Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl interpretieren »Die Weihnachtsgeschichte« im Theater im Park in Bad Oeynhausen Tatort Weihnachten

Bad Oeynhausen  (WB). »Die Weihnachtsgeschichte« des britischen Autors Charles Dickens ist ein Dauerklassiker in dieser festlichen Weihnachtszeit. Im ausverkauften Theater im Park zeigten die Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, die auch gemeinsam im »Tatort« zu sehen sind, dass diese Geschichte ebenso anders erzählt werden kann.

Von Margret Weirich
Udo Wachtveitl (links) erscheint als Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Er hört gespannt zu, als Miroslav Nemec die Gedanken des Hauptcharakters Scrooge vorliest.
Udo Wachtveitl (links) erscheint als Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Er hört gespannt zu, als Miroslav Nemec die Gedanken des Hauptcharakters Scrooge vorliest. Foto: Margret Weirich

Viele haben die Weihnachtsgeschichte vermutlich hunderte Male gelesen, gehört oder gesehen. Der Roman aus dem 19. Jahrhundert gilt als politisch und sozialkritisch und erzählt vom Sinn von Weihnachten in einer Welt, die nur auf Zahlen, Gewinne und den eigenen Vorteil schaut.

Lässt sich eine solche Ikone der Literatur- und Theatergeschichte in ein neues Gewand kleiden, ohne den Bezug zum Original zu verlieren? Im Theater im Park lieferte die Aufführung »Eine Weihnachtsgeschichte – Ein Bühnenmärchen mit Musik nach Charles Dickens« des Autors und Regisseurs Martin Mühleis den Beweis, dass man in einer modernen Fassung das Wesentliche des Stücks glänzen lassen kann.

Geschichte auf ganz neue Art und Weise erzählt

Ein schlichtes Bühnenbild, spannende musikalische Kompositionen von Libor Sima und die packende Erzählkunst der Schauspieler Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl zeigten die ursprüngliche Geschichte auf eine neue Art und Weise. Miroslav Nemec spielte den Hauptcharakter aus dem Buch, Ebenenzer Scrooge, der bornierte Geschäftsmann, der keinen Sinn in Weihnachten sieht.

Nemec verkörperte glaubhaft und lebendig den Wandel vom einsamen Geizhals zum spendablen Lebemann, den der Hauptcharakter durchlebt. Jede Passage, die er rezitierte, wurde durch pointierte Gesten, Bewegungen und sprachliche Betonungen ausgeschmückt. Besonders die Szene, in der Scrooge in einer Traumreise mit dem Geist der zukünftigen Weihnacht seinen eigenen Grabstein erkennt, bot einen erschreckenden und dramatischen Höhepunkt.

Udo Wachtveitl liefert schaurige und humorvolle Momente

Nemecs Gegenüber, Udo Wachtveitl, schlüpfte in verschiedene Rollen. So war der Erzähler, der optimistische Neffe von Scrooge, der verstorbene Geschäftspartner Jacob Marley, der Angestellte Bob Cratchet oder eine der vielen anderen im Stück vorkommenden Personen. Wachtveitl wechselte meisterhaft zwischen den verschiedenen Rollen. Zudem lieferte er oft ebenfalls schaurige, aber auch humorvolle Momente.

Als Geist von Scrooges Geschäftspartner machte er die Geräusche der ihm aufgelegten Ketten nach. Als Geist der zukünftigen Weihnacht irrte er mit einem schwarzen Schleier auf dem Kopf und Nebelgerät auf der Bühne herum. Genau diese Mischung aus Gruselgeschichte, lustigen Momenten und nachdenklichen Texten brachte diesen Klassiker der Weihnachtszeit wieder zum Leuchten.

Musik und Worte bilden unzertrennbare Einheit

Fünf Streicher, geschmückt mit Engelsflügeln, begleiteten die Erzählung mit feinsten dramatischen, fast kinoartigen Musikstücken. Das englische Weihnachtslied »We Wish You a Merry Christmas« kam in allen Variationen vor. Mal löste es sich in dissonante Töne auf, mal drückte es ein freudiges Ereignis aus. Bei dieser Inszenierung bildeten die erzählenden Musiktöne und die Worte aus dem Roman eine unzertrennbare Einheit, die für eine eigenartige Stimmung im Saal sorgte.

Am Ende stand das Publikum im ausverkauften Theater im Park versammelt auf und holte Nemec, Wachtveitl und das Streichquintett immer wieder auf die Bühne. Sie applaudierten und riefen den Darstellern und Musikern laut zu. So bildete der Theaterabend für die zahlreichen Besuchern einen besinnlichen und zugleich unterhaltsamen Auftakt für die letzte Vorweihnachtswoche.

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