Verwaltungsgericht kippt negativen Asylbescheid gegen Kopten Christen dürfen bleiben

Bad Oeynhausen (WB). Eine aus Ägypten geflohene Familie darf in Deutschland bleiben. Nach Überzeugung des Verwaltungsgerichts Minden droht ihr in der Heimat Verfolgung, weil der Vater als Lehrer die Trennung von Staat und Kirche thematisiert hatte.

Von Christian Althoff
Das BAMF unterlag in Minden vor Gericht.
Das BAMF unterlag in Minden vor Gericht.

Die Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Familie bekomme kein Asyl und müsse innerhalb von 30 Tagen nach Ägypten zurückkehren, bezeichnete die 10. Kammer als rechtswidrig. Sie verpflichtete das BAMF, der Familie Asyl zu gewähren.

Die Betroffenen, die heute in Bad Oeynhausen leben, sind koptische Christen. Der Ehemann und Vater arbeitete als Lehrer an einer ägyptischen Mittelschule. Dort sprach er mit seinen Schüler über die Organisation des Staates und die Trennung von Staat und Kirche. Der Mann gab an, eine Schülerin habe ihrem Vater, der ebenfalls an der Schule unterrichte, davon erzählt. Daraufhin hätten der Lehrer und ein weiterer Kollege, beides Salafisten, ihm vorgeworfen, den Islam beleidigt zu haben.

Familie floh über Georgien nach Deutschland

Es sei zum Streit gekommen, und der Schulleiter habe ihn durch eine Hintertür aus der Schule gelassen. Auf dem Weg nach Hause habe ihn jemand telefonisch gewarnt, die Polizei sei unterwegs zu seinem Haus. Er sei deshalb nicht mehr nach Hause gegangen, sondern habe seine Frau gewarnt und sich mit ihr bei seiner Schwiegermutter getroffen. Die Frau sagte im Asylverfahren aus, zwei Männer hätten sich nach ihrem Mann erkundigt. Sie sei mit ihrer Tochter zu ihrer Mutter geflohen. Später sei sie im Bus bedroht und als Frau eines Ungläubigen bezeichnet worden. Mitreisende hätten ihr aber geholfen.

Die Familie floh über Georgien nach Deutschland und beantragte Asyl, was ihr aber verwehrt wurde. Sie klagte gegen den Bescheid und gewann.

In Gemeinde und im Kirchenchor engagiert

Das Verwaltungsgericht Minden befand, dass koptischen Christen in Ägypten keine Gruppenverfolgung drohe, die per se Asyl rechtfertige. Christen stellten etwa zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung, also gebe es etwa neun Millionen. Zwar gebe es immer wieder Anschläge auf Kirchen und Kopten. Der Staat gewährleiste ihre Sicherheit auch nicht und erlaube in einem neuen Gesetz sogar, Baugenehmigungen von Kirchen zu versagen. Trotzdem könne noch nicht von einem staatlichen Verfolgungsprogramm gesprochen werden, bei dem jedes Kirchenmitglied fürchten müsse, Opfer zu werden.

Die Frage, wann die Verletzung der Religionsfreiheit so schwer ist, dass sie eine Verfolgung im Sinne des Asylgesetzes bedeutet, ist nach Ansicht des Gerichts auch davon abhängig, wie wichtig der Glaube für den Einzelnen ist. »Eine enge Verbundenheit mit dem Glauben reicht nicht aus«, heißt es in dem Urteil. Für die Kläger sei der Glaube »unverzichtbar«. Sie hätten sich in ihrer Heimat in der Gemeinde und im Kirchenchor engagiert und sich auch nach ihrer Flucht in Deutschland ins Gemeindeleben eingebracht. Für das Gericht stehe fest, dass die Familie aus begründeter Angst vor Verfolgung wegen ihrer Religion geflohen sei. Az.: 10 K 955/16

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