Vor Baubeginn sollten 70 Prozent der Fläche vermarktet sein Alte Schokoladenfabrik: Projekt ruht

Bad Oeynhausen (WB). Das Ehepaar Tanja und Henning Bökamp hat die Pläne für die Neugestaltung der ehemaligen Schokoladenfabrik Lammert auf Eis gelegt. »Wir haben alle Manpower vom Projekt abgezogen«, sagte Architekt Henning Bökamp.

Von Claus Brand
2013 haben Tanja und Henning Bökamp die ehemalige Schokoladenfabrik am Alten Rehmer Weg gekauft. Im Zuge der Planung für das Objekt gab es dort eine Konzertlesung , Foto-Shootings und die Kunstverkaufsveranstaltung »Palimpsest«. Die Entwicklung der Immobilie hat das Paar nun auf Eis gelegt.
2013 haben Tanja und Henning Bökamp die ehemalige Schokoladenfabrik am Alten Rehmer Weg gekauft. Im Zuge der Planung für das Objekt gab es dort eine Konzertlesung , Foto-Shootings und die Kunstverkaufsveranstaltung »Palimpsest«. Die Entwicklung der Immobilie hat das Paar nun auf Eis gelegt.

»Leider konnten wir bis heute keinen idealen Mix aus Finanzierung und Vermietung schaffen«, erklärte er. Dieser sollte zu einer für alle Beteiligten tragbaren Konzeption und zur Realisierung eines Dienstleistungs- und Bürozentrums führen. Nach Informationen dieser Zeitung gab es vielversprechende Verhandlungen mit einem Mietpartner aus dem Handel. Er sollte Zugpferd für das Projekt werden. Dieses hatte das Paar selbst immer wieder als Ankerprojekt für Rehme im Zuge der Entwicklung der Mindener Straße nach Freigabe der Nordumgehung bezeichnet. Das Mietverhältnis kam nicht zustande.

Fördermittel sollten genutzt werden

Bei einer Umsetzung der Pläne im Rahmen des politisch gewollten Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (kurz ISEK) wollte Bökamp auch Fördermittel des Landes vor dem Hintergrund der städtebaulichen Entwicklung nutzen. Dies sei nun vorerst Geschichte, erklärte Tanja Bökamp. Etwa 250 000 Euro Fördermittel sollten zudem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt kommen, 177 000 Euro über einen Antrag bei der Stadt vom Land. Zur Förderfrage erklärte Bökamp: »Potentielle und für die Realisierung notwendige Fördergelder in Höhe von gut 450 000 Euro wurden nicht genehmigt oder konnten in der jetzigen Konzeption nicht voll beziehungsweise auf Grund immenser Auflagen nur unwirtschaftlich abgerufen werden, so dass wir davon Abstand nehmen mussten.«

Eine weitere Herausforderung sei durch den Anspruch entstanden, das Gebäude annähernd energieautark zu konzipieren und dieses Ziel mit den gängigen Kreditförderungen der KfW-Programme in Einklang zu bringen.

Keine Einigung mit potenziellen Mietern

»Die Vermietungssituation war bis Ende Februar 2017 auf der Zielgeraden«, sagte Bökamp. 70 Prozent der vermietbaren Fläche sollten vor Baubeginn vermarktet sein. Bökamp: »Wir hatten alle Vorbereitungen für einen Baubeginn ab Mitte 2017 und eine Bezugsfertigkeit bis Herbst 2018 getroffen.« Genehmigungen dafür seitens der Stadt und wesentliche Klärungen mit ihr waren erfolgt. »Die Unterlagen zur Einreichung des Bauantrages waren vorbereitet, Ausschreibungen konzipiert. Die Baupartner standen im Wesentlichen fest. Es hätte losgehen können und sollen.« Leider habe man die Verhandlungen im Bereich Erdgeschoss (Handel) nach einem halben Jahr regelmäßigen Austausches nicht einvernehmlich zum Ergebnis führen können, »so dass wir eine weitere Zusammenarbeit Ende März abgesagt haben«. Ein weiterer »Ankermieter« für das zweite Obergeschoss aus dem Ingenieurwesen habe in seinem jetzigen Mietverhältnis überraschend und für alle Beteiligten kurzfristig eine neue Perspektive angeboten bekommen. Bökamp: »Weitere Gespräche, um diesen Ausfall an Mietfläche zu kompensieren, folgten bis März.« Sein Fazit: 70 Prozent der Fläche sollten vor Baubeginn vermarktet sein. Dies sei nicht erreicht worden. Dieser Aspekt und »fehlende Förderzusagen haben uns dazu bewogen, das Projekt jetzt zu stoppen.«

Gefühlt nach intensiver Arbeit über mehr als drei Jahre sei man mit manchen Ideen vielleicht zu früh am Markt gewesen. Bökamp: Aktuell müsse auf dem Grundstück nichts passieren – außer der Sicherung vor Vandalismus. Mit Blick auf die Zukunft schließt er die Akte Alte Schokoladenfabrik nicht auf immer und ewig: »Wir haben uns entschieden, das Projekt zu stoppen. Es bleibt für uns ein ruhendes Herzensprojekt.«

Zur Entwicklung sagte Bürgermeister Achim Wilmsmeier: »Wir bedauern, dass mit dieser Entscheidung das Leuchtturmprojekt für den Bereich zunächst wegfällt. Wir hoffen, dass sich aus dem Bereich auch andere Eigentümer finden, die mit Mitteln aus dem ISEK an unserem Ziel arbeiten möchten, das Gebiet zu sanieren.«

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