Kabarett-Ensemble „Die Arroganten“ überzeugt in der Druckerei in Bad Oeynhausen Viel Humor und so manche Spitze

Bad Oeynhausen (WB). Mit seinem neuen Programm „Die Wahl der Qual“ hat das Trio aus Thomas Streipert, Lars Schulte und Susanna Traut offenbar wieder genau den Geschmack des Publikums getroffen. Die Zuschauer haben reichlich Applaus für den Blick in den (Zerr-)Spiegel, den das Kabarett-Ensemble der Gesellschaft in der Druckerei vorgehalten hat, gespendet.

Von Gabriela Peschke
Der Maler (Thomas Streipert) wirbt um die bürgerliche Dame (Susanna Traut) – und überrascht dabei mit seiner Kenntnis mittelalterlichen Minnesangs.
Der Maler (Thomas Streipert) wirbt um die bürgerliche Dame (Susanna Traut) – und überrascht dabei mit seiner Kenntnis mittelalterlichen Minnesangs. Foto: Gabriela Peschke

Da ging es in einem satirischen Rundumschlag durch die Zustände der Republik: Ost- und Westdeutschland wurden im großen Stil genauso durch den Kakao gezogen, wie „Revierkämpfe“ zwischen Löhne und Bad Oeynhausen im kleinen „Ost-West-falen“. Um Liebe ging es und um Minnesang, um Medien und um digitale Überwachung. Und schließlich um die Nöte des kleinen Handwerkers aus Leipzig und die klugen Ratschläge der Bildungsbürgerin aus Bad Oeynhausen. Kurzum: Mit viel Witz, Charme und einer gehörigen Prise „Wortpfeffer“ skizzierten Streipert, Schulte und Traut die Schmerzpunkte der Gesellschaft – und das auf so erfrischende Weise, dass die Zuschauer immer wieder laut und herzlich lachten. Und: Mitgesungen wurde auch.

„Machen bei Euch die Chinesen die Müllabfuhr?“

„Die Gedanken sind frei“, schmetterte Thomas Streipert als Antwort auf ein digitales Überwachungsszenario, das der coole Nerd (Lars Schulte) vor ihren Augen entwarf. Schulte mimte überzeugend diesen urbanen Hipster, der über das Kopfhörerkabel mit seinem iPad wie mit einer Nabelschnur verbunden war. Der als „Doktorand für korrekte Sprache“ über „Gender Studies“ philosophierte („Warum heißt es Mutterleib aber Vaterland?“). Und der emsig Rassismen, Sexismen und Anglizismen im gesprochenen Wort zu verbieten suchte.

Thomas Streipert gab den einfachen, kleinen Mann: Als Maler aus dem Osten, der mit „Volx-Farbe“ die Welt bunter machen möchte. Mal Anstreicher, mal Landstreicher. Oder „Einstreicher“, wenn es ums Geld ging. Für ihn war die Welt zu rund, denn hier rotierten Ost und West. Dann doch lieber die Erde als Scheibe zurück, wo es einen „Rand“ gab für „Randgruppen“. Gegen solche Plattitüden erhob sich Susanna Traut: als gebildete, sozial beflissene Dame der Kurstadt. Als umweltbewusste E-Bike-Fahrerin mit Recycling-Ambitionen: „Plastikmüll kommt in die gelben Säcke!“. Darauf Streipert: „Machen bei Euch die Chinesen die Müllabfuhr?“; hinter vordergründigem Witz blitzte so manches Mal satirischer Tiefsinn durch.

Eine Hymne auf das Smartphone

Wenig später gab Streipert, die Gitarre umgehängt, den Minnesänger, der in lustvoll-alter Sprache um seine Angebetete warb. Waren das noch Zeiten! Heute hingegen, so lernte das Publikum von Hipster Lars Schulte, würden Liebesbotschaften in Staccato-Sprache über das Smartphone ausgetauscht: „DuWaSu“ bedeute: Du warst super. „HaSe“ übersetze sich als: Habe Sehnsucht.

Eine Hymne auf das Smartphone, zur Melodie „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ intoniert von Bariton Thomas Streipert, war einer der Höhepunkte der kabarettistischen Show, die das Publikum mit begeistertem Applaus honorierte.

Von „zwanghaften Freizeit-Kontrollettis“, die in Supermärkten Kassiererinnen tyrannisierten, bis zu Kümmelkörnerkissen gegen (gesellschaftliche) Verspannungen schlug Susanna Traut den Bogen, immer wieder mit Seitenhieben auf Politik, Mehr- und Minderheiten. Aber: „Ich gehöre zur Minderheit, die noch wählen geht. Wer nicht wählen geht, ist für Diktatur. Der lässt andere über sich bestimmen“, brachte sie es auf den Punkt.

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