»Der Mann aus dem Eis«: Jakub Bejnarowicz dreht mit Kinostar Jürgen Vogel Ostwestfale filmt den »Ötzi«

Bad Oeynhausen  (WB). Als »Ötzi« ist Jürgen Vogel im Kinofilm »Der Mann aus dem Eis« zu sehen. Die beeindruckenden Bilder vor dem Südtiroler Alpenpanorama hat Kameramann Jakub Bejnarowicz eingefangen. Der 37-Jährige hat seine Kindheit und Jugend in Bad Oeynhausen verbracht und gehört zu den gefragtesten Kameramännern in Deutschland.

Von Rajkumar Mukherjee
Intensiv ist der Dreh von Kameramann Jakub Bejnarowicz (links) zum Kinofilm »Der Mann aus dem Eis« mit Jürgen Vogel gewesen. An drei Filmen ist der Wahlberliner seitdem beteiligt gewesen. Bis zum Sommer haben nun Ehefrau Julia und die Töchter Emilia (5) und Antonia (1) Vorrang.
Intensiv ist der Dreh von Kameramann Jakub Bejnarowicz (links) zum Kinofilm »Der Mann aus dem Eis« mit Jürgen Vogel gewesen. An drei Filmen ist der Wahlberliner seitdem beteiligt gewesen. Bis zum Sommer haben nun Ehefrau Julia und die Töchter Emilia (5) und Antonia (1) Vorrang. Foto: Port au Prince Pictures/Martin Rattini

In der deutsch-italienisch-österreichischen Produktion unter der Regie von Felix Randau spielt Jürgen Vogel Clanführer Kelab. In der fiktiven Geschichte während der Jungsteinzeit vor 5300 Jahren verliert er durch einen Überfall seine Frau und einen Sohn. Kelab sinnt auf Rache, begreift aber später, dass dies ein Irrweg ist. Ort der Handlung sind die Ötztaler Alpen. Dort wurde »Ötzi« 1991 als Gletschermumie gefunden.

»Produktion war eine Herausforderung«

»Es ist kein Mainstream-Film. Eher Arthouse mit Action-Elementen«, sagt Jakub Bejnarowicz. Von August bis Oktober 2016 dauerten die Dreharbeiten. Schneekälte und Sonne, dazu Wildnis und Drehs auf 3500 Metern Gletscherhöhe oder im Südtiroler Passeiertal sowie ein Film-Team mit 40 Leuten – die Produktion war eine Herausforderung. »Da muss man sich mögen. Aber Jürgen und ich haben ein gutes Verhältnis«, sagt Jakub Bejnarowicz. Zudem werden im Film nur wenige Sätze einer Ursprache gesprochen. Deshalb müssen die Filmbilder einen Teil der Geschichte erzählen.

Schauspieler Jürgen Vogel stellt den »Ötzi« dar. Foto: Port au Prince Pictures/Martin Rattini

Seine Liebe für Filme entdeckte Jakub Bejnarowicz früh. Als Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums (IKG) nahm er sich die Videokamera von Mutter Alina und Vater Antonin und filmte. »Erst waren es Familienfeste. Dann habe ich angefangen, den Alltag in kleinen Dokumentationen festzuhalten. Mein erster Hauptdarsteller war mein Opa Jan, der eine Hundehütte baute.«

1983 waren die Eltern, beide Ärzte, die noch heute in Bad Oeynhausen leben, aus Ostrów in Polen mit der Familie nach Deutschland übergesiedelt. Im Rehmer Eck fanden sie ein Zuhause. Hier wuchs Jakub Bejnarowicz mit den Geschwistern Sebastian und Veronika auf. Er besuchte die Grundschule Rehme-Oberbecksen, später das IKG. Dort lernte er in der Foto-AG, wie ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Bilder eine Geschichte erzählen.

Über Umwege an die Filmhochschule

Nach dem Abitur 1999 führte der Weg aber nicht direkt an die Filmhochschule. Zunächst absolvierte er den Zivildienst und begann 2001 ein zweijähriges Germanistik-Studium in Polen. »Parallel konnte ich mich intensiv mit Fotografie beschäftigen.« Zudem bewarb er sich an renommierten Filmhochschulen Polens. In Kattowize kam er in die letzte Runde, doch es sollte noch nicht für eine Aufnahme reichen. Jakub Bejnarowicz nutzte die Zeit und absolvierte parallel ein zweijähriges berufsbildendes Kamera-Studium an der Filmakademie in Warschau.

Schließlich bewarb er sich an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, die älteste Einrichtung dieser Art Deutschlands. Mit Erfolg. »Von da an habe ich nur noch gedreht«, sagt Jakub Bejnarowicz. Lohn der Mühe: Sein Di­plomfilm (2009) »Entzauberungen« wurde 2010 beim »First Steps Award« der Deutschen Filmakademie für den Sonderpreis Kamera nominiert. Zugleich wirkte er 2009 als Kameramann am Abschlussfilm »Wüste/Außen/Tag« von Regisseurin und Mitabsolventin Mia Grau mit und wurde dafür 2010 für den deutschen Kamerapreis nominiert.

Überraschungserfolg macht Filmproduzent Matthias Glasener aufmerksam

Als freischaffender Kameramann begann Jakub Bejnarowicz, das wichtige Netzwerk für Aufträge aufzubauen – und Filme zu machen. Wie 2011 »Der Fluss war einst ein Mensch«, der im Okavangodelta in Botswana gedreht und ein Überraschungserfolg wurde. Entdeckt wurde er schließlich von Regisseur und Filmproduzent Matthias Glasener, der zuvor mit Jürgen Vogel eine Produktionsfirma gegründet hatte.

Alle drei waren am Film »Gnade« beteiligt, der Jakub Bejnarowicz den Durchbruch brachte. 2012 erhielt er den Bayerischen Filmpreis sowie den Preis der deutschen Filmkritik und wurde für den Deutschen Filmpreis 2013 in der Kategorie Beste Kamera/Bildgestaltung nominiert. »Es war mein erster großer Film, es waren bedeutende Schauspieler – alles eine Herausforderung. Ich bin Matthias sehr dankbar für diese Chance. Und jetzt sehe ich, wie viel Glück ich habe: Ich kann heute beruflich das machen, was mir sehr viel Freude bringt.«

Wichtige Produktionen

Der Film »Der Mann aus dem Eis« ist in Programmkinos wie dem Bielefelder »Lichtwerk« zu sehen. Am 26. und 31. Januar wird er auch in Bad Lippspringe gezeigt.

Für seine Arbeit am Film »Auf kurze Distanz« erhielt Jakub Bejnarowicz 2016 eine Auszeichnung der Deutschen Akademie für Fernsehen in der Kategorie Bildgestaltung. Mit Matthias Glaser drehte er die Mini-Thriller-Serie »Blochin«. Weitere wichtige Produktionen sind »Feuchtgebiete« (2013) und drei »Tatort«-Filme (2012 und 2014).

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