Elektroautos stellen die Feuerwehr Bad Oeynhausen vor neue Herausforderungen
Jetzt wird nachgerüstet

Bad Oeynhausen (WB). Die Feuerwehr rettet Leben. Sie löscht Brände, befreit Unfallopfer, ist rund um die Uhr erreichbar. Moderne Technik stellt sie vor neue Herausforderungen. Das WESTFALEN-BLATT hat mit Stefan Meier und Nico Czimmernings über Strom, Wasser, Elektroautos und das Retten von Menschenleben gesprochen.

Samstag, 04.01.2020, 08:00 Uhr
Foto: Frank Dominik Lemke

„Strom und Wasser vertragen sich nicht besonders gut“, sagt der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Bad Oeynhausen, Nico Czimmernings. Bei Hausbränden sei die Elektrik durch die Schutzschalter meistens kein großes Problem. Doch bei Industrieanlagen mit Starkstromleitungen sei das schon anders. Würden die beim Löschen unter Spannung stehen, könnte das Wasser deren Ladung leiten und die Einsatzkräfte in Gefahr bringen.

Bei Industrieanlagen kappen Fachkräfte die Stromversorgung

Bei einem Autounfall mit Verbrennermotor seien die Spannungen zwar nicht so hoch, doch ein Kurzschluss könnte bei der Rettung eines Unfallopfers einen Airbag auslösen. Deswegen habe es Priorität, den Strom abzuschalten. Bei Industrieanlagen kappen Fachkräfte die Stromversorgung. Bei Pkw-Unfällen trennen die Feuerwehrmänner die Zuleitung zur Batterie.

Bei Elektroautos und Hybrid-Fahrzeugen mit Spannungen bis zu 650 Volt sei das jedoch gar nicht so einfach. Die Batterie für den Antrieb solcher Fahrzeuge ist in der Regel fest in der Bodenplatte verbaut. Dort ist sie am besten geschützt. Wird sie bei einem Unfall beschädigt, können die darin enthaltenen Chemikalien mitein­ander reagieren und ein heftiges Feuer auslösen. Brennt die Batterie, wird das Löschen schwierig, da Hunderte Batteriezellen im Inneren das Feuer ständig neu anfachen.

„Das Wichtigste ist das Kühlen der Batterie“

„Das Wichtigste ist das Kühlen der Batterie“, sagt Nico Czimmernings. Kollegen in den Niederlanden mussten ein brennendes Elektroauto in ein Wasserbad tauchen, um den Brand unter Kontrolle zu kriegen. Außerdem sei das Löschwasser ein Problem – aufgrund der giftigen Chemikalien in der Batterie. Aus einem einfachen Pkw-Brand wird beim Elektroauto ein Gefahrstoffeinsatz. Die frei gesetzten Stoffe sind schädlich für die Umwelt.

„Solche Probleme sind bei der Entwicklung dieser Technologie offenbar nicht bedacht worden“, sagt der Leiter der Feuerwehr, Stefan Meier. Für die Einsatzkräfte ist es wichtig, möglichst früh zu wissen, was für ein Fahrzeug sie vor sich haben: ein Verbrenner? Ein Hybrid? Ein Elektroauto?

Spezielle Software für die Leitstelle

Deswegen beteiligt sich die Feuerwehr Bad Oeynhausen an der Beschaffung einer speziellen Software für die Leitstelle in Minden-Lübbecke. Die ermittelt den Fahrzeugtyp anhand des Kennzeichens. Bei neuen Fahrzeugen liegen zudem Schaltpläne mit der Lage der Stromkabel und Airbags vor. „Das ist wichtig, auch bei Verbrennern. In den Airbags ist Pyrotechnik verbaut, auf die wir achten müssen“, sagt Nico Czimmernings. An erster Stelle steht immer die Rettung von Menschenleben. Dann konzentrieren sich die Einsatzkräfte auf die Brandbekämpfung. Im Dezember fuhren auf Deutschlands Straßen 83.175 Fahrzeuge mit Elektro- und 341.411 mit Hybridantrieb. Die Feuerwehr in Bad Oeynhausen war bislang noch nicht mit dem Brand eines solchen Autos konfrontiert. Für ihren ersten Einsatz ist sie aber vorbereitet.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7168916?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
So geht das nicht weiter!
Hier wird kein Umsatz gemacht (Symbolbild).
Nachrichten-Ticker