Wincent Weiss tritt bei den »Parklichtern« auf
»Auf der Bühne sage ich alles – ich muss nichts verstecken«

Bad Oeynhausen (WB). 2018 hat Wincent Weiss (26) den »Echo« als bester nationaler Newcomer erhalten, 2017 saß er in Kiew in der deutschen ESC-Jury. Aber nicht nur die Branche weiß, was sie an dem Sänger und Songwriter hat – auch das Publikum hört ihm zu. Malte Samtenschnieder hat mit ihm gesprochen.

Samstag, 27.07.2019, 02:00 Uhr
Windent Weiss Foto: dpa

Die Songs aus Ihrem aktuellen Album »Irgendwie anders« laufen im Radio rauf und runter. Sie sind in mehreren Fernsehformaten zu sehen. Zeitungen, Magazine und Blogs berichten über Ihre aktuellen Erfolge. Wie gehen Sie mit der großen medialen Aufmerksamkeit um?

Wincent Weiss: Das ist auch für mich krasses Neuland. Plötzlich haben mich alle Radio- und Fernsehsender auf dem Schirm. Das ist immer noch ungewohnt und komisch, auch wenn mich Leute auf der Straße erkennen und ansprechen oder wenn Euphorie ausbricht und mir die Fans bei Konzerten entgegenschreien. Ich realisiere das noch immer nicht so ganz, weil ich mich selbst nicht als berühmt oder als Star sehe, sondern immer noch als Junge vom Dorf, der Musik macht. Aber ich versuche gerade so ein bisschen, mich da reinzuleben.

 

Bei Instagram nutzen mehr als 550.000 Fans die Möglichkeit, Einblicke in Ihren ganz normalen Alltag zu erhalten. Ist es manchmal eine Belastung, ständig präsent sein zu müssen? Sind Sie sich immer der enormen Reichweite bewusst, wenn Sie etwas posten?

Weiss: Ich denke eigentlich gar nicht so viel darüber nach, was passiert, wenn ich etwas poste. Ich bekomme aber, wie wohl jede Person des öffentlichen Lebens, sehr viel Kritik, wenn etwas als negativ eingestuft wird. Wenn zum Beispiel in einer Insta-Story ein Bier zu sehen ist, schreiben mir Eltern: »Ich schicke meine neunjährige Tochter nicht mehr zu deinen Konzerten, weil du Alkohol trinkst.« Aber ich bin 26 Jahre alt, und wenn ich ein Bier trinke, ist das völlig in Ordnung. Solche Reaktionen bringen einen allerdings dazu, genauer nachzudenken, wenn man etwas postet: Was ist alles zu sehen? Was darf man machen? Was nicht?

 

Aber es gibt auch sehr viel positive Resonanz.

Weiss: Manchmal ist auch das erschreckend. Wenn man zum Beispiel ein Foto postet und nach zehn Minuten 10.000 Likes hat. Dann weiß man, dass sich gerade mindestens 10.000 Menschen in Deutschland dieses Foto angeschaut haben. Das ist schon eine verrückte Welt, in der wir gerade leben, mit dem ganzen Social-Media-Kram. Ich bin ja eigentlich in der Generation davor aufgewachsen – mit einem alten Nokia, mit Computermodem und ohne ständiges Internet. Damals gab es das alles noch nicht. Aber für die heutige Generation ist es gar nicht mehr wegzudenken.

 

Auch wenn es noch einige Tage dauert, bis Sie als Headliner beim »Parklichter Open Air« in Bad Oeynhausen auftreten, hat ja für Sie die Festivalsaison bereits begonnen. Was bedeutet es Ihnen, die eigenen Songs Abend für Abend vor großem Publikum zu performen?

Weiss: Diese anderthalb oder zwei Stunden, die man bei einem Festival Zeit hat, sind die beste Zeit. Man ist mit der Band, die man liebt und mit der man groß geworden ist, auf der Bühne. Man performt vor einem Publikum, das begeistert vor einem steht. Kinder, die einen anlächeln. Es ist ein Privileg, Menschen mit der eigenen Musik glücklich zu machen.

 

Was ist an Ihrem aktuellen Album »Irgendwie anders« irgendwie anders als das, was andere deutschsprachige Künstler derzeit ihren Fans anbieten? Was ist das Erfolgsrezept des Albums?

Weiss: Das ist eine gute Frage. Wenn es ein Tutorial gäbe, wie man ein guter Deutsch-Pop-Künstler wird, wäre das schön. Ich bin einfach ich. Man darf sich nicht verstellen. Man muss einfach ehrlich sein. Deswegen kommen die Leute auch zu meinen Konzerten. Weil ich auf der Bühne alles erzähle. Ich muss nichts verstecken. Ich denke mir keine Geschichten aus. Ich glaube, dass das bei den Leuten ankommt. Sie merken, dass das, was man dort zu hören und zu sehen bekommt, ehrlich ist. Das funktioniert gut in Deutschland.

 

In den Songs auf dem Album »Irgendwie anders« geben Sie umfangreiche Einblicke in Ihr Gefühlsleben. Sie verarbeiten das Ende der Beziehung zu Ihrer Freundin, das komplizierte Verhältnis zu Ihrem Vater, sprechen ganz offen darüber, dass Sie möglichst schnell selbst Vater werden möchten. Wie gehen Ihre Fans mit so viel Offenheit um? Gibt es auch negatives Feedback?

Weiss: Die meisten finden es super, dass ich mit allem so offen umgehe und dass ich Einblicke biete. Es gibt aber auch negative Berichte. So wurde aus der Tatsache, dass ich meinen Vater nicht kannte, konstruiert, dass ich eine schwere Kindheit hatte. Was aber gar nicht so ist. Wenn Sachen so verdreht werden, ist das schon blöd. Musik soll dazu da sein, Leuten Kraft zu geben und sie zu motivieren, ihnen aus der Seele zu sprechen, ihnen etwas zu bieten, mit dem sie sich identifizieren können. Das soll eigentlich keine negativen Hintergründe haben.

 

Sie waren im März bei der Aufzeichnung der diesjährigen Staffel von »Sing meinen Song – das Tauschkonzert« in Südafrika dabei. Wie lässt sich diese Zeit beschreiben?

Weiss: Das war für mich die unglaublichste Reise und Erfahrung, die ich machen durfte. Gar nicht einmal wegen der Umgebung in Südfrika, sondern weil ich dort realisiert habe, mit welchen unglaublichen nationalen und internationalen Künstlern ich dort Fernsehen machen und auf der Bühne stehen darf. Das war für mich das erste Mal, dass ich erkannt habe: Ich bin bei denen angekommen. Das war richtig schön.

 

Welcher Einschnitt in diesem Frühjahr war größer: die Teilnahme an »Sing meinen Song« oder die Veröffentlichung Ihres neuen Albums?

Weiss: Das ist wirklich schwierig zu vergleichen. Das zweite Album war für mich persönlich, glaube ich, der größere Schritt, weil es mein Werk ist und ich meine eigenen Geschichten veröffentlichen durfte. Und für meine Fans, glaube ich, auch. »Sing meinen Song« war super für alle Menschen, die mich nicht kannten oder die mich nur vom Radio kannten und gar kein Gesicht dazu hatten. Man kann bei so einer Sendung gut die Geschichte hinter einer Person erzählen.

 

Bei »Sing meinen Song« haben Sie ganz unterschiedliche Kollegen kennengelernt. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Weiss: Wer nicht? Wir waren eine super Truppe. Ich kannte ja auch viele schon vorher. Mit Johannes Oerding bin ich schon lange befreundet. Mich haben wirklich alle überrascht. Besonders Michael Patrick Kelly. Ich kannte ihn nicht als Mitglied der Kelly Family – das war vor meiner Zeit –, sondern nur durch sein Soloalbum »ID«. Auf einmal habe ich die ganze Hintergrundgeschichte erfahren, und das fand ich schon krass. Was für eine Größe das damals war, und dass das jeder kannte. Aber alle anderen haben mich genauso beeindruckt. Alvaro zum Beispiel. Der spricht fünf Sprachen fließend und sieben insgesamt. Ein Wahnsinnsgenie. Ich glaube, es gab keinen, von dem man nichts erfahren hat, was einen nachträglich nicht beeindruckt hat.

 

Bislang sind alle Ihre Songs auf Deutsch. Könnten Sie sich nach den Erfahrungen bei »Sing meinen Song« vorstellen, auch in anderen Sprachen, vielleicht auf Englisch zu singen, um noch mehr Fans zu erreichen?

Weiss: Ich würde niemals nie sagen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass man mal auf Englisch etwas ausprobiert. Aber ich schreibe jetzt erst mal auf Deutsch. Das ist meine Muttersprache. Ich fühle mich da beim Schreiben und beim Singen wohl. Warum soll ich daran etwas ändern?

 

Bei den »Parklichtern« in Bad Oeynhausen ist auch Lea mit dabei. Sie haben mit ihr gemeinsam den Song »Blicke« aufgenommen. Werden Sie das Duett zusammen performen?

Weiss: Wir machen das immer spontan ab. Je nachdem, wer wann, wo und wie bei einem Festival da ist. Manchmal ist es schwierig, das zu verbinden. Aber ich denke mal, dass diese drei, vier gemeinsamen Minuten eingeräumt werden können. Ich kann nichts versprechen, aber ich werde mit ihr auf jeden Fall darüber reden.

 

Worauf dürfen sich die »Parklichter«-Fans ansonsten bei Ihrem Auftritt am Freitag, 2. August, in Bad Oeynhausen freuen?

Weiss: Es erwartet sie ein wunderschöner Abend mit uns. Mit allen Songs, die man aus dem Radio kennt. Viele Songs vom neuen Album. Ich hoffe auf eine schöne Stadt und viele neue Menschen, die ich kennenlernen kann. Es wäre toll, wenn alle ihre Sorgen vergessen und für zwei Stunden mitmachen und entspannen.

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