Ordnungsbehördliche Verordnung gegen Trinkwasservergeudung bleibt weiter in Bad Oeynhausen und Löhne in Kraft
Wenn’s heiß wird? Wieder Wasser sparen!

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Wenn die aktuellen Wetterprognosen zutreffen, wird in der zweiten Wochenhälfte erneut die 30-Grad-Marke überschritten. Wer dann im Versorgungsgebiet des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) Am Wiehen das Bedürfnis verspürt, seinen Garten zu sprengen oder seinen Pool zu befüllen, der sollte bedenken, dass noch bis Ende September ordnungsbehördliche Verordnungen in Bad Oeynhausen, Löhne und Hille gelten, die das Vergeuden von Trinkwasser mit Geldbußen von bis zu 1000 Euro ahnden.

Dienstag, 23.07.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 23.07.2019, 06:50 Uhr
Wer nur Trinkwasser zum Sprengen des Gartens oder Befüllen des Pools zur Verfügung hat, sollte weiter darauf verzichten. Sonst könnte es teuer werden. Foto: Stadt Bad Oeynhausen

»Es ist richtig, dass die ordnungsbehördlichen Verordnungen in Kraft sind«, sagt Achim Wilmsmeier. Im exklusiven Sommerinterview mit dieser Zeitung hat sich der Bürgermeister neben anderen Themen auch zur Trinkwassersituation geäußert.

Die Verantwortung für die Bereitstellung von ausreichend Trinkwasser für die Menschen im Versorgungsgebiet des Wasserbeschaffungsverbandes Am Wiehen sehe er bei dessen Betriebsführung. Achim Wilmsmeier: »Dazu gehört für mich grundsätzlich auch, dass die Bürger, wann immer sie es möchten, ihren Rasen sprengen oder ein Planschbecken befüllen können.« Die Voraussetzungen dafür seien bei anhaltender Hitze derzeit aber nicht gegeben.

Bürger zeigen wenig Verständnis

Um entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, seien bereits im WBV-Netz verschiedene Maßnahmen durchgeführt worden, zum Beispiel die Bohrung von sechs neuen Brunnen und die Inbetriebnahme einer neuen Übergabestation zum WBV Wiehengebirge. Momentan werde zudem eine neue Wasserleitung zwischen Porta Westfalica und Bad Oeynhausen vollendet.

Wirksame, langfristige Entlastung werde es allerdings wohl erst geben, wenn voraussichtlich im Sommer 2022 ein zweiter Hochbehälter in Bergkirchen die im WBV-Gebiet zur Verfügung stehende Wassermenge von derzeit etwa 7000 Kubikmetern auf etwa 17.000 Kubikmeter mehr als verdoppele.

»Was viele Menschen nicht verstehen können, ist, dass wir von möglichen Trinkwasserengpässen anscheinend immer wieder überrascht werden«, sagt Achim Wilmsmeier auch im Rückblick auf ähnliche Szenarien in den Sommern 2017 und 2018. Er wünsche sich ein besseres Frühwarnsystem. Es sei ja auch möglich für bis zu zwei Wochen im Voraus eine Wetterprognose im Hinblick auf die heißesten Tage abzugeben. Das sei sogar mit nahezu jedem Smartphone möglich.

Die nächsten zehn bis 15 Jahre im Blick

Darüber hinaus gehe es aber nicht nur darum, aktuelle Trinkwasserengpässe zu beheben. Der Bürgermeister: »Wir müssen auch betrachten, wie sich das Trinkwasserangebot und die Nachfrage in den nächsten zehn bis 15 Jahren entwickeln werden. Dann müssen wir uns möglicherweise noch mit ganz anderen Zahlen und Maßnahmen auseinandersetzen.«

Die Stadt Bad Oeynhausen werde kurzfristig alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, um den Bau des zweiten Hochbehälters in Bergkirchen voranzutreiben. »Das gilt für das Planungsverfahren, das Vergabeverfahren aber auch für die Baugenehmigung«, sagt Achim Wilmsmeier. Dennoch werde es bis zur Fertigstellung des neuen Bassins noch etwa zwei Jahre dauern.

»Eine Inbetriebnahme bis zum Sommer 2020 ist unwahrscheinlich. Und ob wir den Behälter im Herbst 2020 oder im Frühjahr 2021 fertigstellen, macht für die Versorgungssicherheit keinen großen Unterschied. Die Trinkwasserengpässe mit hohen Verbrauchsspitzen sind ja vornehmlich im Sommer, wenn es heiß wird.«

Verordnung wird regelmäßig überprüft

Um die Lage auch in der bevorstehenden nächsten Hitzeperiode im Griff zu behalten, sei die ordnungsbehördliche Verordnung ein probates Mittel. »Die Situation Ende Juni war sehr kritisch. Wir waren kurz davor, dass der Hochbehälter leergelaufen wäre«, sagt Achim Wilmsmeier.

Wenn man Bitten zum Trinkwassersparen ausspreche, müsse man auch Sanktionierungsmöglichkeiten haben, um denen zu begegnen, die sich absichtlich und unverhältnismäßig darüber hinwegsetzen. Es gehe aber keinesfalls darum, drastische Bußgelder nur um ihrer selbst Willen zu verhängen.

Ob die ordnungsbehördliche Verordnung bis Ende September in Kraft bleibe, werde regelmäßig hinterfragt. Vor einer Aufhebung müsse die technische Betriebsleitung des WBV Am Wiehen eindeutig erklären, dass die Trinkwasserversorgung auch ohne Sanktionen aufrechterhalten werden könne.

Eine genaue Prüfung werde es auf jeden Fall geben, wenn die neue Leitung nach Porta Westfalica Ende Juli nach entsprechenden Testläufen dauerhaft in Betrieb gehe. Achim Wilmsmeier: »Ich würde die Verordnung lieber heute als morgen aufheben.«

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