Staatsbad-Geschäftsführer Peter Adler blickt auf Themenjahr »Parole Hozo« in Bad Oeynhausen
»Mehr Experimente bei Veranstaltungen«

Bad Oeynhausen  (WB). Zwar musste die geplante 1920er-Jahre-Party zum krönenden Abschluss des Themenjahres »Parole Hozo« unlängst mangels Nachfrage abgesagt werden. Dennoch zieht Staatsbad-Geschäftsführer Peter Adler im Interview eine positive Bilanz für das ehrgeizige Projekt. Die Fragen stellte Redakteur Malte Samtenschnieder.

Mittwoch, 01.05.2019, 10:00 Uhr
Für das Themenjahr »Parole Hozo« haben René Haeseler (links), Mareike Greb und Thomas Streipert eine Erlebnisstadtführung über die Varieté-Pioniere Walther und Molly Monroe konzipiert. Der nächste Termin am Sonntag, 5. Mai, ist ausverkauft. Für die Folgetermine am Samstag, 13. Juli, um 15 Uhr, am Freitag, 16. August, um 18 Uhr sowie am Samstag, 31. August, um 15 Uhr sind bereits Tickets in der Tourist-Info im Haus des Gastes erhältlich. Foto: Malte Samtenschnieder/Archiv

Das Themenjahr »Parole Hozo« steht kurz vor dem Abschluss. Wie fällt Ihr Gesamtfazit aus?

Peter Adler: In jedem Fall positiv. Wir konnten mit der Broschüre und den Veranstaltungen sehr viele Bad Oeynhausener und Gäste erreichen und über die 1920er Jahre beziehungsweise unsere Varieté-Stars Walther und Molly Monroe informieren. Es gab viel positives Feedback. Wir haben die Broschüre beispielsweise auch an Schulen verteilt, um gerade die jüngeren Einwohner über eine für die Stadtgeschichte nicht unwichtige Zeitspanne zu informieren. Das Staatsbad ist aber nicht bei allen Veranstaltungen auch in der Veranstalterrolle. Es wäre sicher gut, dazu auch Gespräche mit den jeweils Verantwortlichen zu führen.

Ein Ziel des Themenjahres war es, die »goldenen 1920er Jahre« wieder aufleben zu lassen. Ist das in gewünschtem Maße gelungen?

Adler: Es ist im Bereich der Information in jedem Fall gelungen, da sowohl die Vorträge, als auch zum Beispiel die Lesung in der Stadtbibliothek, der Charleston-Workshop oder die Stadtführung sehr gut angenommen wurden. Diese Veranstaltungen waren zum Teil ausverkauft. Die 1920er Jahre selbst zu feiern und quasi in eine Rolle zu schlüpfen, ist nicht so gut angenommen worden, weshalb wir die Abschlussveranstaltung am 18. Mai jetzt absagen mussten.

Bei vielen Veranstaltungen ging es um die Varieté-Pioniere Walther und Molly Monroe. Wie kam es dazu? War das rückblickend eine gute Wahl?

Adler: Niemand steht so sehr für die gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit hier in Bad Oeynhausen wie Walther und Molly Monroe mit all ihren erlebten Höhen und Tiefen. Gleichzeitig sind die beiden auch die Brücke in die Gegenwart, da das Varieté eben auch heute noch unser kulturelles Highlight ist – auch wenn die Art des Varietés nicht mehr vergleichbar ist.

Was waren die Höhepunkte des Themenjahres? Was hat rückblickend nicht so gut funktioniert?

Adler: Eine sehr schöne Erfahrung war, dass so viele Institutionen aus Bad Oeynhausen mitgemacht haben. Vom UCI-Kino über das Stadtarchiv oder die Stadtbibliothek, die Musikschule, die Druckerei, die Poetischen Quellen, das Casino, den Arbeitskreis für Heimatpflege und natürlich das GOP. Wir haben uns zusammengesetzt und gesagt: »Das wollen wir machen.« Und wir haben das dann ohne Umschweife auch gemacht. Das war eine tolle Erfahrung. Dafür danke ich allen Kooperationspartnern. Jede Veranstaltung hatte ihren eigenen Inhalt und Charme, verbunden mit der passenden Location. Das war ja kein Zufall. Alle Veranstaltungen waren klasse und sehr gut besucht.

Die Abschlussveranstaltung am Samstag, 18. Mai, im Kurpark musste kurzfristig abgesagt werden. Was sind die Gründe? Gibt es einen alternativen Abschluss des Themenjahres?

Adler: Wir hatten die 1920er-Jahre-Party im Theater im Park verortet und entsprechend Künstler und Programm gebucht. Auch wenn viele von der Idee begeistert waren und sind, war der Ticketverkauf bis zur Absage auf einem Niveau, dass es finanziell einfach keinen Sinn gemacht hätte und für die Gäste an dem Veranstaltungsabend auch kein einmaliges Erlebnis geworden wäre. Ich empfinde das als sehr schade, aber auch nicht als Katastrophe, da wir so viele ausverkaufte und gut laufende Veranstaltungen im Jahr haben. Es ist eine Erfahrung.

Sie haben bereits angekündigt, dass die neu konzipierte Erlebnisstadtführung auf den Spuren von Walther und Molly Monroe über das Themenjahr hinaus beibehalten werden soll. Gilt das auch für andere Parole-Hozo-Ideen?

Adler: Das kann ich heute noch nicht abschließend sagen.

Während des Themenjahres haben Akteure aus ganz unterschiedlichen Bereichen erfolgreich mit einem gemeinsamen Ziel zusammengewirkt. Ein Modell für die Zukunft?

Adler: Kooperationen für ein gemeinsames Ziel sind immer effektiver und erfolgversprechender als sich als Einzelkämpfer zu versuchen. Überregional arbeiten wir eigentlich nur noch in Netzwerken.

Nehmen wir einmal an, Sie könnten ein weiteres Themenjahr planen und umsetzen. Wie würde das Thema lauten?

Adler: Das Thema würde auf jeden Fall erst dann in der Zeitung stehen, wenn die Abstimmung mit den Kooperationspartnern abgeschlossen ist.

Werden Sie auch jenseits eines Themenjahres neue Veranstaltungskonzepte ausprobieren?

Adler: Ja, auf jeden Fall. Das machen wir dieses Jahr mit der Kriminacht am Freitag, 28. Juni, im Kurpark ohnehin schon zusätzlich zum Themenjahr. Ich bin auch der Meinung, dass wir gerade im Veranstaltungsbereich etwas experimentieren müssen. Es gibt eben Ideen, die funktionieren, und andere, die funktionieren nicht. Man weiß es meistens erst dann, wenn man etwas Neues versucht hat.

Sicherlich unumstrittener Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Staatsbades ist und bleibt in jedem Jahr das Parklichter-Festival. Gerade haben Sie das Line-up für das Open-Air-Konzert am Freitag vorgestellt. Einige äußern Kritik an den Künstlern. Wie gehen Sie damit um?

Adler: Kritik gab es bis jetzt jedes Jahr. Die Geschmäcker und Vorstellungen gehen ja auch weit auseinander. Das ist normal. Für mich entscheidend ist, dass die Künstler auf der Bühne zueinander passen und wir eine erkennbare Stilrichtung haben. Das ist dieses Jahr etwas ruhiger als im vergangenen Jahr – aber es ist stimmig und qualitativ gut.

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