Geschäftsführer Olaf Stegmann und Direktorin Martina Theel sprechen über 25 Jahre GOP Von der Wiederentdeckung des Varietés

Bad Oeynhausen (WB). 25 Jahre GOP – an der Erfolgsgeschichte der Varieté-Theater-Gruppe mit Keimzelle in Hannover hat das GOP-Kaiserpalais in Bad Oeynhausen einen wesentlichen Anteil. Zu den Hintergründen äußern sich Olaf Stegmann, Geschäftsführer der GOP-Unternehmen, und Martina Theel, Direktorin des GOP-Varieté-Theaters im Kaiserpalais, im Interview zum Jubiläum mit Redakteur Malte Samtenschnieder.

Zum 25-jährigen Jubiläum der GOP-Gruppe unterstreichen Martina Theel und Olaf Stegmann die wichtige Rolle des Varieté-Theaters im Kaiserpalais. Im Jahr 2016 wurden dort 150.000 Besucher empfangen. Um ihr Wohl kümmerten sich etwa 180 Mitarbeiter.
Zum 25-jährigen Jubiläum der GOP-Gruppe unterstreichen Martina Theel und Olaf Stegmann die wichtige Rolle des Varieté-Theaters im Kaiserpalais. Im Jahr 2016 wurden dort 150.000 Besucher empfangen. Um ihr Wohl kümmerten sich etwa 180 Mitarbeiter. Foto: Malte Samtenschnieder

Zum 25-jährigen Bestehen der GOP-Theater ist derzeit in Bad Oeynhausen, Essen und Münster ein Jubiläumsprogramm zu sehen. Was ist das Besondere an dieser Show?

Martina Theel: Wir konnten bei »Simply the Best« eigene Wünsche mit einbringen. Für Bad Oeynhausen bedeutet das, dass die ersten Shows von Emmi und Willnowsky moderiert wurden. Das freut mich persönlich sehr, weil ich den schrägen Humor der Beiden sehr mag.

Der Ursprung der mittlerweile sieben GOP-Theater liegt in Hannover. War der heutige Erfolg der Unternehmensgruppe vor 25 Jahren in dieser Form absehbar?

Olaf Stegmann: Nein. Am Anfang drehte sich alles um das Stammhaus in Hannover. Im Jahr 1992 hat niemand daran gedacht, auch nur ein zweites Varieté-Theater zu eröffnen. Im Georgs­palast ging es darum, die Varieté-Idee aus den 1920er Jahren neu zu beleben. Es sollte Live-Unterhaltung mit tollen Künstlern geboten werden. Das Ziel war es, der dominierenden Macht des Fernsehens, der in den 1960er und 1970er Jahren viele Varietés zum Opfer gefallen waren, wirksam etwas entgegenzusetzen.

Irgendwann begann aber dann doch die Expansion…

Stegmann: Angesichts der sehr guten Entwicklung in Hannover wurde Anfang 1996 in einem ehemaligen Kino in Essen ein zweites Varieté-Theater eröffnet. Ein drittes folgte 2000 im ehemaligen Kurhaus von Bad Oeynhausen.

Bis heute ist das GOP-Theater in Bad Oeynhausen das erfolgreichste der Unternehmensgruppe. Was ist die Grundlage dafür?

Stegmann: Als sich nach der Restauration das Casino ebenfalls aus dem Kaiserpalais verabschiedet hat, ist die GOP-Eigentümerfamilie Grote von einer Unternehmensberatung aus Düsseldorf auf die interessante Immobilie aufmerksam gemacht worden. Erste Gespräche blieben allerdings ohne Erfolg.

Theel: Dann haben sich aber der damalige Kurdirektor Garrelf Remmers und der ehemalige Beigeordnete Hartmut Scharbius für die Ansiedlung des Varietés ins Zeug gelegt. Sie haben von Anfang an die großen Chancen dieses Projektes für die Kurstadt gesehen.

Frau Theel, Sie haben die komplette Geschichte des GOP-Varietés in Bad Oeynhausen begleitet. Wie haben Sie die Anfänge erlebt?

Theel: Ich wurde von einem ehemaligen Kollegen gefragt, ob ich nicht im neuen GOP in Bad Oeynhausen arbeiten möchte. Damals wusste ich zunächst nicht, dass das Varieté im Kaiserpalais geplant war. Bei meinem Vorstellungsgespräch habe ich im Kurpark das Varieté gesucht und konnte mir nicht vorstellen, dass es in diesem wunderschönen Gebäude sein sollte – das erfuhr ich von Bauarbeitern an der Wandelhalle, die mir den Weg wiesen. Als ich dann die künftigen Theaterräume gesehen habe, war ich total begeistert und habe sofort zugesagt. Anfangs war ich Veranstaltungsleiterin. Ende 2002 habe ich dann den Posten der Varietédirektorin übernommen.

Wie haben die Besucher auf das neue Varieté-Theater reagiert?

Theel: Die Gäste erkannten schnell, dass die Varieté-Unterhaltung bei uns nichts mit Klischees à la Moulin Rouge zu tun hat. Deshalb lief es von Anfang an gut. Mit der Zeit sind die Programme immer aufwendiger geworden. Inzwischen hat jede Show einen roten Faden. Außerdem kommt immer mehr Technik zum Einsatz. Mir macht die Arbeit nach wie vor sehr viel Spaß. Jeder Tag ist bunt, und es wird nie langweilig, da wir so viel Kontakt mit den Künstlern, die aus allen Teilen der Welt zu uns kommen, haben.

Stegmann: Zum Einstudieren neuer Shows haben wir inzwischen eine eigene Probenhalle in Hannover. Um den Aufwand zu verdeutlichen, den wir betreiben, möchte ich gerne ein Beispiel nennen: So haben wir für eine Show, die anschließend durch unsere Häuser getourt ist, eigens eine LED-Wand für 200 000 Euro angeschafft. Besonders bei Licht und Sound probieren wir ständig Neues aus.

Neben den Varieté-Shows spielt in allen GOP-Theatern der Gastronomiebereich eine wichtige Rolle. Wie würden Sie das Verhältnis beschreiben?

Stegmann: Gastronomie – und vor allem auch das Catering – machen in Bad Oeynhausen inzwischen mehr als die Hälfte des Umsatzes aus. In den anderen Häusern ist das Verhältnis ungefähr 50:50. Der Grund für den großen Erfolg des Gastronomiebereichs in Bad Oeynhausen ist, dass wir im Kaiserpalais so viel Platz haben – etwa für Hochzeiten, Familienfeiern, aber auch Firmenevents, Tagungen und und und. Mit unserem Gastronomieangebot versuchen wir, Gäste aus dem Umland von Bielefeld über Detmold bis nach Paderborn zu uns nach Bad Oeynhausen zu locken. Das gelingt nur, wenn man ein Alleinstellungsmerkmal hat und natürlich Qualität liefert. Mit unserem Restaurant Leander haben wir beispielsweise den Anspruch, eine frische und hochwertige mediterrane Küche, unter anderem mit der leckersten Pizza, anzubieten.

Theel: Das tolle Ambiente im Kaiserpalais ist aber sicher auch ein wichtiger Standortfaktor.

Ist eine weitere Expansion der Unternehmensgruppe geplant?

Stegmann: Über die Frage, ob ein weiteres Wachstum gewünscht wird, gibt es derzeit intensive Gespräche. Mit Ausnahme von Münster, wo wir uns gezielt um einen neuen Standort bemüht haben, sind alle anderen GOP-Theater durch persönliche Begegnungen und Zufälle entstanden. Wir haben uns nicht etwa eine Landkarte an die Wand gehängt und überlegt, wo wir gerne ein nächstes Varieté eröffnen würden. Außerdem ist es mit der Suche nach einem Standort nicht getan. Auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen.

Können Sie das genauer erklären?

Stegmann: Wenn wir ein neues GOP-Varieté eröffnen, müssen wir uns insbesondere Gedanken über die Personalbeschaffung machen. Es ist nicht immer einfach, ausreichend Gastronomiemitarbeiter zu finden, die bereit sind abends und an Wochenenden zu arbeiten. Und von den GOP-Mitarbeitern arbeitet der Großteil in der Gastronomie. Um sie dauerhaft an unser Unternehmen zu binden, sind auch Weiterbildung und Aufstiegschancen wichtige Themen.

Theel: Leider hat die Gastronomie keine gute Lobby, obwohl sie tolle Berufe bietet. Wer aber Spaß an der Sache findet, kann hier durchaus etwas erreichen. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich bin schließlich gelernte Hotelfachfrau und seit mehr als 30 Jahren in der Gastronomie tätig. Ein Großteil der Mitarbeiter im Kaiserpalais ist ebenfalls bereits seit vielen Jahren hier tätig.

Das heißt also, dass beispielsweise bei der Eröffnung des jüngsten GOP-Theaters in Bonn die Rahmenbedingungen gepasst haben?

Stegmann: Am Anfang haben wir dort mit großen Personalproblemen gekämpft. Es mussten Mitarbeiter von den anderen Standorten aushelfen. Mittlerweile hat sich die Situation aber stabilisiert. Wir haben aus dieser Erfahrung gelernt. So haben wir Pläne für einen Standort in Aachen frühzeitig verworfen, als sich Komplikationen abzeichneten.

In der Vergangenheit war das GOP-Theater in Bad Oeynhausen stets das erfolgreichste der Unternehmensgruppe. Kann es sich auch gegenüber den neuen Häusern in Bremen und Bonn behaupten?

Stegmann: Mit ihren mehr als 800 Mitarbeitern setzt die GOP-Gruppe im Jahr einen Betrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich um. Daran hat das GOP-Kaiserpalais einen wichtigen Anteil. Bei der Besucherzahl wird Bremen Bad Oeynhausen wohl demnächst erstmals übertrumpfen. Das liegt daran, dass wir in Bremen größere Kapazitäten haben. In puncto Umsatz knabbert München den Spitzenplatz von Bad Oeynhausen an.

Theel: Wir nehmen diesen internen Wettkampf sportlich und das Geschäftsjahr ist ja auch noch nicht um.

Sind weitere Maßnahmen geplant, um den GOP-Standort in Bad Oeynhausen noch attraktiver zu machen?

Theel: Wir haben in den vergangenen Jahren bereits viel getan. Über den Ausbau des Caterings haben wir bereits gesprochen. Ein wichtiger Faktor ist in diesem Zusammenhang auch das Wintervarieté in Gütersloh, das wir komplett aus Bad Oeynhausen organisieren. Innerhalb von sechs Wochen kommen dort 15 000 bis 16.000 zusätzliche Besucher zusammen. Wir investieren jedes Jahr einen hohen Betrag in die Technik und die Renovierung der Räume. Und natürlich entwickeln wir uns stetig weiter, wie man zum Beispiel an dem neuen Buffetkonzept im Leander erkennen kann.

Stegmann: Außerdem sind wir seit einiger Zeit exklusiver Caterer in der Stadthalle Lübbecke.

Wir haben die Bedeutung der passenden Rahmenbedingungen bereits erörtert. Ist in diesem Zusammenhang in Bad Oeynhausen alles zu Ihrer Zufriedenheit?

Theel: Die Zusammenarbeit mit den vorhandenen Hotels und natürlich dem Staatsbad und der Stadt läuft super.

Stegmann: Außerdem ist es eine große Herausforderung für alle Städte – nicht nur für Bad Oeynhausen – generell deutlich zu machen, warum Besucher aus dem Umland gerade hierher kommen sollen. In diesem Zusammenhang könnten Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing sicher noch mehr tun. Es reicht nicht, wenn die Stadt neue Flächen zur Ansiedlung von Gewerbe zur Verfügung stellt. Sie muss zugleich passende Rahmenbedingungen schaffen, damit potenzielle Mitarbeiter gerne dort leben.

Theel: Bei unseren Künstlern und Regisseuren kommt Bad Oeynhausen sehr gut an. Sie sind sonst nur Großstädte und die Metropolen dieser Welt gewohnt. Hier lieben sie die Bäderarchitektur, genießen die Ruhe, den Kurpark, die schöne Umgebung und die Entspannungsangebote, etwa in der Bali-Therme.

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