Auguste-Viktoria-Klinik hilft Patientin mit langer Leidensgeschichte
Hüftteil aus dem 3D-Drucker

Bad Oeynhausen (WB). Ein künstliches Hüftteil aus dem 3D-Drucker gibt Ga­briele Folwarski (62) neue Lebensqualität: In der Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) ist ihr das Implantat eingesetzt worden. Damit ist ein mehr als 40-jähriger Leidensweg mit vielen Operationen vorerst beendet.

Freitag, 07.06.2019, 10:00 Uhr
Professor Dr. Christian Götze ist mit dem Heilungsprozess seiner Patientin Gabriele Folwarski sehr zufrieden. Für sie hat nach einem etwa 40-jährigen Leidensweg ein neuer Lebensabschnitt ohne Schmerzen begonnen. Foto: Mühlenkreiskliniken
Diese Abbildung zeigt ein individualisiertes Hüftmodell (weiß) aus dem 3D-Drucker. Links ist eine Hüftpfanne ohne Vorschädigungen zu sehen.

Diese Abbildung zeigt ein individualisiertes Hüftmodell (weiß) aus dem 3D-Drucker. Links ist eine Hüftpfanne ohne Vorschädigungen zu sehen. Foto: Mühlenkreiskliniken

Ein Leben ohne Schmerzen hat Gabriele Folwarski lange nicht gekannt. Seit ihrem 20. Lebensjahr hat ihr Leben einer Tortur geglichen. Sechsmal ist der Münsteranerin eine neue Hüfte eingesetzt worden. Sie hat immer wieder im Rollstuhl gesessen, hat Opiate eingenommen und ist schon seit langer Zeit berufsunfähig. Sie hofft, nun ein schmerzfreies Leben führen zu können.

»Ich bin überglücklich. Und unendlich dankbar.«

»Das kenne ich gar nicht mehr. In meinem Leben drehte sich bislang immer alles um meine Hüften und wie lange das aktuelle Implantat noch durchhält. Ich war in den verschiedensten Kliniken in Deutschland. Zuletzt hat mir der Operateur meiner fünften Hüfte in einer Fachklinik in Hamburg sehr wenig Hoffnung auf Besserung gemacht. Er riet mir von weiteren Eingriffen ab. Durch einen Zufall bin ich auf die Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen und Professor Götze gestoßen. Er hat mir neue Hoffnungen gemacht. Und die haben sich mehr als erfüllt. Ich bin überglücklich. Und unendlich dankbar«, erzählt Gabriele Folwarski.

Sie ist schmerzfrei und hat sich einen bis vor Kurzem für unmöglich gehaltenen Plan vorgenommen: einen Wanderurlaub mit ihrem Ehemann. »Ich bin am Tag nach der Operation aufgestanden und konnte auftreten. Es fühlte sich einfach richtig an«, sagt Ga­briele Folwarski. Einige Wochen nach der Operation muss ihr Operateur Professor Dr. Christian Götze, Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine Orthopädie, sie während einer Nachuntersuchung allerdings ermahnen, die Hüfte noch nicht zu stark zu belasten – auch wenn sie keine Beschwerden mehr spürt. »Die Röntgenbilder der neuen Hüfte sehen sehr, sehr gut aus. Dennoch muss die Belastung langsam gesteigert werden«, sagt Christian Götze.

Hüftinplantat nach Maß dank CT-Aufnahmen und 3D-Modell

Gabriele Folwarski hat eine besondere Behandlungsform der AVK erhalten. Aufgrund großer Vorschädigungen an der Hüfte und zahlreicher missglückter Operationsversuche zuvor ist für sie ein Hüftimplantat nach Maß angefertigt worden. »Es wurden umfassende CT-Aufnahmen gemacht, aus denen wir ein 3D-Modell der vorhandenen Knochenstrukturen erstellt haben. Davon ausgehend hat ein Implantathersteller einen passgenauen Beckenteilersatz für Frau Folwarski aus einem 3D-Drucker angefertigt«, sagt Christian Götze. Dieser individualisierte Beckenteilersatz hat den Vorteil, dass alle gesunden und vorhandenen Knochenstrukturen der Patientin optimal genutzt worden sind. »Das kann man sich in etwa vorstellen wie beim Handwerken: Wenn man zum sechsten Mal etwa an der gleichen Stelle eine Schraube in die Wand bohren will, wird die nicht mehr gut halten. Genauso verhält sich das bei der sechsten Hüftoperation«, sagt Christian Götze.

Passgenaues Ich bin überglücklich. Und unendlich dankbar«Implantat sorgt für bessere Stabilität

Mit dem Implantat sind die für die Stabilität wichtigen Schrauben passgenau dort gesetzt worden, wo die beste Knochenstruktur vorhanden gewesen ist. »Ich wusste vor dem Operieren genau, wo und an welcher Stelle ich welche Schrauben verwenden konnte, um den optimalen Halt der neuen Hüfte zu gewährleisten. Dort waren auch millimetergenau die Bohrlöcher in dem Implantat vorgesehen. Darum hatte Frau Folwarski auch nach der Operation sofort ein gutes Gefühl und der Einheilung des Implantates steht somit nichts mehr im Wege«, sagt der deutschlandweit anerkannte Orthopäde.

Solche Implantate kommen dort zum Einsatz, wo die Vorschädigungen so groß sind, dass ein Standardimplantat nicht mehr hält. Allein die Herstellung kostet in etwa so viel wie ein Kleinwagen, teilen die Mühlenkreiskliniken mit (siehe Info-Kasten).

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6670891?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Stornierte Klassenfahrten: NRW zahlt mehr als 25 Millionen
Touristen warten am Eiffelturm in Paris. Foto: Ian Langsdon/dpa/epa
Nachrichten-Ticker