Entschädigungen der »Stiftung Anerkennung und Hilfe« Wittekindshof verschickt Hunderte Briefe an ehemalige Heimkinder

Bad Oeynhausen (epd). Die Diakonische Stiftung Wittekindshof hat mehr als 600 Briefe an Betreuer und ehemalige Heimkinder verschickt. Mit der Aktion sollen diese über die Entschädigungen der »Stiftung Anerkennung und Hilfe« informiert werden, wie der Wittekindshof am Montag in Bad Oeynhausen mitteilte.

Auch in Einrichtungen der Behindertenhilfe wie dem Wittekindshof und in der Psychiatrie haben Heimkinder 1950er bis 1970er Jahren Unrecht und Gewalt erfahren. Vom Heimkinderfonds waren sie ausgeschlossen, jetzt können sie über die »Stiftung Anerkennung und Hilfe« Beratung und Geld bekommen.
Auch in Einrichtungen der Behindertenhilfe wie dem Wittekindshof und in der Psychiatrie haben Heimkinder 1950er bis 1970er Jahren Unrecht und Gewalt erfahren. Vom Heimkinderfonds waren sie ausgeschlossen, jetzt können sie über die »Stiftung Anerkennung und Hilfe« Beratung und Geld bekommen. Foto: Archiv Wittekindshof, Bad Oeynhausen

Viele Kinder und Jugendliche hätten in den 50er bis 70er Jahren Gewalt und unwürdige Behandlung bis hin zur Misshandlung erfahren - auch im Wittekindshof, erklärte der Theologische Vorstand der Stiftung, Dirk Starnitzke. Die Anfang des Jahres eingerichtete Stiftung »Anerkennung und Hilfe« soll ehemalige Heimkinder mit Behinderungen für Leid und Unrecht entschädigen.

Der Wittekindshof erhalte zunehmend Nachfragen von den Anlauf- und Beratungsstellen in den verschiedenen Bundesländern, erklärte Starnitzke weiter. Bisher hätten die meisten Anfragen bestätigt werden können, weil beim Wittekindshof ein Großteil der Akten noch vorhanden seien. Vielen ehemaligen Heimkindern sei erst die Kindheit gestohlen worden. Dann seien sie zum Schweigen verurteilt worden, ihr Leid sei nicht anerkannt worden, kritisierte Starnitzke, der sich in den vergangenen Jahren für die Entschädigung von behinderten Heimkindern eingesetzt hat.

Zwischen 1949 bis 1975 untergebracht

Die Stiftung »Anerkennung und Hilfe« soll behinderte Menschen entschädigen, die in Heimen der Bundesrepublik und der DDR unter repressiven Erziehungsmethoden gelitten haben. Diese Gruppe war bei dem vor einigen Jahren aufgelegten Fonds zur Entschädigung von Heimkindern nicht berücksichtigt worden.

Anspruchsberechtigt sind Menschen, die zwischen 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik beziehungsweise bis 1990 in der DDR in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in einer Psychiatrie untergebracht waren. Sie litten oftmals unter strengem und entwürdigendem Umgang sowie Misshandlungen.

Heimkinder mit Behinderungen können bis zu 9000 Euro erhalten

Ehemalige Heimkinder mit Behinderungen können maximal 9000 Euro erhalten. Zudem können sie einen Ausgleich für entgangene Rentenansprüche bekommen, wenn für geleistete Arbeit ab dem 14. Lebensjahr keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt worden sind. Wer bis zu zwei Jahre sozialversicherungspflichtig in den Einrichtungen gearbeitet hat, kann maximal 3000 Euro erhalten. Wer länger gearbeitet hat, kann maximal 5000 Euro erhalten.

Die 1887 in Bad Oeynhausen gegründete Diakonische Stiftung Wittekindshof betreut heute 4300 Menschen mit und ohne Behinderungen in Ostwestfalen, im Münsterland und im Ruhrgebiet.

Lesen Sie mehr am Dienstag, 15. August, im WESTFALEN-BLATT .

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