zu gehen“, sagt Frank Rieke.

Frank Rieke stornierte die Reservierung, nachdem er eruhr, wer da gebucht hattet. Foto: Louis Ruthe

Als der Mann an anderen Ende bestätigt, dass die Gesellschaft zur Gründung des AfD-Stadtverbandes bei ihm einkehren wolle, zieht er Konsequenzen. „Es ist für mich nicht abzusehen, welche Konsequenzen eine Bewirtung der AfD hat. Somit habe ich umgehend die Reservierung storniert“, sagt Frank Rieke.

Für Sebastian Landwehr, kommissarischer Sprecher des AfD-Kreisverbands Minden-Lübbecke, ist das keine Seltenheit. „Sobald einige Wirte erfahren, dass wir als AfD – übrigens eine demokratisch legitimierte Partei – bei ihnen einkehren wollen, befürchten diese drastische Konsequenzen, die bis zu Drohungen und Sachbeschädigungen führen“, sagt der AfD-Sprecher.

AfD gibt Mitglieder sieben Tage im vorraus über neue Wahl Bescheid

Deshalb seien auch in diesem Fall die Mitglieder in der Einladung informiert worden, am Veranstaltungstag nicht nach einer AfD-Veranstaltung zu fragen, sondern diskret die Treppe ins erste Obergeschoss zu nutzen. Es sei ein ständiges Problem, deshalb versuche die Partei öffentliche Ankündigungen über ihre Treffen zu vermeiden. „Von der Gründung des Stadtverbandes wird uns das jedoch nicht abhalten“, sagt Sebastian Landwehr.

Laut Kreissatzung müsse die Partei nun sieben Tage warten, bis ein neuer Versuch der Gründung unternommen werden kann. „Wir wollen unsere Mitglieder fristgerecht einladen, daher die sieben Tage“, sagt Sebastian Landwehr. Am Freitag habe ihn bereits ein Gastwirt kontaktiert, der signalisierte, dass jede verfassungskonforme Partei in seinem Lokal willkommen sei.

„Ich werde von nun an keine politischen Gesellschaften mehr bewirten“

Genau das versucht Frank Rieke in Zukunft zu vermeiden. „Ich werde von nun an keine politischen Gesellschaften mehr bewirten – egal welcher Partei“, sagt der Löhner Wirt. Denn letztlich bleibe der Schaden bei ihm. „Ich bleibe dem alten Credo treu, dass Politik und Kirche nichts in einer Wirtschaft verloren haben“, sagt Frank Rieke. Er hofft nun, dass relativ schnell wieder Ruhe um sein Lokal einkehrt und das Image des im Mai 2019 eröffneten Restaurants in Zukunft nicht darunter leidet.

Das Löhner Bündnis „Gemeinsam für Vielfalt“ – einer der Hinweisgeber auf die versteckte Buchung der AfD – begrüßt die Entscheidung des Wirtes. „Es ist wichtig, in solchen Zeiten ein politisches Statement zu setzen und Antidemokraten auszuschließen“, sagt Jürgen Birtsch, Sprecher des Bündnisses.

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