Dramatische »Tosca«-Aufführung im Theater im Park verdient sich stehende Ovationen Der ewige Kampf von Liebe und Macht

Bad Oeynhausen (WB). Puccinis »Tosca« im pittoresken Gewand der 1950er Jahre: Stimmgewaltig und beklemmend zeitnah hat das Landestheater Detmold den Opernklassiker am Samstag in Bad Oeynhausen auf die Bühne gebracht – als Machtgebärde eines Polizeistaats gegen die Menschlichkeit.

Von Gabriela Peschke
Verliebt und ganz der Kunst hingegeben: Die Sängerin Floria Tosca (Megan Marie Hart) und der Maler Mario Cavaradossi (Ewandro Stenzowski).
Verliebt und ganz der Kunst hingegeben: Die Sängerin Floria Tosca (Megan Marie Hart) und der Maler Mario Cavaradossi (Ewandro Stenzowski). Foto: Gabriela Peschke

Gemeinsame Liebe zur Kunst und zum Schönen

Das große Musikdrama von Puccini knüpft an historische Ereignisse an, nämlich den Sieg von Napoleon in der Marengo-Schlacht im Frühsommer 1800 und damit Italiens Durchbruch von der Monarchie zur Republik. Die auf zwei Tage verdichtete Handlung erzählt, wie der Maler und Freigeist Mario Cavaradossi dem politisch verfolgten Republikaner Cesare Angelotti Unterschlupf gewährt – und letztlich dafür mit dem Leben bezahlt.

Doch um die politischen Gegebenheiten windet sich eine Liebesliaison, poetisch und zart: Der Maler ist der Sängerin und Titelheldin Floria Tosca hingebungsvoll verbunden; die gemeinsame Liebe zur Kunst und zum Schönen in der Welt verklärt ihre Verbindung zudem auf tragisch-unschuldige Weise.

Dumpfe Pauken und Gewehrsalven

In diese Reinheit stößt ein grausames Terrorregime vor: Polizeichef Scarpia stellt nicht nur mit erbarmungsloser Härte dem Maler für seine republikanische Unterstützung nach. Durch List und Ränkespiel will er dessen schöne Diva in seinen Besitz bringen – doch sie kommt ihm mit kühnem Messerstich zuvor. Diese tragische Wende bezahlt am Ende auch Tosca mit ihrem Leben – wenngleich freiwillig und selbstbestimmt.

Diese Oper ist nicht nur thematisch schwer verdaulich, auch die schicksalslastigen Musiken überwiegen die lyrischen Partien: zum Teil mit ahnungsvollen Kirchenglocken, dumpfen Pauken und Gewehrsalven. Gleichwohl brillieren Ewandro Stenzowski als Mario Cavaradossi und Megan Marie Hart als Floria Tosca in leidenschaftlichen Liebesbekundungen (»Ach, ihr tanzend Sterne am Himmelszelt, blickt auf Toscas Liebe herab«).

Schwarze Kulisse um militanten Polizeichef

Gegen diese verträumte Szenerie setzt sich die schwarze Kulisse um den militanten Polizeichef – großartig verkörpert von Insu Hwang – als unheilbringende Bühne ab: Baron Scarpia, ein Monster im Maßanzug, versteckt seine Gefühllosigkeit hinter schwarzer Mafiosi-Brille und fällt höhnend über die Liebe her – nicht nur, indem er Floria Tosca beinahe vergewaltigt, sondern indem er die Menschlichkeit mit allen Mitteln seiner Macht auszulöschen trachtet: »Erzwungene Liebe ist schöner als willige Hingabe«. Die monumentale Kraft des rund 50 Instrumentalisten umfassenden Orchesters unter der Leitung von Lutz Rademacher und die stimmgewaltige Formation aus Chor, Extrachor und Kinderchor gaben dieser bedrückenden Dramatik von Puccinis Meisterwerk den musikalischen Rahmen.

Mit großer Leidenschaft, teilweise unterbrochen von spontanem Zwischenapplaus der Zuschauer, haben Megan Marie Hart als Floria Tosca, Ewandro Stenzowski als Mario Cavaradossi und Insu Hwang als Baron Scarpia ihre Rollen ausgestaltet, die in beklemmendem Aktualiltätsbezug stehen. Denn Machtanmaßung wider die Menschlichkeit ist zeitlos – wenngleich in der monumental schwarzen Ausstattung von Karin Fritz dieses perfide Potential eine exzellente Kulisse hatte.

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