Jane Röhling ist dank Hilfe aus Bad Oeynhausen erstmals schmerzfrei zu Fuß unterwegs Eine 28-Jährige lernt zu gehen

Bad Oeynhausen (WB). Als Jane Röhling im Herbst 2017 zum ersten Mal mit Marc Wattenberg telefoniert, hat sie nahezu keine Hoffnung mehr. Die aus Kenia stammende 28-Jährige leidet unter Klumpfüßen, eine Kombination von angeborenen Fehlstellungen. Noch nie in ihrem Leben hatte sie einen Schritt ohne Schmerzen gemacht. Jetzt kann sie gehen.

Jane Röhling hat angeborene Fehlstellungen an ihrem linken Fuß. Der rechte Fuß wurde durch viele Operationen korrigiert, wodurch das rechte Bein um etwa 15 Zentimeter kürzer geworden ist. Nach einem jahrelangen Martyrium kann sie nun schmerzfrei laufen.
Jane Röhling hat angeborene Fehlstellungen an ihrem linken Fuß. Der rechte Fuß wurde durch viele Operationen korrigiert, wodurch das rechte Bein um etwa 15 Zentimeter kürzer geworden ist. Nach einem jahrelangen Martyrium kann sie nun schmerzfrei laufen.

Jane Röhling mit Orthopädietechniker Marc Wattenberg (links) und Abteilungsleiter Ralf Torunski in der Auguste-Viktoria-Klinik.

Wattenberg ist Orthopädietechniker im Sanitätshaus der Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen. Er gehört zum Team der Technischen Orthopädie, das Menschen auf die Beine hilft – vom Profihandballer bei GWD Minden, der spezielle Einlagen in seinen Sportschuhen benötigt, bis hin zu Kriegsopfern aus Afghanistan, die keine Beine haben.

Für viele Patienten ist der Besuch in der Orthopädiewerkstatt ein Wendepunkt im Leben. So auch für Jane Röhling aus Bielefeld. Die junge Frau, die seit ihrer Kindheit in Deutschland lebt, hat eine langjährige Odyssee durch Kliniken und Sanitätshäuser hinter sich.

»Als Jane erstmals zu uns kam, haben wir sie wie jeden Patienten gründlich untersucht«, erzählt Wattenberg. Ergebnis: Mit diversen Operationen wurde in der Vergangenheit versucht, die Füße so zu korrigieren, dass Jane ihre Füße belasten kann. Rechts ist dies besser gelungen als links. Dadurch sind ihre Beine unterschiedlich lang und sie kann weder die linke Ferse belasten noch barfuß gehen. Auch sind die Gelenke sehr steif.

Carbonfuß nach Maß

Ein System aus Federn ermöglicht das Abrollen.

»Wir überlegten, wie wir die Fußbeweglichkeit durch Prothesenfüße wiederherstellen könnten, so dass ein Abrollen beim Gehen möglich würde«, sagt Wattenberg und nimmt eine von Janes Orthesen in die Hand. Ein hochbelastbares, an den Anwender angepasstes Carbonfedersystem steckt in einer als Fuß gestalteten Gummihülle. Das Zusammenspiel dieser Federn ermöglicht erst eine dynamische Beweglichkeit. Die Konstruktion passt in einen handelsüblichen Schuh, der normal geschnürt wird. Auf Höhe des Schienenbeins setzt die Schale an, in der Janes Füße fixiert sind. Vereinfacht gesagt hat Jane nun ein neues Paar Füße unter ihren eigentlichen Füßen.

»Der Carbonfuß wurde von der Industrie geliefert, alles Weitere entstand hier in der Werkstatt«, sagt Wattenberg. Die Fußbettungen sind exakt an die deformierten Füße angepasst und ermöglichen Jane erstmals ein schmerzfreies Gehen.

Auf dem Weg dorthin hätte Jane Röhling fast ihren Mut verloren. Als sie für einen Gipsabdruck in die Klinik kommen sollte, konnte sie vor Schmerzen die Wohnung nicht verlassen. »Ich habe nicht mehr an eine Lösung geglaubt«, erinnert sie sich. Marc Wattenberg ließ das nicht gelten. Er fuhr mit einem Auszubildenden zu Jane nach Bielefeld. Der Gipsabdruck entstand in ihrer Küche.

Kurz darauf machte sie erste Gehversuche in einem verspiegelten Raum neben der Orthopädiewerkstatt. »Ich begann zu laufen wie jeder andere Mensch.« Den ganzen Tag kann sie beide Orthesen tragen, die unter ihren Schlaghosen kaum zu erahnen sind. »Es ist wie ein neues Leben.« Mit den neuen Füßen kam auch neuer Lebensmut. Am Abendgymnasium holt Jane Röhling das Abitur nach. Ihr Ziel: ein Medizinstudium.

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