Mehr als 250 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fehlen in Bad Oeynhausen Böden benötigen weiterhin monatelangen Regen

Bad Oeynhausen (WB). Draußen wird es kälter, der erste Frost hat die Kurstadt erreicht und die Bäche in Bad Oeynhausen führen seit Wochen wieder Wasser. Also alles wunderbar nach dem zweiten trockenen Sommer in Folge? Nein. Denn im Stadtgebiet mangelt es weiter an Wasser – vor allem an Regenwasser. Eine erneute Trinkwasserknappheit bei einem heißen Sommer 2020 ist derzeit nicht auszuschließen. So sieht es Eckhard Nolting, Gewässerexperte der Stadt Bad Oeynhausen.

Von Louis Ruthe
Eckhard Nolting, Gewässerexperte der Stadt Bad Oeynhausen, inzspeziert regelmäßig den Borstelbach.
Eckhard Nolting, Gewässerexperte der Stadt Bad Oeynhausen, inzspeziert regelmäßig den Borstelbach. Foto: Louis Ruthe

»Ein Drittel des durchschnittlichen Jahresniederschlags wird uns voraussichtlich in diesem Jahr fehlen«, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Laut Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) fallen jährlich 840 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. »Mehr als 250 Liter auf den Quadratmeter fehlen in diesem Jahr jedoch noch, auch in Bad Oeynhausen«, berichtet Eckhard Nolting.

Etwas von diesem Wasserdefizit zu sehen, sei für den Normalbürger nicht möglich. »Die Obergewässer, also beispielsweise Bäche, haben sich nach der extremen Dürre im Sommer wieder erholt«, berichtet Eckhard Nolting. Wochenlang hätten zahlreiche wichtige Bäche in Bad Oeynhausen kein Wasser mehr geführt.

Im Boden herrscht derzeit eine moderate Dürre

Derzeit seien vor allem die Grundwasserbestände im Stadtgebiet noch deutlich unter den Werten, die es für ein normales Jahr benötige. Nach dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) herrscht in Bad Oeynhausen dabei derzeit eine moderate Dürre (Stufe 2).

»In einer Tiefe von etwa 180 Zentimetern herrscht in Bad Oeynhausen weiterhin eine außergewöhnliche Dürre«, sagt Nolting. Wesentlich schlimmer betroffen seien derzeit Teile des Münsterlandes und Ruhrgebietes. Dort gebe es laut LANUV weiterhin eine extreme Dürre in den tiefen Bodenschichten.

Trinkwasser ist weiterhin Thema

»Es ist relativ unwahrscheinlich, dass das Defizit bis Jahresende noch aufgeholt werden kann«, meint Eckhard Nolting. Erst wenn es von sofort an bis Februar regnen würde, sei ein Ausgleich der Wasserverhältnisse im Boden möglich.

»Das heißt, dass wir in Bad Oeynhausen mit einem Wasserdefizit ins neue Jahr starten«, sagt Eckhard Nolting. Dies sei auch im vergangenen Jahr schon der Fall gewesen. »Letztlich mündete dies während des heißen Sommer auch in einer Trinkwasserknappheit«, berichtet Eckhard Nolting. Es bleibe abzuwarten, wie die Weiterentwicklung im nächsten Jahr aussehe.

7,5 Milionen Euro in die Aufarbeitung der Gewässer investiert

Seit einigen Jahren versucht die Stadt Bad Oeynhausen, beispielsweise durch das Gewässerentwicklungskonzept »Werre-Weser-Else« des Kreises Minden-Lübbecke, Regen- und Quellwasser möglichst lange in den Bächen zu halten. »Im Vergleich zu anderen Regionen hat diese Arbeit bereits gefruchtet«, sagt Eckhard Nolting. Dies sei auf der aktuellen Karte des UFZ auch gut zu erkennen.

»Mehr als 7,5 Millionen Euro haben wir bereits in die Renaturierung und Verlegung von Bachläufen, den Bau von Regenwasserrückhaltebecken oder die Ausweitungen von Gewässerauen investiert«, sagt Eckhard Nolting.

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