Warum an Werre und Wiehen die Polizei in die Gärten guckt
Wasser, bitte!

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Trinkwassermangel in Ostwestfalen – Geldstrafen für Wasserverschwender in Bad Oeynhausen und Löhne: Zwei ganz normale Mittelstädte an einem gut gefüllten Flussbett sorgten in der vergangenen Woche für bundesweite Alarmmeldungen . Was ist da im Werretal eigentlich los?

Donnerstag, 04.07.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 13:24 Uhr
Der Hochbehälter in Bergkirchen. Foto: Thomas Hochstätter

Man kommt nicht auf Wassermangel, wenn man sich Bad Oeynhausen und Löhne ansieht. Die Kurstadt (Kreis Minden-Lübbecke, rund 52.000 Einwohner) ist für ihre Heilquellen bekannt, Löhne (Kreis Herford, 41.000) ist Standort ausstoßstarker Mineralwasseranbieter. Dennoch gibt es hier am Weserzufluss Werre im dritten Sommer hintereinander Stress, und die Stadtverwaltungen legen sich mit den Fans von grünem Rasen, Pools und frisch gekärcherten Einfahrten an. Argwohn greift um sich. Kommt das Wasser, das der Nachbar da nutzt, wirklich aus der Regentonne? Oder nicht doch aus dem Hahn? Feuerwehren fahren durch die Straßen und appellieren per Lautsprecher zum Wassersparen. Polizei und Ordnungsamt sollen eine jüngst erlassene ordnungsbehördliche Verordnung zur Nutzung von Trinkwasser kontrollieren.

Mangel an zeitgemäßen Wasserleitungen und -behältern

Dahinter liegt ein Infrastrukturproblem, wie es sie in Deutschland an vielen Stellen gibt. Anderswo bröckeln die Brücken oder die Weichen, fehlt es an Zügen oder Schienen. Im Werretal mangelt es an zeitgemäßen Wasserleitungen und -behältern. Rund 14 bis 15 Millionen Liter Wasser (oder 15.000 Kubikmeter) verbrauchen die Menschen im Gebiet des Wasserbeschaffungsverbandes Am Wiehen pro Tag. Zu dem Verband gehören noch die Gemeinden Hüllhorst und Hille, die direkt am rund 300 Meter hohen Wiehengebirge liegen: Hüllhorst südlich, Hille nördlich. Insgesamt leben im Verbandsgebiet 120.000 Menschen, die allermeisten davon südlich des Mittelgebirges. Der größte Teil des Wassers kommt aber aus Brunnen in Hille-Südhemmern; es muss über den Wiehen transportiert werden. Der größte Wasserspeicher des Verbandes, ein so genannter Hochbehälter, steht südlich – in Bad Oeynhausen-Bergkirchen. Er fasst aber nur gut sieben Millionen Liter, nicht einmal die Hälfte des normalen Tagesverbrauchs. Ein größerer Behälter für zehn Millionen Liter soll gebaut werden, das Gelände ist zwar schon gekauft, der Auftrag aber noch nicht einmal ausgeschrieben. Vor 2020 wird wohl nicht gebaut, vor 2021 nichts fertig.

Die Grafik zeigt: Bei der Hitze rund ums vierte Juniwochenende wurde zu viel Wasser verbraucht. Der blau dargestellte Pegelstand im Oeynhausener Hochbehälter näherte sich dem roten Bereich. Die grüne Kurve zeigt die Tageshöchsttemperaturen. Am Wochenende danach wurde weniger verbraucht.

Die Grafik zeigt: Bei der Hitze rund ums vierte Juniwochenende wurde zu viel Wasser verbraucht. Der blau dargestellte Pegelstand im Oeynhausener Hochbehälter näherte sich dem roten Bereich. Die grüne Kurve zeigt die Tageshöchsttemperaturen. Am Wochenende danach wurde weniger verbraucht. Foto: Grafik: Stadt Löhne

Nachbarn werden gebraucht

Deswegen puzzeln sie sich im Werretal lauter kleine Lösungen zusammen, und dafür werden die Nachbarn gebraucht. Ohnehin sieht die 2008 von der Bezirksregierung genehmigte Versorgungskalkulation von jährlich sieben Milliarden Litern Wasser schon einen Zukauf von zwei Milliarden Litern vor. Nun soll noch mehr kommen, wieder aus dem Norden. Bis zu einer Million Liter täglich fließen schon dank Sondergenehmigung aus einem Wasserwerk in Preußisch Oldendorf-Hedem, bis zu 1,2 Millionen Liter täglich sollen ab August aus Porta Westfalica dazukommen. Dafür wurden jetzt Rohre unter der Weser verlegt; auch über einen neuen Brunnen auf der anderen Flussseite wird nachgedacht. Man kann also kaum behaupten, dass die Wassersucher vom Werretal untätig wären.

Aber ihnen läuft die Zeit weg beim Versuch, die Versäumnisse der Vergangenheit auszugleichen. Und so konnte es passieren, dass die Verantwortlichen in der Hitze der vergangenen Woche keinen anderen Ausweg wussten, als Alarm zu schlagen. Der Pegel in dem viel zu kleinen Hochbehälter näherte sich dem kritischen Bereich – deswegen das Gießverbot. Am Mittwoch bestätigten die Stadträte von Bad Oeynhausen und Löhne diese Verordnungen. Sie sollen bis Ende September gelten. Den ganzen Sommer lang.

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