Dirk Lenger fotografiert Jahr für Jahr die Bauarbeiten an der Nordumgehung Veränderung in 7500 Fotos

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Dirk Lenger (78) hat sich lange in der Notgemeinschaft Bad Oeynhausen/Löhne gegen den Bau der Nordumgehung eingesetzt. Im Frühjahr 2007 machte er ein Jahr vor dem Spatenstich die ersten von insgesamt 7500 Fotos. Eine Zeitreise in Bildern – vor und nach Baubeginn.

Von Rajkumar Mukherjee
Dirk Lenger ist seiner Kamera regelmäßig in der Stadt unterwegs, um Gebäude und Landschaften zu fotografieren.    
Dirk Lenger ist seiner Kamera regelmäßig in der Stadt unterwegs, um Gebäude und Landschaften zu fotografieren.    

In unermüdlicher Fleißarbeit hat Dirk Lenger die Fotos zwischen 2007 und 2017 erstellt sowie anschließend archiviert. Die Abbildungen zeigen Natur und Landschaft, wie sie einmal vor dem Bau der Trasse im Norden Bad Oeynhausens ausgesehen haben, und den Baufortschritt seit dem Spatenstich am 22. Oktober 2008. Festgehalten hat er beispielsweise die Landschaft am Werreradweg in Richtung Kussbrücke, die Brücke Bergkirchener Straße, den Tunnel an der Dehmer Straße oder die Werrebrücke in Rehme. Wie wichtig die Fotos sind, weiß Dirk Lenger. »Ich treffe Bürger, die sich an den betroffenen Stellen nicht mehr genau an die Landschaft erinnern können«, sagt er.

Die etwa 9,5 Kilometer lange Trasse zwischen den Autobahnen A30 und A2 hat Dirk Lenger in 24 Hauptabschnitte aufgeteilt: etwa in das Kreuz Löhne, die Brücke Börstelstraße, die Fußgängerbrücke Alter Postweg, die Tunneleinfahrt Dehmer Straße und den Anschluss Dehmer Straße. Diese sind in insgesamt 144 Unterbereiche gegliedert: beispielsweise für das Kreuz Löhne mit den »Kleeblatt«-Bereichen Südwest (Am Haubach), Nordost (Talweg), Südost (Zur Alten Werre) und Nordwest (Angelsee).

Zeitweise im Vorstand der Notgemeinschaft

Schon vor dem Spatenstich hatte sich Dirk Lenger mit seiner Ehefrau Waltraud der Notgemeinschaft angeschlossen, aus der später die Partei »Bürger für Bad Oeynhausen« (BBO) hervorgegangen sei. Zeitweise gehörte er auch dem Vorstand der Notgemeinschaft an.

»Unser Anliegen war, mit den Befürwortern der Nordumgehung Argumente auszutauschen«, sagt Dirk Lenger. Zu dem Argumenten gegen die Nordumgehung gehören heute aus seiner Sicht die Zahl von etwa 9000 Anwohnern, die von dem Bau der Trasse unmittelbar betroffen seien. Zudem verändere die etwa 450 Meter breite Trasse, inklusive 50 Meter breiter Fahrbahn und dem Immissionsgürtel links und rechts (je 200 Meter) die Landschaft nachhaltig.

Alternativen habe es mit der Südumgehung und der Tunnel-/Trog-Lösung über die Mindener und Kanalstraße gegeben, sagt Dirk Lenger. »Die Notgemeinschaft favorisierte schließlich die Tunnel-Lösung, um mit einer Stimme zu sprechen«, sagt er.

Der Notgemeinschaft hätten sich 2500 Bürger angeschlossen, erinnert sich Dirk Lenger. Bei den regelmäßigen Montagsdemons­trationen seien bis zu 200 Personen dabei gewesen. »Wir wollten den Entscheidungsträgern zeigen, dass es einen Widerstand gegen den Bau der Nordumgehung gibt«, sagt Dirk Lenger.

Wendepunkt nach dem Urteil

Der Wendepunkt sei die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes im Juli 2008 gewesen. Kläger hatten sich zuvor dorthin gegen den Planfeststellungsbeschluss gewandt. Weitere Proteste und Demonstrationen folgten. Dennoch gab es den Spatenstich im Oktober 2008. Daran nahmen auch der damalige NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke und Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl teil. 

Ob 2018 oder erst später – wann genau die Nordumgehung nach Verzögerungen fertig sein wird, steht nicht fest. Dirk Lenger ist nicht direkter Anwohner, unterhält sich aber weiter mit Bürgern, etwa aus Eidinghausen. »Manche schätzen die Belastung eher gering ein. Welche Auswirkungen es von etwa 45 000 Kfz einmal geben wird, wird man aber erst später erkennen können«, sagt er.

Einen Auszug seiner Fotos vom Bau der Nordumgehung in Form einer Videoshow möchte Dirk Lenger im Herbst vorstellen.

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