Friedrich-Wilhelm Goldbecker schließt seinen Laden in Bad Oeynhausen und beendet Videotaxi-Dienst Ausverkauf in der letzten Videothek

Bad Oeynhausen (WB). Friedrich-Wilhelm Goldbecker ist 63 Jahre alt, trägt ein kariertes Hemd und eine Brille auf der Nase. Über sich selbst sagt der Mindener: »Ich bin eher der Kaufmann und kein Filmfreak.« Vielleicht ist das sein Geheimnis gewesen: Mehr als 30 Jahre hat er, gemeinsam mit seiner Ehefrau Monika, die Videotaxi-Filiale am Alten Rehmer Weg geführt.

Von Anna Pia Möller
32 Jahre hat Friedrich-Wilhelm Goldbecker die Bad Oeynhausener mit DVDs, Videospielen und Geheimtipps versorgt. In den Hochzeiten hat er sogar 16 Videotheken im Umkreis betrieben. Längst ist aber die Konkurrenz aus dem Internet zu stark.
32 Jahre hat Friedrich-Wilhelm Goldbecker die Bad Oeynhausener mit DVDs, Videospielen und Geheimtipps versorgt. In den Hochzeiten hat er sogar 16 Videotheken im Umkreis betrieben. Längst ist aber die Konkurrenz aus dem Internet zu stark.

Nun kann er der Konkurrenz aus dem Internet nicht mehr standhalten. Auf den Schildern im Schaufenster steht »Alles muss raus« und »Stark reduziert«, daneben ein Zettel. »Ende – Aus – Vorbei«, ist in großen Lettern geschrieben. Dieser informiert die Kunden darüber, dass Friedrich-Wilhelm Goldbecker nach 32 Jahren die Filiale in Bad Oeynhausen schließt. Etwas Wehmut schwingt in dem Text mit. Natürlich sei er traurig, sagt er, wirkt dabei jedoch gefasst. Es ist nicht der erste Laden, den er schließen muss.

Zu Hochzeiten betrieb Goldbecker 16 Filialen im Umkreis

1986 eröffnete er die Bad Oeynhausener Filiale, zunächst in der Südstadt, neben dem WEZ-Markt. In den vergangenen 30 Jahren waren er und seine Mitarbeiter am Alten Rehmer Weg anzutreffen. In dieser Zeit ist viel passiert. Zu den Hochzeiten des Videogeschäfts betrieb Goldbecker 16 Filialen im Umkreis. Löhne, Hameln, Celle, Bückeburg, Porta Westfalica – die Liste ist lang.

Davon sind ihm nun zwei geblieben: Minden und Bad Oeynhausen. Und darauf kann er stolz sein, denn sein letzter Konkurrent in Bad Oeynhausen, die Alfa-Videothek, musste bereits vor vier Jahren aufgeben.

Zu groß ist die Konkurrenz aus dem Internet. »Es siegt die Bequemlichkeit. Einfach den Fernseher anschalten, einen Film herunterladen und dabei auf dem Sofa sitzen bleiben – da zahlen die Kunden gerne etwas mehr«, sagt Friedrich-Wilhelm Goldbecker.

Diejenigen, die trotzdem noch zu ihm kommen, tun das nicht aus finanziellen Gründen. »Die suchen das Persönliche, möchten beraten werden und sich über Filme austauschen.« So wie Lukas Hinkel. Der 24-Jährige ist überrascht, als er die roten Schilder im Schaufenster sieht.

Er möchte Filme für einen Abend mit Freunden ausleihen, so wie er es gelegentlich tut. Online gebe es nicht alles, außerdem sei das Internet manchmal zu schlecht, und stöbern könne man hier auch viel besser. Er wird fündig: Vier DVDs nimmt er mit nach Hause.

Videothek in Minden wird es vorerst weiter geben

Friedrich-Wilhelm Goldbecker bezeichnet sich selbst nicht als Filmfreak. Ursprünglich kommt er aus der Pharmazie, hat Ärzte beraten. Irgendwann wollte er etwas Neues wagen und eröffnete 1982 die erste Videothek. »Es gibt viele Kunden, die mehr Ahnung von Filmen haben als ich«, gibt er zu. Aber er lerne gerne von ihnen. Die Kunden machten ihn auf Geheimtipps aufmerksam, die er dann an die nächsten weitergebe. »Für diese Tipps schätzen uns die Kunden und kommen wieder.«

Manche Kunden haben sogar versprochen, ihm auch nach der Schließung treu zu bleiben und nach Minden zu kommen. Da geht es nämlich weiter mit dem Videogeschäft. Die Videothek an der Mindener Birne ist dann über einige Stadtgrenzen im Umkreis hinweg die letzte verbleibende.

In Bad Oeynhausen heißt es nun aber: Ausverkauf. Egal ob Filme, Dekoration oder Konsolen – alles wird für wenig Geld an Filmliebhaber und Spieler, Gamer genannt, verkauft. Bereits in der ersten Woche ist vieles weg gegangen. Besonders beliebt sind Videospiele, neue Filme und Kinderfilme.

Aber noch gibt es eine große Auswahl, und auch der Verleih läuft weiter – bis Mitte Mai. Dann verschließt Friedrich-Wilhelm Goldbecker zum letzten Mal die Türen seiner Videothek, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn Friedrich-Wilhelm Goldbecker sagt auch: »Ich würde mich immer wieder für diesen Weg entscheiden.«

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