Elfriede Lehmann feiert an diesem Mittwoch ihren 100. Geburtstag
»Ich war die beste Sängerin«

Bad Oeynhausen (WB). Elfriede Lehmanns Zimmer zeigt ihr abwechslungsreiches Leben: Rechts ist eine Bilderwand, darunter ein Foto ihrer Enkelkinder und ein gemaltes Bild im Ebenholzrahmen des Lötzener Schlosses – ein Gebäude, das ihre Kindheit prägte. Auch verschiedene Decken von ihren Reisen in den Iran schmücken den Raum. An diesem Mittwoch feiert die Seniorin ihren 100. Geburtstag.

Mittwoch, 07.08.2019, 07:10 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 07:50 Uhr
Elfriede Lehmann hält ein Foto ihres Vaters. Er trägt dabei seine Polizeiuniform. Hans-Dieter Lehmann und sein jüngerer Bruder Hartmut kümmern sich um ihre Mutter Elfriede Lehmann. An diesem Mittwoch feiert sie ihren 100. Geburtstag

Als das jüngste von fünf Geschwistern wurde Elfriede Charlotte Lehmann, damals Schrock, am 7. August 1919 im ostpreußischen Lötzen geboren. Als Tochter eines leitenden Polizeibeamten und einer Schneiderin verbrachte sie viel Zeit in ihrer Kindheit draußen und war sportlich aktiv. Insbesondere liebte sie das Segeln und Schwimmen, das die Vielzahl an Gewässern bei Lötzen möglich machte.

Die Familie unternahm zudem viele Wanderungen, eine Freizeitbeschäftigung, die Elfriede Lehmann auch in ihrer Familie weiter auslebte. Sie habe arme Menschen besucht und sei mehrmals ins Lötzener Schloss gegangen, um sich Urzeit-Funde anzuschauen.

Wehen während des Gottesdienstes bekommen

Elfriede Lehmann machte zunächst eine Ausbildung bei der Reichspost. Im Jahr 1937 zog sie mit ihrer Familie nach Rhein (Kreis Lötzen), die Stadt gehört seit 1945 zu Polen und heißt auf polnisch Ryn, und lernte ihren späteren Ehemann Johannes Lehmann in der Kirche kennen. Er war als Organist tätig und der Leiter des Chores, dem Elfriede kurz darauf beitrat. »Ich war die beste Sängerin«, sagte sie.

Dieses Reproduktion zeigt Elfriede Lehmann in jungen Jahren

Dieses Reproduktion zeigt Elfriede Lehmann in jungen Jahren Foto: Kristin Wennemacher

Sie habe als Sopranistin immer die höchsten Töne getroffen. Johannes und Elfriede Lehmann heirateten 1940, zu der Zeit, in der Johannes mit der Wehrmacht in den Zweiten Weltkrieg zog.

Die Geburt ihres ersten Sohnes Hans-Dieter Lehmann im Jahr 1941 verlief stressvoll: Nach dem Aufstieg der langen Treppe in der Kapelle setzten beim Ostergottesdienst die Wehen ein. Elfriede Lehmann schaffte es dennoch rechtzeitig nach Hause. Im Jahr 1942 kam ihr zweiter Sohn Hartmut Lehmann zur Welt.

Beste Sängerin im Kirchenchor

Als Deutschland 1944 Ostpreußen verteidigen musste, floh Elfriede Lehmann mit ihren beiden Kindern nach Höxter zu den Verwandten ihres Ehemannes. Erst zwei Jahre später folgte er ihr und war vom Krieg schwer traumatisiert. Im Laufe der Zeit verbesserte sich sein Allgemeinbefinden, so dass er wieder als Lehrer aktiv wurde. Der dritte Sohn Ulrich Lehmann wurde 1950 geboren.

Die Familie führte ein glückliches Leben: Alle machten zusammen Hausmusik, wanderten gemeinsam und reisten in viele Länder, beispielsweise auch mit dem »Rollenden Hotel«, einem Hotel-Bus, in die USA und in den Iran.

Elfriede Lehmann trat zudem in den Kirchenchor der Kantorei Höxter ein, in dem sie mehr als 50 Jahre Mitglied war. Auch nach dem Tod ihres Ehemannes hielt sie das soziale Leben aufrecht und war unter anderem Vorsitzende des Beamtenbundes. Ihr sei schon damals wichtig gewesen, wie sie sich kleidete, und sie achte auch heute sehr auf ihr Aussehen. Sie lasse sich oft Kleider oder Mäntel herstellen, die sie bei bekannten Personen gesehen habe, erzählte Hartmut Lehmann.

Gefeiert wird im engen Familienkreis

Mittlerweile ist Elfriede Lehmann fünffache Großmutter und hat sechs Urenkelkinder. Sie lebt seit drei Jahren in der Seniorenresidenz am Wiehengebirge und wird fast jeden Tag von ihrem Sohn Hans-Dieter besucht, der als einziges Familienmitglied in direkter Nähe zu ihr wohnt.

An diesem Mittwoch feiert Elfriede Lehmann das besondere Fest im engen Familienkreis.

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