Bünder Amtsgericht verurteilt 46-Jährige zu Bewährungsstrafe Mutter stiftet Tochter zum Klauen an

Bünde/Bad Oeynhausen (WB). Weil sie ihre kleine Tochter (9) zum Diebstahl in einem Modeladen angestiftet hat, ist eine siebenfache Mutter (46) aus Bad Oeynhausen vor dem Bünder Amtsgericht zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Von Daniel Salmon
Tatort war Ende Oktober 2017 die C&A-Filiale in der Bünder Innenstadt.
Tatort war Ende Oktober 2017 die C&A-Filiale in der Bünder Innenstadt. Foto: Daniel Salmon

Ins Gefängnis muss die Frau nicht. Die Richterin setzte die Strafe zur Bewährung aus. »Das ist aber ihre letzte Chance. Wenn sie noch einmal so eine Chose reißen, kommen Sie nicht mehr mit einer Bewährungsstrafe davon«, machte die Juristin der Angeklagten klar. Zusätzlich wurde der 46-Jährigen die Ableistung von 80 Sozialstunden auferlegt. Ihr wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Wert der Beute: 111 Euro

Der Prozess war bereits Ende Mai gestartet. Weil die Bad Oeynhauserin damals aber vergessen hatte, ihre neunjährige Tochter als Zeugin mit zur Verhandlung zu bringen, fiel zunächst noch kein Urteil. Dieses Mal war die Grundschülerin vor Gericht erschienen. Behutsam wurde die Grundschülerin von der Richterin befragt. Das Mädchen konnte mit seiner Aussage aber nicht wesentlich zur Aufklärung des Falles beitragen, da sie sich an den Vorfall nicht richtig erinnern konnte.

Das Gericht sah es letztlich aufgrund »umfassender Indizien« als erwiesen an, dass die Beschuldigte Ende Oktober 2017, nur wenige Tage nachdem die Bewährungszeit einer anderen Verurteilung abgelaufen war, in der Bünder C&A-Fililale auf Diebestour gegangen war. Während die Angeklagte eine Verkäuferin abgelenkt und ein Gespräch verwickelte hatte, verließ ihre damals siebenjährige Tochter den Laden – mit einem Mantel und einem Schal im Wert von 111 Euro. Sicherheitslabel und Etiketten waren aus den Kleidungsstücken entfernt worden. Ein Ladendetektiv war dem Mädchen gefolgt und hatte es zurück zur Mutter gebracht.

Angeklagte mehrfach vorbestraft

Am ersten Verhandlungstag hatte die Bad Oeynhauserin ausgesagt, dass ihre Tochter ohne ihr Wissen aus dem Laden in die abendliche Dunkelheit gelaufen sei, um ihren Vater zu suchen. Auf Nachfragen der Richterin hatte sie sich allerdings mehrfach in Widersprüche verwickelt. Der als Zeuge geladene Detektiv hatte ausgeführt, dass sich Mutter und Tochter im Vorfeld der Tat auffällig verhalten hätten. Zudem seien auch weitere Familienangehörige der Frau bereits beim Diebstahl in der Bünder C&A-Filiale erwischt worden.

Wiederholt hatten Staatsanwaltschaft und Richterin versucht, die mehrfach wegen Diebstahldelikten vorbestrafte 47-Jährige von der Sinnhaftigkeit und der strafmildernden Wirkung eines Geständnisses zu überzeugen. Diese beharrte aber darauf, dass sie ihre Tochter nicht angestiftet habe, sondern diese ohne ihr Zutun den Laden mit Mantel und Schal verlassen habe. »Das ist die Wahrheit. Die Kleine ist einfach rausgegangen. Das war kein Diebstahl«, behauptete die Frau – für das Gericht allerdings wenig überzeugend. »Dass sie ausgerechnet mit den beiden Kleidungstücken aus dem Laden gerannt ist, die kein Sicherheitslabel mehr hatten, ist doch kein Zufall«, meinte auch die Anklagevertreterin.

Unter Berücksichtigung der Gesamtumstände des Vorfalls stufte die Richterin die Ausführungen der Frau als Schutzbehauptung ein – und folgte bei der Strafzumessung am Ende den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

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