Eröffnung der A 30 am Donnerstag - mit Video Nie mehr im Stau ersticken: Bad Oeynhausen atmet auf

Bad Oeynhausen (dpa). Endlos schiebt sich die Blechlawine durch die Stadt. Stop and Go, den ganzen Tag lang. Bis zu 50.000 Fahrzeuge schlängeln sich täglich durch Bad Oeynhausen. Mitten in der Stadt verläuft die Verbindung zwischen zwei der wichtigsten Ost-West-Autobahnen Deutschlands.

Die A 2 bei Bad Oeynhausen.
Die A 2 bei Bad Oeynhausen. Foto: dpa

Wenn die aus Amsterdam kommende Autobahn A 30 auf die Autobahn 2 trifft, geht tagsüber fast nichts mehr in der Innenstadt des Kurortes. Aber die Zeiten bessern sich: In den kommenden zwei Wochen soll die langerwartete 9,5 Kilometer lange Nordumgehung in Etappen freigegeben werden. Am Donnerstag wird die Straße symbolisch von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) und Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesverkehrsministerium frei gegeben. Tatsächlich rollt der Verkehr aber erst ab dem 9. Dezember, und zunächst auch nur in Richtung Osnabrück.

Mit der Nordumgehung werde Bad Oeynhausen aufatmen, sagt der Bürgermeister des Kurortes, Achim Wilmsmeier (SPD). »Das bedeutet, dass wir endlich von dem Verkehr in der Innenstadt befreit werden und die Möglichkeit bekommen, das ganze baulich umzugestalten.« Der Lastwagenanteil der Blechlawine betrage mehr als 20 Prozent - unter der Kolonne von Sattelschleppern und Tiefladern ächzt die 49.000-Einwohnerstadt heute ebenso wie unter den Pendlern aus Niedersachsen und Westfalen. Der Straße sind die Strapazen anzusehen: Unter den 40-Tonnern ist die vierspurige Ortsdurchfahrt wellig geworden.

Lastwagenverkehr werde steigen

Blick von oben auf das noch gesperrte Teilstück. Foto: dpa

Die A 30, die in der Stadt selber zur Bundesstraße 61 wird, trenne Bad Oeynhausen zwischen Nord und Süd, sagt Wilmsmeier. »Jeder überlegt sich gut zu bestimmten Zeiten, wie er von der einen in die andere Richtung kommt.« So paradox das klingt: Die Fernverkehrsstraße blockiert bislang die Zufahrt zur Innenstadt. Auch bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer in Bielefeld sieht man Chancen, dass der Einzelhandel der Kurstadt von der Nordumgehung profitiert, sagt Kammer-Sprecher Jörg Deibert.

Die Nordumgehung bedeutet auch gute Nachrichten für die Wirtschaft gleich mehrerer Nachbarregionen. »Sie verbindet die Häfen in Belgien und den Niederlanden mit Osteuropa«, sagt Deibert. Die Region werde attraktiver für Firmenansiedlungen. Der Lastwagenverkehr auf dieser Achse werde in den nächsten Jahren noch steigen, prognostiziert Deibert.

Seine Kollegin Anke Schweda von der IHK in Osnabrück sagt: »Mit der Nordumgehung verschwinden die letzten Ampeln auf der Autobahn zwischen Amsterdam und Warschau.« Joachim Brendel, Verkehrsexperte bei der IHK Nord-Westfalen in Münster, weist darauf hin, dass die A 30 für große Teile des Münsterlandes die wichtigste Autoverbindung Richtung Osten ist. »Wenn ich als Münsteraner nach Hannover will, gibt es nur einen Weg: Von der A1 zum Kreuz Lotte und dann auf die A 30.«

Nord-Ostsee-Korridornetz

»Die A 30 ist Teil des transeuropäischen Nord-Ostsee-Korridornetzes«, erklärt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Somit sei der Lückenschluss von europäischer Bedeutung. Der Autoclub weist auf zwei weitere vergleichbare Lücken im deutschen Autobahnnetz hin: Auf den Lückenschluss der Autobahn 1 in der Eifel und auf den Lückenschluss der A 143 westlich von Halle. Zu den wichtigen Neubaumaßnahmen zählt der ADAC die A 14, die Küstenautobahn A 20 und die A 39. Zudem gebe es noch Lücken von geringerer Bedeutung: Auf der A 22 von Hamburg nach Kiel der Lückenschluss südlich von Kiel, auf der A 33 der Lückenschluss östlich von Osnabrück, und der Lückenschluss der A 94 östlich von München.

»Wir werden viel Zeit sparen«, sagt Matthias Magnor, Geschäftsführer für Straße und Schiene beim Osnabrücker Logistikdienstleister Hellmann. Bislang hätten die Lastwagen zwischen 20 Minuten und einer ganzen Stunde auf dem Weg verloren. »Dadurch rückt auch der Westen Niedersachsens ein wenig näher an die Landeshauptstadt Hannover«, schätzt er. Zum Beispiel werde damit auch der Flughafen der Niedersachsen-Metropole für ihn als Geschäftsmann attraktiver. Bislang nutzt der Manager noch häufig den Airport in Düsseldorf. Aber der sei vor allem wegen des überlasteten Autobahnnetzes im Rhein-Ruhrgebiet drei Stunden von Osnabrück entfernt. In Hannover könnte man nach dem Lückenschluss in einer guten Stunde sein - sofern es nicht Stau auf der A 2 gibt, was nicht gerade selten ist.

Vorher nichts als Natur

Jens Serowy, Leiter Fuhrpark bei der Spedition Koch International, weist auf weitere Vorteile hin: »Durch den Wegfall des Stop-and-go-Verkehrs wird darüber hinaus der Kraftstoffverbrauch des LKW und Verschleiß von Fahrzeugteilen reduziert.«

Die Menschen in Bad Oeynhausen freuen sich nun, in den nächsten Jahren die frei gewordene B 61 umbauen zu können, sagt Bürgermeister Wilmsmeier. Gedacht ist zum Beispiel an einen Rad-Schnellweg. Die Planungen laufen noch. Wichtig sei nun, dass die Bürger im Norden Bad Oeynhausens nicht über Gebühr mit Lärm belastet werden. »Dort, wo jetzt die Autobahn gebaut wurde, war vorher nichts als Natur.« Eine Bürgerinitiative hatte den Bau jahrelang verhindert; erst das Bundesverwaltungsgericht machte im Sommer 2008 den Weg für die Bagger frei. Jetzt sollen 12.800 Quadratmeter Lärmschutzwände und 120.000 Quadratmeter Erdwälle die Anwohner vor Verkehrslärm schützen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6236015?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F