WESTFALEN-BLATT fragt Bad Oeynhausener nach ihren Erinnerungen Gib Süßes: bunter Teller zum Fest

Bad Oeynhausen (WB). Lebkuchen, Nüsse, Clementinen und sogar Pralinen: Der bunte Teller ist bei vielen Familien zu Weihnachten reichlich bestückt. Häufig hat er eine lange Tradition und wird auch heute noch gerne verschenkt.

Von Angelina Zander
Für Leona (9) ist der bunte Teller unverzichtbar. Sie liebt einfach alle Süßigkeiten darauf, besonders die aus Schokolade.
Für Leona (9) ist der bunte Teller unverzichtbar. Sie liebt einfach alle Süßigkeiten darauf, besonders die aus Schokolade. Foto: Claus Brand

Die bunten Teller sind meist aus Pappe, mit weihnachtlichen Motvien bedruckt, eigentlich Artikel, die für wenig Geld zu haben sind, aber dennoch eine besondere Wertschätzung erfahren. Oft wird der bunte Teller, auch Weihnachtsteller genannt, sogar von Generation zu Generation weiter gegeben. Besungen wird er bereits in einem Nikolauslied aus dem 19. Jahrhundert. »Lasset uns froh und munter sein ... ist Nikolausabend da ... stell ich den Teller auf ...«. Als statt der Nikolaus- die Weihnachtsbescherung eingeführt wurde, blieb er, der bunte Teller.

Historiker hat recherchiert

Der Bielefelder Historiker Dr. Gerhard Renda hat recherchiert, dass die Pappteller in Amerika bereits im späten 19. Jahrhundert industriell hergestellt wurden. Maschinen pressten Pappen in runde oder sternförmige Teller. Grundidee: Die (schlichten) Pappteller sollten den Kauf von Butter erleichtern. Weil die Teller preisgünstige Massenartikel waren, hätten sie sich durchgesetzt.

In Deutschland wurden sie erst nach dem Ersten Weltkrieg populär. Renda vermutet, dass das mit dem Plätzchenbacken im Haushalt zu tun hat. Vor dem Ersten Weltkrieg seien, so der »Atlas der deutschen Volkskunde«, Plätzchen nur in großbürgerlichen Familien üblich gewesen.

Grafiker und Illustratoren beauftragt

Um die schlichten Teller aus weißer Pappe für Käufer begehrenswert zu gestalten, wurden Grafiker und Illustratoren beauftragt. »Die Motive spiegeln den Zeitgeist wieder«, sagt Gerhard Renda. Sie reichen vom Stall zu Bethlehem über geschmückte Christbäume, Engel, Schneelandschaften, Märchenbilder bis hin zu Kugeln, Tannenzweigen und Äpfeln. Auch die Rückseiten der Bunten Teller, meist rund oder in Sternform, werden verziert, meist aber mit schlichteren Bildern.

Es habe aber auch Porzellanteller gegeben, die mit weihnachtlichen Motiven geschmückt gewesen seien. Die Pappteller seien, bis heute, billig und dienten auch wegen ihrer Motive als Zierde auf dem Gabentisch. Zudem seien sie stabil, kommen alljährlich wieder neu zum Einsatz. Bis sie einen Knick haben, schokoladenbeschmiert oder einfach nicht mehr »belastbar« sind.

Bild der alten Weihnacht

Auch die Leiterin der städtischen Museen, Dr. Hanna Dose, hat Erinnerungen an den Weihnachtsteller: »Bei mir und meinen zwei Brüdern gab es eher ein Schüsselchen. Besonders liebten wir Nougat und Blätterkrokant«, erinnert sie sich. Als Kulturhistorikerin weiß sie, dass traditionell Nüsse, Äpfel und Apfelsinen auf den Teller kamen. Auch das Märchenmuseum sei im Besitz eines solchen. »Wir spielen mit dem Bild von alter Weihnacht. Es gibt Walnüsse, Äpfel und Mandarinen. Wir schaffen einen Kontrast zur völlig überladenen Weihnacht«, erklärt sie. Dafür lasse sie die Schokolade auf dem Teller weg und stelle ein altes Schaukelpferd unter den schlicht gehaltenen Tannenbaum.

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