Zwölftklässler aus Bad Oeynhausen beziehen Stellung zum Thema »Europa« Ohne Einigkeit geht es nicht

Bad Oeynhausen (WB). »Was verbinden Jugendliche mit Europa?« Dieser Frage ist Redakteur Malte Samtenschnieder im Gespräch mit Zwölftklässlern des Leistungskurses Sozialwissenschaften der Gesamtschule Bad Oeynhausen nachgegangen – eine Bestandsaufnahme zum Europatag am 5. Mai.

Die Zwölftklässler des Leistungskurses Sozialwissenschaften der Gesamtschule sind Europa gegenüber aufgeschlossen.
Die Zwölftklässler des Leistungskurses Sozialwissenschaften der Gesamtschule sind Europa gegenüber aufgeschlossen. Foto: Malte Samtenschnieder

»Seit es die EU und ihre Vorläufer gibt, herrscht Frieden in Europa«, sagt Nico (18). Vom Grundsatz her gleiche Chancen für alle Bürger sieht Yannick (18) als wichtige Errungenschaft der EU. Für Marcel (20) ist in diesem Zusammenhang ein einheitliches Auftreten der europäischen Staaten wichtig. »Dann können selbst Turbulenzen wie der Brexit, Spannungen mit der Türkei oder die Diskussion über einen EU-Austritt Frankreichs nach einem möglichen Wahlsieg von Präsidentschaftskandidatin Le Pen der EU nichts anhaben«, sagt der Zwölftklässler.

Auf einen Fortbestand der EU in ihrer heutigen Form hofft Enes (19) – etwa im Hinblick auf die Reisefreiheit innerhalb des Schengen-Raums. »So ist es jungen Menschen etwa möglich, im Ausland berufliche Erfahrungen zu sammeln«, sagt der Zwölftklässler. Auch Aylin (17) sind dauerhaft offene Grenzen wichtig. Voraussetzung dafür sei aber, dass sich die EU-Staaten auf eine gemeinsame Flüchtlingspolitik einigen.

Kein noch so abwegiger Wahlausgang ist ausgeschlossen

Die Stadt Bad Oeynhausen pflegt innerhalb Europas seit langem partnerschaftliche Beziehungen nach Fismes (Frankreich), Ino­wroclaw (Polen) und Wear Valley (Großbritannien). Das wird durch die Beflaggung auf dem Platz des Europarates dokumentiert Foto: Malte Samtenschnieder

Szenarien, die beinhalten, dass nach Großbritannien weitere Mitglieder die EU verlassen, beurteilt Jonas (17) kritisch. »Dadurch würde die Wirtschaftskraft der EU weiter geschwächt, und es würde schwieriger, sich gegenüber den USA oder auch China zu behaupten«, sagt der Zwölftklässler. Die Entwicklungen, die zum Brexit führten, kann Marlon (18) nachvollziehen. Eine Bevölkerungsmehrheit, die verlangt habe, dass das Land seine Probleme wieder selbst in die Hand nehme, habe sich 2016 beim Brexit-Referendum durchgesetzt. »Damit sich so etwas nicht wiederholt, müssen die verbliebenen Staaten versuchen, die eigenen Interessen und die der EU in ein Gleichgewicht zu bringen«, schlägt der Schüler vor.

Dass die EU-kritische AfD durch die anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen an Einfluss gewinnt, glaubt Jack (19) nicht. »Ich sehe die AfD nicht als wirkliche Alternative für Deutschland. Außerdem haben bereits alle etablierten Parteien erklärt, dass sie mit der AfD keine Koalitionen eingehen wollen«, sagt der Schüler. Nach dem überraschenden Wahlsieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016 könne aber wohl grundsätzlich kein noch so abwegiger Wahlausgang mehr ausgeschlossen werden.

Gemeinschaftswährung ist wichtiger Kitt für Europa

Als wichtigen Kitt für Europa sehen die Oberstufenschüler den Euro. Dass besonders die deutsche Wirtschaft von der Gemeinschaftswährung profitiert, glaubt Marlon (18). Aylin (17) hält es deshalb für wahrscheinlich, dass ein EU-Austritt Deutschlands das Land stark schwächen würde. Warum die EU aus seiner Sicht selbst derart gravierende Veränderungen überstehen würde, erläutert Enes anhand eines Beispiels aus dem Sport. »Wenn Christiano Ronaldo bei Real Madrid auf dem Platz steht, wird er bevorzugt von den anderen angespielt, weil er am torgefährlichsten ist. Fehlt Ronaldo aber müssen sich die restlichen Spieler zusammenraufen und spielen am Ende auch nicht so schlecht«, sagt der 19-Jährige.

Dass Deutschland die EU verlassen könnte, halten alle Schüler des Leistungskurses Sozialwissenschaften dennoch für unwahrscheinlich. Nicht zuletzt, weil bei der Bundestagswahl im September mit Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) zwei EU-freundliche Spitzenkandidaten ins Rennen gehen. »Langfristig ist es aber wichtig, die Jugend stärker mit dem Thema ›EU‹ zu befassen«, sagt Aylin (17). So handele es sich ja auch bei ihr und ihren Mitschülern um die Wähler von morgen.

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