Dekra erstellt lichttechnisches Gutachten auf Eidinghausener Straße in Bad Oeynhausen
War der Unfall vermeidbar?

Bad Oeynhausen (WB). Wäre ein tödlicher Unfall am 5. Januar gegen 17.15 Uhr auf der Eidinghausener Straße vermeidbar gewesen? Um diese Frage zu beantworten, hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld ein lichttechnisches Gutachten angefordert. Mario Tiemann von der Dekra-Niederlassung Minden hat es am Dienstag erstellt.

Donnerstag, 07.03.2019, 03:30 Uhr
Da das Original-Fahrzeug nicht verfügbar ist, wird bei der Erstellung des lichttechnischen Gutachtens ein baugleicher BMW mit identischer Scheinwerferanlage genutzt. Die Rolle des Unfallopfers übernimmt eine Puppe. Sie trägt dieselbe Kleidung, die der tödlich verletzte Fußgänger während des Unfalls am 5. Januar gegen 17.15 Uhr auf der Eidinghausener Straße anhatte. Foto: Malte Samtenschnieder

Bereits eine Stunde, bevor die eigentliche Untersuchung gegen 18.45 Uhr beginnt, werden die Auswirkungen für den Berufsverkehr der zwischen dem Bad Oeynhausener Süden und Norden pendelt, spürbar. Denn für die Erstellung des lichttechnischen Gutachtens muss die Unfallstelle auf der südlichen Eidinghausener Straße weiträumig abgesperrt werden. 20 Polizisten sind dafür im Einsatz.

Die Vorbereitungen hat Polizeihauptkommissar Uwe Vogt koordiniert. »Der Unfall ist samstags passiert. Am Montag lag die Akte auf meinem Schreibtisch. Seitdem leite ich die Ermittlungen«, sagt der Beamte des Verkehrskommissariats Bad Oeynhausen. Einige Umstände des tödlichen Verkehrsunfalls seien inzwischen geklärt, viele Fragen seien aber noch offen. Uwe Vogt: »Deshalb wurde in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Bielefeld das lichttechnische Gutachten angeordnet.«

Kollision auf der Linksabbiegerspur

Lichttechnisches Gutachten in Bad Oeynhausen

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  • Lichttechnisches Gutachten in Bad Oeynhausen
Foto: Malte Samtenschnieder
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»Wir wissen inzwischen, dass der 36-jährige Fußgänger die Eidinghausener Straße unterhalb der Warnbaken überquert haben muss. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kam er von der Straßenseite, auf der sich die Spielhalle befindet, und wollte vermutlich weiter in Richtung Sportplatz«, sagt Uwe Vogt.

Das legten die Verletzungen des Mannes nahe, an denen er zwei Tage später im Krankenhaus starb. Auch Zeugen hätten dies bestätigt. Der Unfallfahrer sei von Eidinghausen Richtung Ortsdurchfahrt unterwegs gewesen. Auf der Linksabbiegerspur seien BMW und Fußgänger kollidiert.

»Wir gehen heute der Frage nach, ob der Zusammenstoß vermeidbar gewesen wäre«, sagt Dekra-Experte Mario Tiemann. Aus welcher Entfernung war der Fußgänger für den 73-jährigen BMW-Fahrer zu erkennen? Wäre es zu diesem Zeitpunkt noch möglich gewesen, auszuweichen? Dies seien zentralen Aspekte des Gutachtens. Bei dessen Erstellung sei einiges zu berücksichtigen.

Witterung und Licht müssen stimmen

»Der Unfall ist während der sogenannten nautischen Dämmerung einen Tag vor Neumond passiert«, sagt Mario Tiemann. Das habe zur Auswahl des Termins am Dienstag, ebenfalls einen Tag vor Neumond, geführt. Die Phase der nautischen Dämmerung liege Anfang März später als Anfang Januar. Deshalb werde die Untersuchung erst zwischen 18.45 und 19.30 Uhr durchgeführt. Auch das künstliche Umgebungslicht müsse passen.

»Zum Glück ist die Straßenbeleuchtung rechtzeitig angegangen, sonst hätten wir das Gutachten nicht erstellen können«, sagt Mario Tiemann. Um die passende Witterung, sprich eine nasse Fahrbahn, zu erzeugen, hat der Dekra-Experte selbst vorgesorgt. Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr Bad Oeynhausen steht bereit, um die Fahrbahn zu wässern.

Puppe wird an 17 Messpunkten erfasst

Da das Original-Unfallfahrzeug nicht zur Verfügung steht, greift Mario Tiemann auf einen baugleichen BMW zurück. »Wichtig ist insbesondere eine identische Scheinwerferanlage«, sagt der Gutachter. Die Messung führt Mario Tiemann mit einer Spezialkamera vom Fahrersitz aus durch. Los geht es in 50 Metern Entfernung. Anschließend wird der Abstand in Fünf-Meter-Schritten verringert.

Als Unfallopfer dient eine lebensgroße Puppe, die die Kleidung des tödlich verletzten Fußgängers trägt. »Ich peile die Puppe von den unterschiedlichen Positionen an jeweils 17 verschiedenen Messpunkten an, um die jeweiligen Lichtwerte zu bestimmen«, sagt Mario Tiemann.

Das fertige Gutachten soll in den nächsten Wochen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Dort wird es in die weiteren Ermittlungen einfließen: Nach dem Tod des Fußgängers war automatisch ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen den BMW-Fahrer eingeleitet worden.

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