Ausstellung im Märchen- und Wesersagenmuseum Bad Oeynhausen vereint Kulturen Volkslied erzählt von Sklaverei

Bad Oeynhausen (WB). Die Folklore spiegelt die Geschichte und Seele einer Kultur. Katja Rosenberg will mit ihrer Ausstellung »In einem fernen, fernen Land« die Folklore ferner Länder über die Kunst zugänglich machen. Bei der Eröffnung im Märchenmuseum haben sich Künstler und Gäste vieler Nationen getroffen.

Von Frank Dominik Lemke
Bei der Skulptur »Im Land der Seele: Märchen« der Künstlerin Uta Brout geht es um existenzielle Erfahrungen des Menschen.                                                          
Bei der Skulptur »Im Land der Seele: Märchen« der Künstlerin Uta Brout geht es um existenzielle Erfahrungen des Menschen.                                                           Foto: Frank Dominik Lemke

»Wollen sie einen Anstecker kaufen?«, fragt die siebenjährige Vivienne Ishaq und hält den Besuchern ihre Hände voller Buttons entgegen. »Kosten nur einen Euro«, sagt sie und lächelt. Auf die Buttons hat sie ihr jüngstes Werk gedruckt: einen Teddy in bunten Farben, den sie im Siebdruckverfahren auf 21 mal 30 Zentimeter großes Hochglanzpapier gepresst hat. Auf dem Button ist er so groß wie eine Münze.

»Die meisten Kinder haben ein Lieblingsspielzeug«, sagt sie und holt einen abgewetzten Plüschbären hervor, der sie seit ihrer Geburt begleitet. Vivienne Ishaq ist die jüngste Künstlerin, die an der Ausstellung beteiligt ist. Ihre Mutter Farah Ishaq war zur Zeit ihrer Geburt als Journalistin tätig. Ihre Tochter langweilte sich, als sie Texte schrieb und Fotos bearbeitete. Als allein erziehende Mutter hat sie sich vor zwei Jahren dann dafür entschieden, Künstlerin zu werden. Beim Malen, Drucken und kreativen Schaffen ist Vivienne heute immer dabei – und macht es ihrer Mutter nach.

Die 38-Jährige Frau aus London hat sich für die Ausstellung von ihrer Heimat inspirieren lassen, Mauritius. Ein altes Volkslied erzählt von der Sklaverei. Die Inseln im Indischen Ozean wurden 1715 von Frankreich kolonialisiert. Von 1814 an waren sie britische Kolonie. In dem Lied singt eine alte Frau davon, wie wichtig eine gute Ausbildung im Leben ist.

Malerin hält Lied auf Leinwand fest

Durch Arbeit verdiene der Mensch sein Brot. Niemand sonst würde es tun. Farah Ishaq hat das Lied als Malerin auf Leinwand fest­gehalten. »Du musst arbeiten, wenn du essen willst« zeigt einen Fluss, Fische, Zuckerrohr und die Mühsal arbeitender Hände.

Vivienne Ishaq aus London (links) und ihre Freundin Paula Wedler aus Bad Oeynhausen tanzen bei der Ausstellung für die Gäste. Foto: Frank Dominik Lemke

Die Ausstellung »In einem fernen, fernen Land – In a country far, far away« erzählt von den Sagen, Mythen und Legenden vieler Länder: aus dem Sudan, aus Persien, Deutschland, Kolumbien und aus viele weiteren Ländern. »In Europa leben wir seit 70 Jahren in Frieden. Die Medien berichten täglich von Kriegen in der Welt. Diese Ausstellung zeigt uns das Leben in seinen schönen und bedrückenden Facetten«, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Helke Nolte-Ernsting. Träume, Wünsche und Ängste würden damals wie heute das Leben der Menschen bestimmen.

Dr. Hanna Dose, Leiterin der Städtischen Museen, führte die Bilder der Ausstellung auf die Urgeschichte des Menschen zurück: »Die Ausstellung entführt uns nur scheinbar in eine ferne Welt. Sie konfrontiert uns mit den großen Fragen des Lebens«, sagte sie. Die Bilder und Skulpturen würden die alten Geschichten der Vorfahren wieder lebendig machen.

80 Künstler haben sich beteiligt

Organisatorin Katja Rosenberg wollte mit der Ausstellung einen Ort schaffen, an dem sich Menschen begegnen und über die Werke einander verstehen können. »Kommunizieren und Verbinden. Das ist etwas, das ich gut kann und mit Anderen teilen will«, sagte sie. Jeder der beteiligen 80 Künstler aus Bad Oeynhausen und London konnte seine eigene Geschichte aus vergangenen Zeiten wählen, die er künstlerisch darstellt.

»In einem fernen, fernen Land« ist ein reiches Spiegelbild von Seele und Kultur verschiedener Nationen. Bevor die Ausstellung nach Deutschland kam, war sie im »Art Pavillon Mile End« in London zu sehen. Im Märchenmuseum bleibt sie bis Sonntag, 16. September. Vor Ort liegt eine Broschüre von Katja Rosenberg aus, die jedes Kunstwerk detailliert beschreibt.

Rahmen für Kulturprogramm »Ich öffne das Fenster«

Die Ausstellung im Märchenmuseum bildet den Rahmen für das Kulturprogramm »Ich öffne das Fenster«. Es läuft ebenfalls bis zum 16. September 2018.

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