Coffee to go: Bad Oeynhausener Unternehmer suchen umweltfreundliche Alternativen Einwegbecher soll Konkurrenz bekommen

Bad Oeynhausen (WB). »Einen Kaffee zum Mitnehmen bitte!« Ein Satz, der jeden Tag Tausende Male in Bäckereien, Cafés oder Kiosken zu hören ist – und für die Natur ein empfindliches Nachspiel hat. Denn 320 000 der Einwegbecher werden allein in Deutschland stündlich verbraucht. Geht’s umweltfreundlicher? Redakteur Tilo Sommer hat es ausprobiert.

Von Tilo Sommer
Laut Deutscher Umwelthilfe verursachen die Einwegbecher 40 000 Tonnen Müll pro Jahr in Deutschland.
Laut Deutscher Umwelthilfe verursachen die Einwegbecher 40 000 Tonnen Müll pro Jahr in Deutschland. Foto: dpa

Ob morgens auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause oder beim Spaziergang am Nachmittag: »Coffee to go« ist praktisch und bequem, das Heißgetränk kann entspannt unterwegs geschlürft werden. Wäre da nicht der Müll, der nach dem Genuss übrig bleibt.

43 000 Bäume werden jährlich für Produktion gefällt

Etwa drei Milliarden der Einwegbecher mit Plastikdeckel gehen laut Deutscher Umwelthilfe (DHU) davon jährlich in Deutschland über die Ladentheke. Für die Produktion der Becher würden 1,5 Milliarden Liter Wasser benötigt und 43 000 Bäume gefällt.

Eine »gewaltige Menge« findet auch Roland Seeger von der Bäckerei Seeger Brot. Er beschäftigt sich mit der Suche nach Alternativen und hat sich dafür kürzlich auf der Gastronomie-Messe »Internorga« in Hamburg umgeschaut. Gestoßen ist er dabei auf einen kompostierbaren Becher aus Stärke.

Becher aus Stärke ist noch zu teuer

Das Problem ist aber der Preis: »Für einen gewöhnlichen Einwegbecher ohne Deckel zahle ich etwa sieben bis acht Cent. Bei höheren Stückzahlen wird der günstiger. Der Stärke-Becher ist doppelt so teuer«.

Trotzdem habe er die umweltfreundlichen Becher zur Probe bestellt. Wer möchte, kann sich seinen Kaffee auch in einem eigenen Mehrwegbecher mitnehmen.

Verkäuferin Wasila Khalaf lässt den Kaffee erst in ein Glas laufen und füllt ihn aus hygienischen Gründen auf der Theke in den Kunden-Becher um. »Inzwischen haben wir täglich Kunden, die ihren eigenen Becher mitbringen«, sagt sie.

Vor drei Tagen, am Dienstag, nahm Andreas Brante von der gleichnamigen Bäckerei an einer Tagung teil, wo die Mehrwegbecher auf der Tagesordnung standen. Für seinen Betrieb hat der Chef genaue Vorstellungen: »Wir wollen ein Mehrwegbecher-System einführen.«

Derzeit suche er nach dem passenden Modell. Ende April soll die Entscheidung gefallen und ab Mitte des Jahres der neue Becher als Alternative zum Einwegbecher zu kaufen sein.

Porzellanbecher als Alternative

»Wir wollen einen Porzellanbecher mit Gummi-Deckel anbieten«, erklärt Andreas Brante. Kunden, die sich für den Mehrwegbecher entscheiden, sollen mit einem Rabatt beim Kaffee-Einkauf sparen.

Aktuell seien Kunden mit eigenem Mehrwegbecher selten, meint Brante-Verkäuferin Meike Salzsiedler. Doch auch sie schenkt den Kaffee auf Wunsch gerne in den mitgebrachten Becher ein.

Eis gibt’s nur noch im Waffelbecher

Gleiches gilt für Dirk Luther, Inhaber vom Café Finselbach. Ihm fehlen seitens der Industrie noch die passenden Angebote für ein Mehrwegbecher-System. »Aber das wird kommen«, ist sich Luther sicher. Vorstellbar sei die Umsetzung für ihn vor allem in der Finselbach-Filiale im Herzzentrum, da dort viel »Coffee to go« verkauft werde.

In seinem Café an der Klosterstraße lohne sich das weniger. Dort hat Dirk Luther eine andere Möglichkeit gefunden, die Natur zu entlasten: »Eis zum Mitnehmen verkaufen wir seit Jahren nur in essbaren Waffelbechern.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.