Tim Niedernolte und Daniel Schneider sprechen über »Wunderwaffe Wertschätzung« »Es macht schon Sinn, gut zu sich zu sein«

Bad Oeynhausen/Löhne  (WB). Nicht erst seit einem gemeinsamen Buchprojekt spielt das Thema »Wertschätzung« für Tim Niedernolte (Moderator) und Daniel Schneider (Journalist/Theologe) eine wichtige Rolle. Im WESTFALEN-BLATT-Interview erklären der gebürtige Bad Oeynhausener und der gebürtige Löhner die Hintergründe. Die Fragen stellte Redakteur Malte Samtenschnieder.

Daniel Schneider (links) und Tim Niedernolte wurde ihre Bekanntschaft in die Wiege gelegt. Die beiden Cousins aus Löhne und Bad Oeynhausen sind in Rufweite aufgewachsen. Seit Kindertagen sind sie beste Freunde. Jetzt haben sie gemeinsam ein Buch über die »Wunderwaffe Wertschätzung« geschrieben.
Daniel Schneider (links) und Tim Niedernolte wurde ihre Bekanntschaft in die Wiege gelegt. Die beiden Cousins aus Löhne und Bad Oeynhausen sind in Rufweite aufgewachsen. Seit Kindertagen sind sie beste Freunde. Jetzt haben sie gemeinsam ein Buch über die »Wunderwaffe Wertschätzung« geschrieben. Foto: privat

Bei einer Lesung am Donnerstag, 24. Mai, um 20 Uhr in der Druckerei stellen Sie Ihr gemeinsames Buch »Wunderwaffe Wertschätzung« vor. Wie ist die Idee zu dem Projekt entstanden?

Tim Niedernolte: Am Anfang war da dieses berühmte »eigentlich müsste man mal!« Eigentlich müsste man sich zumindest mal treffen mit ein paar guten Freunden, die ich schon länger im Auge hatte und von denen ich wusste, dass sie, dass wir trotz aller verschiedener Jobs und Lebenssituationen ähnlich ticken und ähnliche Werte vertreten. Um zumindest mal zu gucken, ob wir nicht zusammen eine Idee oder ein Projekt entwickeln können, dass uns mehr gemeinsame (Arbeits-)Zeit ermöglicht und nebenbei auch noch Werte schafft. Oder zumindest einen gesellschaftsrelevanten Ansatz hat.

Daniel Schneider: Tim hatte diese Vision, wir sind ihr gefolgt – und aus einem gemeinsamen Wochenende in Linz in Österreich ist dann Stück für Stück immer mehr entstanden.

Niedernolte: Am Ende hatten wir 60 Ideen gebrainstormt. Einige davon habe ich noch heute in der Schublade. Und fast alle hatten diesen Wertschätzungs-Ansatz. Ja, und da war es bis zum Buch als Startschuss nicht mehr weit.

Einer von Ihnen stammt aus Bad Oeynhausen, der andere aus Löhne – darf man daraus schließen, dass Sie sich in Ihrer gemeinsamen Kinder- und Jugendzeit kennengelernt haben?

Schneider: Die Bekanntschaft ist uns quasi in die Wiege gelegt worden. Wir sind Cousins, dazu in Rufweite aufgewachsen und seit einigen Jahrzehnten als beste Freunde gemeinsam unterwegs. Das hat den Vorteil, dass wir uns fast blind verstehen und den Nachteil – ach, den gibt es eigentlich gar nicht.

Niedernolte: Nachteile fallen mir so spontan auch keine ein. Win-Win würde ich sagen.

Sie sollen drei Eigenschaften benennen, die Sie am jeweils anderen besonders »wertschätzen«. Was sagen Sie?

Schneider: Da fällt mir ein unschlagbarer Dreierpack ein, der besonders bei Freiberuflern sehr selten vorkommt: Tims Kreativität ist ja fast noch erwartbar, aber seine Zuverlässigkeit und seine Strukturiertheit machen mir in dieser Kombination fast schon Angst. Und ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin selbst freiberuflich unterwegs.

Niedernolte: Haha, geil, dass dir das direkt einfällt. Drei oder 30? Daniel ist ja nicht umsonst mein bester Freund. Sein tiefes und ehrliches Interesse für Menschen ist ein Geschenk. Dazu ist Daniel ein Mittler und Mediator par excellence. Damit ist er mir immer wieder neu ein Vorbild. Und wie Daniel mit Worten und Geschichten umgeht, so feinfühlig, so tiefsinnig, das ist einzigartig.

Wen haben Sie zuletzt mit der »Wunderwaffe Wertschätzung« so richtig aus dem Konzept gebracht?

Niedernolte: Auf einer gemeinsamen Zugfahrt vor ein paar Tagen haben wir einem älteren Ehepaar geholfen, ihr Konzept wiederzufinden. Die hatten ihr Zugticket über ein Reisebüro gebucht und es in aller Eile zu Hause vergessen. Ich habe dann während der Fahrt mit dem Reisebüro telefoniert, die haben es mir dann auf mein Handy geschickt und schon konnte ich es der Schaffnerin vorzeigen.

Schneider: Und ich saß daneben und habe die Lorbeeren geerntet.

Wie gehen Sie mit mangelnder Wertschätzung um? Wann tut sie besonders weh?

Niedernolte: Dieser Mangel an sich, der schmerzt mich. Damit will ich mich nicht abfinden, daran leide ich manchmal richtig. Warum kriegen wir alle das nicht besser hin? Es ist so einfach, wir alle wären so viel glücklicher und entspannter unterwegs. In unseren Beziehungen, in unseren Jobs. Als ganze Gesellschaft. Deshalb wahrscheinlich auch dieses Buch. Ich will damit was verändern.

Schneider: Es sind vor allem die Kleinigkeiten, die fiese Nadelstiche setzen. Und wenn die sich häufen, dann tut es richtig weh. Das Übervorteilen von Mitmenschen ist so ein Beispiel. Permanentes Vordrängeln und Ellbogen ausfahren aus Angst, zu kurz zu kommen. Das kann ich nicht verstehen. Solange das als Durchsetzungsvermögen und Notwenigkeit gesehen wird, um es im Leben zu etwas zu bringen, läuft gewaltig etwas schief.

Sie haben für das Buch mit zwei Finanzexperten (Philipp Niedernolte/Mathis Gerkensmeyer) und einem Schauspieler/Kabarettisten (Torsten Hebel) zusammengearbeitet. Welche Dynamik hat das in Ihr fünfköpfiges Autorenteam gebracht?

Schneider: Die Dynamik entstand beim allerersten gemeinsamen Treffen im österreichischen Linz. Als eine der ersten Amtshandlungen haben wir uns gegenseitig ausführlich erzählt, was wir aneinander schätzen. Das war ein Start nach Maß und hat die ganze Atmosphäre getragen. Bis heute.

Niedernolte: Ja, das war krass. Ein Startschuss mit so viel Energie. Außerdem ist dieser Mix eine ganz besondere Triebfeder. Auf der einen Seite die eher Kreativen, die Einfach-Mal-Macher. Auf der anderen Seite die strukturierteren Denker und Planer. Immer wieder haben wir uns da richtig gerieben teilweise. Und genau das hat die Fortschritte gebracht.

Wie kann man sich selbst davor bewahren, anderen nicht genug Wertschätzung entgegenzubringen?

Schneider: Indem man sich selbst wertschätzt. Als Theologe und Christ hat sich mir das sogenannte Doppelgebot der Liebe eingebrannt. Jesus hat mal gesagt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Dieses »wie dich selbst« wird oft ziemlich stiefmütterlich behandelt. Aber es ist doch so: Wir verbringen ziemlich viel Zeit mit uns selbst. Deshalb macht es schon Sinn, gut zu sich zu sein.

Niedernolte: Stimmt, bei sich selber anfangen, das ist ganz oft der Schlüssel. Außerdem denke ich an Dunja Hayalis Lebensmotto: »Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.« Klingt so banal, aber genau darum gehts. Als ehemaliger IKG-Schüler denke ich da immer an den Kategorischen Imperativ von Kant. Nach wie vor gültig. Vielleicht sogar relevanter und gültiger denn je.

Wie hat die Arbeit an dem gemeinsamen Buch Ihren Umgang mit Ihren Mitmenschen verändert?

Niedernolte: Ich kann mich noch weniger rausreden als vorher. Denn je mehr man sich um Wertschätzung bemüht, desto schärfer wird der eigene Blick: wo sie fehlt, wo sie schon wunderbar gelebt wird. Und wo man selber noch mehr gefordert ist. Wie so eine Wertschätzungs-Brille, die man aufsetzt. Und dadurch umso genauer hinschauen kann.

Schneider: Neben viel Inspiration und neuen Erkenntnissen sind es vor allem die Weisheiten und Sichtweisen, die ich schon kannte, die mir durch die Brille unserer Gesprächspartner noch mal völlig neu wichtig geworden sind. Wenn das Model Pari Roehi über Vergebung in ihrem Leben spricht oder der Ex-Fußballprofi über wahren Reichtum berichtet, dann entwickelt das eine völlig neue Relevanz. Und ich habe ebenfalls gemerkt, dass ich in Sachen Wertschätzung auch noch einiges dazulernen kann und muss. Damit wird man nie fertig. Von daher kann ich auch barmherziger sein, wenn mir mal nicht die Wertschätzung entgegengebracht wird, die ich erwarte.

Welche Auswirkungen ergeben sich daraus auf Ihre Arbeit als Moderator/Journalist beziehungsweise Theologe/Journalist?

Niedernolte: Hoffentlich der, dass ich noch mehr die Menschen sehe und wahrnehme. Dass hinter jedem Kollegen, Konkurrent und auch Zuschauer immer ein Mensch steht. Mit Gefühlen, Ideen, Meinungen und Vorlieben. Und ich immer wieder neu versuche, ihnen selbst im größten Stress und auch, wenn mal was nicht so läuft, auf Augenhöhe zu begegnen.

Schneider: Mir ist klar geworden, was für ein großes Privileg es ist, sich beruflich mit diesem Thema auseinandersetzen zu dürfen und diesen Lebensstil der Wertschätzung so richtig unter die Lupe zu nehmen.

Sie stellen Ihr Buch bei einer gemeinsamen Lesereise vor. Wie reagieren die Besucher auf das, was Sie zu sagen haben?

Niedernolte: Bisher erstaunlich positiv und extrem ehrlich. Das hätte ich persönlich nicht so erwartet. Zumindest nicht so flächendeckend. Wir haben so viele ehrliche und persönliche Geschichten gehört, das alles zu erleben ist ein Privileg. Und zeigt, wie up to date dieses Thema ist. Und dass jeder da seine Erlebnisse hat. Und eine Sehnsucht nach mehr. Aber erst mal abwarten, was die Oeynhausener so sagen.

Schneider: Besonders nach den Lesungen ergeben sich intensive Gespräche, in denen wir merken, dass das Thema viele Menschen bewegt.

Worauf dürfen sich die Gäste der Veranstaltung am 24. Mai in der Druckerei freuen?

Niedernolte: Oh, auf jeden Fall auf ganz viel Daniel und Tim pur. Spannende Einblicke aus ganz verschiedenen Blickwinkeln und von den unterschiedlichsten Protagonisten. Überraschungen natürlich. Geschichten, die unter die Haut gehen. Was zum Nachdenken natürlich. Viele Lacher – auch immer einige unfreiwillige. Backstage-Videos, so hat man Daniel, Dunja und Christian Rach selten gesehen. Uuuuuund...

Schneider: ...ja, stimmt, ein musikalisches Highlight natürlich: Jonnes, ein großartiger Musiker aus Ludwigsburg, ist mit dabei. Da freuen wir uns sehr drauf. Das wird eine schöne Konzert-Talk-Lesung.

Sind weitere Gemeinschaftsprojekte von Tim Niedernolte/Daniel Schneider in Planung? Wenn ja, was haben Sie als nächstes vor?

Schneider: Im Moment sind wir noch mit der »Wunderwaffe Wertschätzung« unterwegs. Im Juni reisen wir zum Beispiel für ein paar Tage nach Chicago und halten dort einige Vorträge. Und dann? Wir haben viele Ideen, was man zusammen starten könnte...

Niedernolte: ..aber erst mal Bad Oeynhausen rocken. Und wenn das geklappt hat, sehen wir weiter!

Schneider: Genauso sieht es aus.

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