Hallenbad Bad Oeynhausen-Rehme: Prozess nach Tod eines Jungen
Verfahren gegen Schwimmlehrer beginnt

Bad Oeynhausen (WB). Nach einem Unglück im Hallenbad Rehme im Januar 2018 ist ein Junge (6) wenig später im Mindener Klinikum gestorben. Am 1. Februar beginnt nun der Prozess gegen einen Schwimmlehrer vor dem Amtsgericht. Zugleich sollen Ermittlungen gegen einen Schwimmmeister auf Betreiben der Nebenklage-Vertretung wieder aufgenommen werden. Der Anwalt sieht beim Anbieter des Schwimmkurses zudem Anzeichen für ein Organisationsverschulden.

Dienstag, 22.01.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 22.01.2019, 09:52 Uhr
Am 20. Januar 2018 war es im Hallenbad Rehme zu einem Unglückfall gekommen. In der Folge ist ein Junge (6) verstorben. Nun muss sich der Schwimmlehrer vor Gericht verantworten. Foto: Claus Brand

Am Samstagvormittag des 20. Januars 2018 war es, wie mehrfach berichtet, zu dem tragischen Unfall im Hallenbad Rehme gekommen. Wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung muss sich nun der Schwimmlehrer vor dem Amtsgericht verantworten. Zunächst sei ein Prozesstag am 1. Februar angesetzt, ein Fortsetzungstermin vorsorglich vorgesehen, bestätigt Gerichtssprecherin An­drea Schumann. Im Falle einer Verurteilung sieht das Strafgesetzbuch für eine fahrlässige Tötung eine Verurteilung von bis zu fünf Jahren Haft oder eine Geldstrafe vor.

Anwalt sieht auch Schwimmmeister in der Verantwortung

Wie berichtet, waren die Ermittlungen gegen den Schwimmmeister im Oktober 2018 wegen mangelnden Tatverdachts eingestellt worden. Aus Sicht von Dr. Detlev Binder, Rechtsanwalt in Bielefeld und seit etwa sechs Monaten Vertreter der Eltern des verstorbenen Jungen, müsse es aber auch gegen den Schwimmmeister – wie nun auch beim Schwimmlehrer – zu einer Anklage kommen. »Es kann nicht sein, dass der Schwimmlehrer zu 99 Prozent die Schuld alleine tragen soll und der Schwimmmeister zum Zeitpunkt des Unglücks mit technischen Dingen beschäftigt war«, sagt Detlev Binder.

Seinem Kenntnisstand nach seien die Ermittlungen gegen den Schwimmmeister auf seine Beschwerde hin wieder aufgenommen worden. Ein Aktenzeichen dafür gebe es. Für eine Bestätigung diesbezüglich war die Staatsanwaltschaft in Bielefeld gestern nicht zu erreichen.

In der Verantwortung sieht Detlev Binder aber auch die Anbieter des Schwimmkurses, in diesem Fall die Stadtwerke Bad Oeynhausen (SBO): »Hier liegt ein Organisationsverschulden vor.« Dabei sei beispielsweise die Frage entscheidend, ob im vorliegenden Fall mit zwölf Kindern die sonst angebotene Gruppengröße von »maximal acht bis zehn Kindern« überschritten gewesen sei, sagt Detlev Binder. Und ob es damit zu einer unübersichtlichen Situation im Schwimmbecken gekommen sein kann. Zudem habe der verstorbene Junge eine Behinderung gehabt. Somit habe für die Betreuer der Gruppe nach Ansicht von Detlev Binder eine durchgehende Aufsichtspflicht bestanden.

Stadtwerke betreiben Hallenbad Rehme

Zu dem Vorwurf des Organisationsverschuldens gab Andreas Schwarze, Vorstand der SBO, – mit Hinweis auf das schwebende Verfahren – gestern keine Stellungnahme ab. Seit Anfang 2018 betreiben die SBO als Tochterunternehmen der Stadt das Rehmer Hallenbad.

Der Junge aus dem Kalletal hatte am Unglückstag an einem Schwimmkurs für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren teilgenommen. Im Verlauf des Kurses hatte der Schwimmmeister bemerkt, dass der Junge reglos auf dem Beckenboden lag. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen sowie der Versorgung durch einen Notarzt und den Rettungsdienst war der Junge später im Johannes-Wesling-Klinikum verstorben. Die Eltern waren während des Unglücks in einem Vorraum des Hallenbads.

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