Sängerin LEA hofft auch am Parklichter-Freitag in Bad Oeynhausen auf viel Energie vom Publikum
»Meine Musik erzeugt diese Welt«

Bad Oeynhausen (WB). Im deutschsprachigen Raum begeistert die Sängerin LEA ihr Publikum mit gefühlvollen Songs wie »Zu dir«, den sie auch beim Konzert am Parklichter-Freitag, 2. August 2019, spielen will. Über ihre Ideen zu Songs, die Macht der Radiosender und den Zusammenhalt von Frauen im Musik-Business hat sie mit WESTFALEN-BLATT-Redakteur Rajkumar Mukherjee gesprochen.

Donnerstag, 01.08.2019, 18:52 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 18:56 Uhr
Sängerin LEA hofft auch beim Auftritt während des Konzertes am Parklichterfreitag auf eine besondere Stimmung auf der Bühne – und vielleicht singt sie dann den Song »Blicke« wieder im Duett mit Wincent Weiss oder diesmal mit Daniel Donskoy. Foto: Calvin Müller

LEA, singst Du beim Parklichter-Festival den Song »Blicke« wieder im Duett mit Wincent Weiss oder diesmal mit Daniel Donskoy?

LEA: (lacht) Das soll ja eigentlich eine Überraschung fürs Publikum werden! Und das kann man sich ja vielleicht denken, dass derjenige eventuell auf der Bühne erscheint, mit dem ich den Song geschrieben und aufgenommen habe.

Dann sollten wir jetzt nicht zu viel verraten und die Spannung halten.

LEA: Unbedingt!

Stichwort »Zwischen meinen Zeilen«: In diesem Song singst Du zum Beispiel »Auf ’nem Fahrrad ohne Bremsen meinen Herzschlag spüren«. Das wirkt fantasievoll, poetisch, berührend. Es ist Dein innerer Monolog, wie Du sagst. Woher nimmst Du die Ideen dafür? Wie werden Zeilen zu Deinen Zeilen?

LEA: Diesen Song habe ich für meine große Schwester geschrieben, sie ist eineinhalb Jahre älter als ich. Wir sind übrigens beide kreativ tätig. Und in dem Song geht es um dieses Bewusstsein, dass ich mich irgendwann finde. Und ich mich frage: Wenn ich also zwischen meinen Zeilen les’, verstehe ich mich komplett, durchschaue ich mich – oder auch nicht? Es geht darum, dass der Weg, auf dem man als kreativer Mensch ist, nicht immer gerade verläuft und vorhersehbar ist. Und man nicht weiß, kommt man irgendwann an. Und überhaupt: Wie fühlt sich das an, wenn man ankommt? Früher habe ich das noch als etwas Negatives wahrgenommen. Ich dachte, man muss doch auf etwas ganz doll zusteuern, ankommen – irgendwann. Und mit der Zeit sind meine Schwester und ich auf die Idee gekommen, dass es total schön ist, unterwegs zu sein – und sich vielleicht nicht zu finden und sich immer wieder neu zu erfinden. Den Weg immer wieder neu zu wählen. Gar nicht anzukommen. Daraufhin habe ich den Song »Zwischen meinen Zeilen« für meine Schwester geschrieben, damit sie das nie vergisst, dass der Weg das Ziel ist.

Eine beeindruckende Message, die uns alle betrifft, vor allem junge Leute. Ist es nicht spannend zu beobachten, wie so etwas beim Publikum ankommt?

LEA: Absolut! Das drückt sich sehr viel in Nachrichten aus, die ich bekomme, über Social-Media-Kanäle oder in persönlichen Briefen. Das ist für mich total beeindruckend zu sehen, wie sehr ich Menschen mit meiner Musik beeinflussen kann, wie sich das auf deren Leben auswirkt. Und wie sie ihr eigenes Leben in meinen Geschichten wiederfinden, das ist für mich wunderschön. Es gibt nichts Schöneres, als dass man über sein eigenes Leben schreibt und andere sagen: ›Das klingt, als hättest du über mein Leben geschrieben.‹ Das ist wahnsinnig berührend, wenn man so eine Nachricht bekommt.

Kann es auch daran liegen, dass Du in deutscher Sprache Deine Zuhörer noch intensiver erreichst – in einem Musikmarkt, der nach wie vor von der englischen Sprache geprägt ist?

LEA: Als ich angefangen habe zu schreiben, habe ich über solche Dinge gar nicht nachgedacht. Da habe ich geschrieben, ohne groß den Kopf einzuschalten. Und es ist wichtig, dass man nicht verkopft rangeht: Dass ich mir vielleicht überlege, wenn ich die Zeile so schreibe, wie viele Menschen erreiche ich damit? Sondern, dass man vielmehr das aufschreibt, was man fühlt. Dann wird es sicher jemanden geben, den es berührt und Menschen, die sich damit identifizieren. Ich habe früher mal versucht, auf Englisch zu schreiben, als ich 15, 16 Jahre alt war. Ich habe aber ganz schnell gemerkt, dass ich mich im Deutschen viel besser ausdrücken kann und dass ich viel besser sagen kann, was ich wirklich sagen möchte. Deshalb habe ich mich nach ein, zwei englischsprachigen Songs, und einem auf Spanisch, entschieden, ich bleibe beim Deutschen, weil es auch eine ehrliche Sache ist. Die deutsche Sprache ist immer sehr auf den Punkt. Ich kann nichts durch Wortwendungen oder Floskeln vertuschen. Jeder versteht es, von vorne bis hinten. Und in meinem Fall sind die Texte ehrlich.

Gibt es eigentlich ein Revival deutschsprachiger Liedermacher?

LEA: Ich denke, dass im Radio seit einigen Jahren wieder mehr deutschsprachige Musik zu hören ist, was lange Zeit nicht so war. Das spielt auf jeden Fall eine große Rolle. Weil es auch bestimmt, wie sehr ein Musiker zum Mainstream werden kann – oder nicht. Und wie er – oder sie – die breite Masse erreicht. Wenn man nicht gespielt wird, ist es schwer, ein breites Publikum zu erreichen, ohne die großen Medien. Es gab aber natürlich immer deutsche Musik, und es wird sie auch weiter geben. Und vielleicht fühlen sich andere Musiker darin bestärkt, auch in deutscher Sprache zu singen. Und dass sie denken, was er oder sie kann, kann ich auch. Das finde ich schön, dass diese Musiker eine Motivation für andere Künstler sein können …

… so wie Du für andere Künstlerinnen. Dein Erfolg ebnet ihnen den Weg in die Musikbranche.

LEA: Richtig, das finde ich total schön, ein Vorbild für Frauen in der Branche zu sein. Den Weg zu ebnen oder zumindest – so weit ich das kann – Türen zu öffnen. Wir Frauen sind sehr unterstützend – also die Frauen aus dem Musikbusiness, mit denen ich zusammenarbeite und befreundet bin. Einfach deswegen, weil wir keinen Bock auf eine Ellenbogen-Gesellschaft haben und wir uns auch nicht als Konkurrentinnen sehen. Wir sehen vielmehr, was wir uns gegenseitig ermöglichen können: dass man sich auf Tour mitnimmt, als Support füreinander spielt, einen Song zusammen macht, ein Akustikvideo gemeinsam dreht oder gegenseitig im Musikvideo auftaucht. All diese Sachen sehe ich als große Chance, sich als Frauen zu unterstützen.

Sehr differenziert, das gehört mehr in den Fokus.

LEA: Unbedingt! Das Klischee-Bild der Frau ist ja immer so: Die ist eifersüchtig auf die andere Frau! Die gönnen sich nichts. Am Bild der Frauen müssen wir auf jeden Fall arbeiten und an der Rolle, die sie in der Musikwelt spielen. Weil da unfassbar viele gute Musikerinnen am Start sind, die vielleicht noch nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben, weil sie hart dafür arbeiten.

Die »Zwischen meinen Zeilen«-Tour geht im Oktober weiter, seit Mai singst Du auf Festivals wie am Freitag in Bad Oeynhausen. Insgesamt mehr als 40 Orte stehen auf der Liste. Wie schaffst Du es, überall diese vertraute Stimmung zu erzeugen?

LEA: Wir haben schon im Frühjahr 20 Termine gespielt, deshalb kommen wir in diesem Jahr sogar auf etwa 70 Shows, ein paar sind ja auch unangekündigt. Ich muss gar nichts dafür tun, dass ich diese Welt erzeuge. Das macht meine Musik. Und das mache ich, wenn ich auf der Bühne stehe. Da kann ich vorher gar nichts beeinflussen. Und es liegt auch sehr daran, was mir das Publikum für eine Energie gibt. Hat es am Anfang Bock auf meine Musik oder muss ich mir die Stimmung erkämpfen? Sie ist auch sehr davon geprägt, wie es mir an dem Tag geht. Aber die eigenen Gefühle kann man schnell ablegen, wenn es auf der Bühne losgeht. Und wenn einem das Publikum seine Energie gibt, dann bin ich selbst voll damit. Letztlich ist es machbar, 80 Shows im Jahr zu spielen, und man hat immer wieder die Energie des Publikums. Das ist superschön!

Zur Person

LEA ist am 9. Juli 1992 in Kassel geboren worden und heißt eigentlich Lea-Marie Becker. Sie ist eine deutsche Singer-Songwriterin und Keyboarderin, ihre Texte handeln von Liebe, Freundschaft und Einsamkeit. Im Alter von 15 Jahren hat sie begonnen, Videos bei Youtube einzustellen. Ihre Ballade »Wo ist die Liebe hin« ist bisher mehr als 2,8 Millionen Mal angeklickt worden. Ein Studium der Musik und Sonderpädagogik hat sie begonnen. Lea ist 2016 Backgroundsängerin bei Mark Forster gewesen, mit Glasperlenspiel und Seven hat sie auf der Bühne gestanden. Ihre erste Tour ist 2017 gewesen. Ihr zweites Album heißt »Zwischen meinen Zeilen«.

Karten-Verlosung

Das WESTFALEN-BLATT verlost einmal zwei Tickets für das Parklichter-Festival am Freitag, bei dem auch LEA auftreten wird. Die Gewinn-Hotline 01379/883002 (0,50 Euro/Anruf Festnetz, gegebenenfalls gelten andere Mobilfunkpreise) ist bis Freitag, 2. August 2019, 11.30 Uhr, geschaltet. Die Karten werden unter allen Anrufern verlost. Der Gewinner wird benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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