Mühlenquilter in Bad Oeynhausen treffen sich einmal im Monat: Gemeinschaftsarbeit als Überraschung
»Der Weg ist das Ziel«

Bad Oeynhausen (WB). »Ursprünglich diente das Quilten einem praktischen Grund. Inzwischen hat es sich als Kunsthandwerk in Europa etabliert. Auf dem Museumshof haben die Mühlenquilter jüngst einen Einblick in die textile Kunst gegeben und einige ihrer Arbeiten gezeigt.

Donnerstag, 05.09.2019, 07:00 Uhr
Auf dem Museumshof haben Alfred Krull (von links), Magdalena Bartneck, Anne Mohme, Helga Büscher, Frauke Gamm, Ulrike Kopsch, Ingrid  Rüter, Lydia Lücking und Heidi Dinic von den Mühlenquiltern jüngst ihr Hobby  vorgestellt. Eine große Ausstellung gibt es dort im Oktober. Foto: Lydia Böhne

»Unter den Rüstungen haben die Kreuzritter damals mit Baumwolle gesteppte Kleidung getragen«, berichtet Frauke Gamm. Im Orient war das Quilten daher schon früh bekannt. »In Deutschland noch nicht, da es hier nur Wolle gab«, fügt die Hobby-Quilterin hinzu. Mit den Einwanderern kam die Technik nach Amerika, wo sie sich schließlich zu einer Handwerkskunst entwickelte. Nach einem Boom in den 1990er-Jahren ist das Quilten auch in Deutschland verbreitet. Sogar eine Patchwork Gilde mit deutschlandweit 7000 Mitgliedern gibt es. Ihr gehört auch Frauke Gamm an.

Geduld fordert das Projekt von Alfred Krull (Foto links). Aus etwa 17.400  Hexagonen, alle von Hand ausgeschnitten und gelegt, fertigt  er eine Decke, die 2,50 Meter im Quadrat messen soll.

Geduld fordert das Projekt von Alfred Krull (Foto links). Aus etwa 17.400  Hexagonen, alle von Hand ausgeschnitten und gelegt, fertigt  er eine Decke, die 2,50 Meter im Quadrat messen soll. Foto: Lydia Böhne

Vor 20 Jahren hat sie die Mühlenquilter mitbegründet. Am ersten Montag jedes Monats trifft sich die Gruppe von 19 bis 21 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus der Altstadtgemeinde in Bad Oeynhausen. Die zwölf Mitglieder tauschen sich aus oder beschäftigen sich in Gesellschaft mit ihren eigenen Quilt-Arbeiten. Immer wieder entsteht auch eine Gemeinschaftsarbeit, wie zum Beispiel eine Decke, die Mühlen im Verlauf der vier Jahreszeiten zeigt. Alle zwei Jahre präsentieren die Mitglieder ihre Ergebnisse in Form einer Ausstellung auf dem Museumshof.

Ausstellung im Oktober

Im Oktober ist es wieder soweit. Geöffnet ist die Ausstellung am Samstag, 5. Oktober, von 11 bis 17 Uhr und am Sonntag, 6. Oktober, von 11 bis 17 Uhr. Dann soll auch die neuste Gemeinschaftsarbeit gezeigt werden. Sie ist auch für die Mitglieder eine Überraschung. Unter dem Namen »Round Robin« wurde von jedem Mitglied um einen vorgegebenen Mittelblock herum an einer Decke weitergearbeitet. Für Frauke Gamm ist das Ergebnis beim Quilten aber nicht entscheidend. »Vom Kaufen des Stoffs bis hin zum Nähen – der Weg ist das Ziel«, sagt sie. Das Quilten bietet quasi keine Grenzen. Von der Tasche, bis hin zur Decke, Kleidung oder sogar einem Autoüberwurf ist alles machbar. Die Quilt-Vorderseite wird aus Patchwork gefertigt, die Füllung besteht aus Wattelage oder Vlies. Mit dem Quiltstich werden dann Top, Vlies und Rückseite zusammengebracht, wodurch die markante Stepp-Optik entsteht. Den Quiltstich nimmt Frauke Gamm von Hand mit speziellem Handwerkszeug vor. »Ich arbeite nach der amerikanischen Amish-Art«, erläutert sie.

Präsentation in Neuseeland

Seit 13 Jahren quiltet Magdalena Bartneck. Die Vlothoerin hat zwei ihrer Arbeiten sogar schon bei einer landesweiten Ausstellung in Christchurch in Neuseeland ausgestellt. »Ich habe mich beworben und wurde ausgesucht. Als ich meine Arbeiten dort hängen sah, hat mich das schon sehr stolz gemacht«, sagt die Hobby-Quilterin. Eines der Ausstellungsstücke können sich die Besucher im Oktober auf dem Museumshof ansehen.

Besondere Bedeutung

Eine Decke mit persönlicher Bedeutung fertigt Anne Mohme. Aus dem Flanellstoff von 20 Hemden ihres verstorbenen Vaters lässt sie in Form von aneinandergenähten Quadraten eine Kuscheldecke entstehen. »Für mich ist das Quilten ein entspannender Ausgleich zum Arbeiten«, berichtet das Mitglied der Mühlenquilter. Über die Decke darf sich nach der Fertigstellung wahrscheinlich ihr Bruder freuen.

Großprojekt

Bis Alfred Krull sein Großprojekt fertigstellen wird, werden voraussichtlich noch zwei Jahre vergehen. Der einzige Mann in der Runde der Mühlenquilter stellt sich einer Herausforderung, bei der besonderes Fingerspitzengefühl gefordert ist. Aus 17.400 kleinen Hexagonen lässt er eine große Decke entstehen, die einmal 2,50 Meter im Quadrat messen soll. »Im Dezember 2017 habe ich angefangen. Vielleicht kann ich die Arbeit 2021 abschließen«, sagt Al­fred Krull.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6900877?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Krisenstab mietet Wohnsiedlung für positiv getestete Tönnies-Mitarbeiter an
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker