RTL-Star Daniel Donskoy will als Sänger das Parklicher-Publikum am 2. August begeistern
»Im Herzen des Künstlers sitzen«

Bad Oeynhausen (WB). Auf seinen Auftritt beim Parklichter-Festival am Freitag, 2. August, freut sich Schauspieler und Sänger Daniel Donskoy besonders. Denn neben seinen erfolgreichen Darstellungen in Serien wie Sankt Maik (RTL) und Tatort (ARD) will sich der 29-Jährige auf seine musikalische Karriere konzentrieren, verrät er im WESTFALEN-BLATT-Interview mit Redakteur Rajkumar Mukherjee.

Mittwoch, 24.07.2019, 10:54 Uhr aktualisiert: 24.07.2019, 16:28 Uhr
Neben seinen schauspielerischen Fähigkeiten, die er in der RTL-Serie Sankt Maik unter Beweis stellt, hat Daniel Donskoy auch sein musikalisches Talent entdeckt.

Das Parklichter-Konzert rückt näher. Freuen Sie sich schon auf Bad Oeynhausen?

Daniel Donskoy: Ja total! Das ist mein zweites Festival überhaupt. Es geht in diesem Jahr wundervoll los mit der Musik. Und das Gefühl, vor so vielen Menschen spielen zu dürfen, ist unbeschreiblich! Es ist Teil des Findungsprozesses für mich. Und live zu spielen, finde ich viel schöner als im Studio zu stehen – oder zu Hause am Klavier die Songs zu schreiben. Ich möchte sehen, wie der Mantel, den man dem Song anzieht, und das Gefühl bei den Leuten ankommen. Ein wundervoller Prozess, der extrem viel Spaß macht, aber auch ein bisschen Angst. Weil man sich emotional nackig macht.

 

Seit Januar ist die Debütsingle »Cry By The River« auf dem Markt. Wie haben die Fans auf die neue künstlerische Seite reagiert?

Donskoy: Alles, was neu ist, wird natürlich zuerst kritisch beäugt. Und gerade bei Schauspielern sagt das Publikum oft: Noch einer, der singt. Für mich ist es deshalb richtig, dass ich das ruhig, konstant, stetig und ehrlich mache. Die, die es mögen, mögen es. Die anderen eben nicht.

In der NDR-Talk-Show haben Sie sich selbst am Klavier begleitet. Waren Sie nervös?

Donskoy: (lacht) Oh ja, total! Das hat sich angefühlt wie das allererste Casting vor vier Jahren an der Schauspielschule. Natürlich war da eine große Nervosität, die aber abgefallen ist, als es losging. Ich habe mich aber wahnsinnig auf den Auftritt beim NDR gefreut, meine Mutter saß mit im Publikum. Außerdem habe ich lange auf diesen Moment gewartet, denn die NDR-Talk-Show war die einzige, die gesagt hat, ja, komm, mach’ Musik. Wir haben die Veröffentlichung des Songs drumherum aufgebaut. Und es war ein Wow-Gefühl für mich.

»Nein, es wird keine Cover-Songs geben«

Werden Sie in Bad Oeynhausen auch weitere Songs vorstellen oder gibt es Cover-Songs?

Donskoy: Nein, es wird keine Cover-Songs geben. Ich habe innerhalb eines Jahres selbst mehr als 60 Stück geschrieben. Wir machen gerade die Tracks fertig und bereiten die Songs für das Festival vor, die das Live Feeling transportieren sollen. Da sind viele Songs von mir, die auch auf dem Album sein werden.

Wie würden Sie Ihre Musik beschreiben? Was macht sie aus?

Donskoy: Das Genre ist Indie-Pop mit einem Einschlag aus Rock, Independent und Elektronik. Es zu beschreiben ist aber schwer. Ich versuche, mir zu überlegen, warum ich über ein gewisses Gefühl schreiben möchte und über Erlebnisse in meinem Leben. Und die Musik ist der Katalysator dafür. Damit das Publikum genau das fühlen kann, was ich im Moment gefühlt habe. Das macht es für mich aus: Leute teilhaben zu lassen. Seit meiner Kindheit besuche ich selbst Konzerte, und die berührendsten Momente waren, als ich das Gefühl hatte, ich sitze mitten im Herzen des Künstlers. Übrigens sind die beiden größten Songwriter für mich Tom Odell und Benjamin Clementine. Bei beiden habe ich das Gefühl, ich bin komplett drin. Oder Mike Posner, der einen Song über den Tod seines Vaters schreibt. Und ich höre das und spüre die Gänsehaut. Wow! Das ist es, was ich versuche, mit meiner Musik zu erreichen, dass ich die Leute mitnehmen kann auf die Reise, die ich bisher erleben durfte.

Sie werden sich in Bad Oeynhausen die Bühne mit Wincent Weiss und Lea teilen. Mit wem würden Sie gerne mal zusammen singen?

Donskoy: Ich freue mich sehr, Wincent Weiss kennenzulernen. Lea durfte ich schon kennenlernen, wir haben »Blicke« zusammengesungen. Ansonsten würde ich gerne mal mit Justin Timberlake singen ... Ich habe ihn vergangenes Jahr in Köln gesehen: Er ist für mich der krasseste Entertainer. Drei Stunden lang hat er alles für dieses Publikum gegeben. Und bei der Gamescom in Köln spiele ich auf der selben Bühne wie Tom Odell – das ist mein absolutes Highlight, weil ich ihn schon lange bewundere.

»Die Rolle des Soziopathen gefiel mir extrem gut«

Wenn Sänger sich zusammentun, schaffen sie ja was Neues ...

Donskoy:

... das ist ja das Schöne, was die Musik vom Schauspiel trennt. Wenn sich Musiker treffen, machen sie Musik. Wenn sich aber Schauspieler treffen, fangen sie ja nicht an und rezitieren gemeinsam Shakespeare-Monologe. Musiker können diesen Moment erleben, in dem sie zusammen etwas kreieren. Das verbindet extrem.

 

Man kennt Sie als Pfarrer in der RTL-Serie Sankt Maik. Gerade hat der Sender die dritte Staffel angekündigt. Was macht den Erfolg dieser Serie aus Ihrer Sicht aus?

Donskoy: Das kann ich leider nicht beantworten, ich denke, da müssten Sie die RTL-Zuschauer fragen.

Aber es ist ja nicht schlecht, wenn man als Künstler auf mehreren Beinen stehen kann.

Donskoy: Natürlich! Es hilft mir als Schauspieler ungemein, was das Finanzielle angeht. Als Independent-Künstler zahlt man alles aus eigener Tasche: Jeden Musiker, der für einen spielt, jede Gruppe. Und wenn ich nicht den finanziellen Rückhalt als Schauspieler hätte, wäre das alles nicht so möglich – ohne Label. Aber in meinem Kopf ist der Weg klar als Independent Artist. Und als Schauspieler möchte ich auch in diese Richtung gehen.

Wir blicken auf das Krimi-Flaggschiff Tatort. In der Dresdener-Folge »Wer jetzt allein ist« haben sie einen Soziopathen gespielt. In »Das verschwundene Kind« an der Seite von Maria Furtwängler. Was überwiegt: Die Ehre oder Spaß?

Donskoy: Auf jeden Fall der Spaß! Die Rolle des Soziopathen gefiel mir extrem gut. Ich liebe es, Bösewichte zu spielen. Und Maria Furtwängler und Florence Kasumba sind zwei Kolleginnen, von denen ich viel lernen kann, weil sie viel Erfahrung haben und liebe Menschen sind. Wir werden dieses Jahr auch wieder zusammen drehen. Mir ist es immer wichtig, dass man eine gute Atmosphäre am Set hat. Ich bin sehr glücklich darüber, dass die meisten Sets, an denen ich bisher gearbeitet habe, sehr positiv für mich waren.

»Ich freue mich schon sehr auf Bad Oeynhausen«

Drehen Sie auch international Serien?

Donskoy: Ja, ich habe gerade in Kroatien ›Strike Back‹ gedreht, eine HBO-Serie. Dort habe ich einen extrem aggressiven und kaputten Drogendealer gespielt, der psychisch krank ist. So eine Figur zu spielen, ist schwer, weil man nach jedem Drehtag erst mal wieder aus der Rolle herausfinden muss. Andererseits gibt es einem im Spiel sehr viel.

 

Werfen wir einen Blick auf Ihre Lebensstationen. Sie wurden in Moskau geboren, sind im Alter von fünf Jahren mit Ihrer Mutter nach Tel Aviv gezogen, haben in London gelebt, sind in Berlin zu Hause. Welcher Ort hat Sie besonders geprägt?

Donskoy: Alle drei. In Berlin bin ich als Stadtkind aufgewachsen, in Tel Aviv habe ich als Teenager eine andere Gesellschaft erlebt. Du kommst als Berliner Kind mit großer Klappe dahin und merkst, die große Klappe ist nichts im Vergleich dazu, was Du brauchst, wenn Du plötzlich woanders lebst. Und London hat mich beruflich geprägt am Anfang meiner beruflichen Tätigkeit. Ich habe dort die Schauspielschule und die Musikschule gemacht, habe dort am Theater angefangen. In London fühlt sich die Gesellschaft übrigens homogener an: Egal ob du aus Indien, China oder Ghana kommst, jeder sagt: I’m a Londoner. Da müssen wir in Deutschland noch hinkommen, das man sich einander verbunden fühlt, im Fremden nicht nur das Böse sieht. Ich pendele immer noch, eine Woche hier, eine Woche dort. Das Hin und Her hat mir extrem die Augen geöffnet. Und mir gezeigt, was es bedeutet, offen auf eine Gesellschaft zu blicken. Ich habe viele Einblicke in verschiedene Kulturen, Menschen und Lebensituationen. Das hilft mir im Schauspiel und beim Songschreiben.

Das klingt differenziert, Sie machen sich viele Gedanken. Auch über Politik?

Donskoy: Ja, ich denke da zum Beispiel an meinen Schauspielkollegen Jonathan Berlin: Vor vier Wochen hat er eine Petition in den Bundestag eingebracht: Deutschland soll den Klimanotstand ausrufen. Mit Ach und Krach sammelt er 50.000 Unterschriften, zugleich lag die Zahl der Menschen, die das geteilt haben, im Millionenbereich. Daran erkennt man, wie schwer es ist, Menschen dazu zu bringen, darüber einmal nachzudenken. Andererseits haben Unterhaltungsserien eine Reichweite von Millionen Zuschauern. Das ist verrückt. Und in den meisten Popsongs, die in den Charts ganz oben sind, geht es nicht um viel: Weil es manchmal schöner ist, nicht nachzudenken. Das verstehe ich auch – aber damit wird die Welt nicht besser.

Vielleicht kann man Botschaften doch ein wenig mehr mit der Musik transportieren, als im Schauspiel ...

Donskoy: ... hundertprozentig! Mit Songs kann man das mehr transportieren, es gibt keine Zwischenstufen wie im Schauspiel: Da schreibt jemand etwas und ich spiele das. Ich selbst schreibe viel, über Dinge, die mir wichtig sind. Und mein Album wird sehr persönlich. Darin erzähle ich viele Geschichten, über viele Momente. Über den struggle, was es bedeutet, sich zu suchen, sich zu finden.

Davon kann sich das Publikum beim Parklichter-Konzert überzeugen. Haben Sie vorab einen Gruß an die Stadt?

Donskoy: Ich freue mich schon sehr auf Bad Oeynhausen, auf ein wunderschönes Wochenende, wenn wir zusammenkommen und feiern! Ich war noch nie hier, habe aber viel Gutes gehört und bin total gespannt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6801692?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Corona: Bund und Länder vereinbaren massive Beschränkungen
Mitarbeiter der Stadtpolizei in Frankfurt am Main im Gespräch mit zwei Frauen.
Nachrichten-Ticker