Manfred Pollmeier feiert Pfingsten sein silbernes Priesterjubiläum in Bad Oeynhausen Vom Postboten zum Pfarrer

Bad Oeynhausen/Löhne  (WB). Dass er etwas Lampenfieber bekommt, wenn er an die Heilige Messe am Pfingstsonntag um 10 Uhr in St. Peter und Paul denkt, gibt Manfred Pollmeier offen zu. Dann steht der 54-Jährige nämlich selbst im Mittelpunkt. Der Anlass ist die Feier seines silbernen Priesterjubiläums.

Von Malte Samtenschnieder
Wenn sich Manfred Pollmeier konzentrieren möchte, greift er gerne zur Pfeife. Obwohl er seit August 2015 Pfarrer in St. Peter und Paul Bad Oeynhausen ist, befinden sich Arbeitszimmer und Wohnbereich nach wie vor im Löhner Pfarrhaus.
Wenn sich Manfred Pollmeier konzentrieren möchte, greift er gerne zur Pfeife. Obwohl er seit August 2015 Pfarrer in St. Peter und Paul Bad Oeynhausen ist, befinden sich Arbeitszimmer und Wohnbereich nach wie vor im Löhner Pfarrhaus. Foto: Malte Samtenschnieder

Schriften von Hans Küng dienen als Inspiration

An die Weihe zum Priester am 6. Juni 1992 im Hohen Dom zu Paderborn kann sich Manfred Pollmeier noch lebhaft erinnern. »Mein Jahrgang umfasste damals 33 junge Männer«, sagt der 54-Jährige. Derartige Zahlen seien heute undenkbar. Manfred Pollmeier: »Der aktuelle Jahrgang umfasst gerade einmal fünf Absolventen.«

In seinem Priesterjahrgang habe es ganz unterschiedliche Charaktere gegeben. Einige seien »in gutem Sinne« sehr konservativ gewesen. Andere hätten sich für Eugen Drewermanns Reformansätze begeistert. Manfred Pollmeier rechnet sich rückblickend zu letzterem Lager. »Mittlerweile lese ich Drewermanns Texte allerdings mit anderen Augen«, sagt der 54-Jährige. Als inspirierend empfinde er heute eher Schriften von Hans Küng. Manfred Pollmeier: »Ich habe alle seine Bücher gelesen.«

Nach der Ausbildung folgen Abitur und Studium

In der Heiligen Messe am Pfingstsonntag um 10 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul feiert Manfred Pollmeier sein Jubiläum. Foto: Malte Samtenschnieder

Sich selbst bezeichnet Manfred Pollmeier als »Spätberufenen«. Während der »sehr behüteten« Kinder- und Jugendzeit im Schloß Holte-Stukenbrocker Ortsteil Liemke hätten ihn zwei Dinge geprägt: die katholische Kirche und der Fußballverein.

Nach dem Ende der Volksschule habe er sich im Alter von 15 Jahren dem Willen seiner Eltern gebeugt und eine Ausbildung zum Postboten absolviert. In dieser Zeit sei in ihm der bereits zuvor vorhandene Wunsch gereift, Priester zu werden. Nach der Ausbildung habe er dazu zunächst das Abitur nachgeholt. Das Theologiestudium in Paderborn habe sich nahtlos angeschlossen.

»Der Weg bis zur Priesterweihe war steinig«, erinnert sich Manfred Pollmeier. Von zu Hause habe es keine Ermutigung gegeben. Auch später habe er immer wieder Krisen bewältigen müssen. Der 54-Jährige: »Ein großer Feind ist die Angst vor der Einsamkeit.«

Fußball dient als willkommener Ausgleich

Um Grübeleien zu entgehen, setzt Manfred Pollmeier bis heute auf Fußball. »Als ich meine Stelle in Löhne angetreten habe, bin ich sofort Mitglied der Altherren-Mannschaft des SVLO geworden.« Die Einbindung in die Mannschaft als »Gleicher unter Gleichen« habe ihm viel Rückhalt gegeben. Leider könne er wegen verschiedener Verletzungen mittlerweile nicht mehr selbst auf dem Platz stehen.

Auch der Kontakt zu Mitgliedern seines Abschlussjahrgangs sei nicht abgerissen. »Mit der Hälfte von ihnen werde ich nächste Woche eine Heilige Messe feiern«, sagt Manfred Pollmeier. Dass die andere Hälfte dem Priesteramt aus verschiedenen Gründen den Rücken gekehrt habe, stimme ihn traurig und nachdenklich zugleich. »Wenn sich jemand nachträglich anders entscheidet, muss man das aber respektieren.«

In eine schwere persönliche Krise habe ihn 2010/2011 das Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen innerhalb der katholischen Kirche gestürzt. »Ich habe damals ein halbes Jahr gebraucht, um zu erkennen, dass ich mit meiner Berufung für mich selbst stehe und mich nicht vom Handeln anderer abhängig machen darf.«

Trauernden Trost zu spenden ist ein Privileg

Dass er Trauernden durch Gottes Wort Trost spenden darf, sieht Manfred Pollmeier als Privileg seiner theologischen Arbeit. Die Nähe zu den Menschen mache die Arbeit als Priester sehr erfüllend.

»Wer diesen Weg heute einschlägt, sollte Teamarbeiter sein«, sagt Manfred Pollmeier. Die Zeiten, in denen von Priestern erwartet worden sei, alles selbst können zu müssen, seien vorbei. Die Gestaltung des neuen Pastoralen Raumes Werre-Weser etwa könne auch nur gemeinsam gelingen.

Aus der Biografie

Manfred Pollmeier wurde am 6. Juni 1992 im Hohen Dom zu Paderborn vom damaligen Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt zum Priester geweiht. Am Tag darauf feierte er das erste Mal in seiner Heimatgemeinde – dem Schloß Holte-Stukenbrocker Ortsteil Liemke – die Heilige Messe, die sogenannte Primiz.

Bisherige Priesterstellen des heute 54-Jährigen waren in Herne/Baukau, Bünde, Löhne und Bad Oeynhausen. Zudem war Manfred Pollmeier Dechant des ehemaligen Dekanates Herford und anschließend des Dekanates Herford-Minden. Seit 2015 ist Manfred Pollmeier Pfarrer in St. Peter und Paul Bad Oeynhausen. Darüber hinaus leitet er den neu geschaffenen Pastoralen Raum Werre-Weser.

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